Google Pixel Frauen-Bundesliga

Neu-Unionerin Lina Hausicke: "Ich wurde mit offenen Armen empfangen"

08.10.2026
Nach neun Jahren bei Werder Bremen: Lina Hausicke seit dieser Saison im Trikot der Eisernen Foto: imago

Nach neun Jahren beim SV Werder Bremen, darunter sechs Spielzeiten als Kapitänin, wechselte Lina Hausicke am letzten Tag der Transferperiode innerhalb der Google Pixel Frauen-Bundesliga zum 1. FC Union Berlin. Im DFB.de-Interview spricht die 28 Jahre alte Mittelfeldspielerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihre ersten Tore für den neuen Klub, den Aufwärtstrend und Ex-Mitspielerin Marie-Louise Eta.

DFB.de: Sind Sie mit Ihrem Doppelpack beim 4:0-Auswärtssieg in Stuttgart endgültig bei Union angekommen, Frau Hausicke?

Lina Hausicke: Grundsätzlich mache ich das ganz sicher nicht an Toren fest. Viel wichtiger war für uns, dass wir in den zurückliegenden Wochen die Kurve bekommen und jetzt drei Pflichtspiele in Serie gewonnen haben. Grundsätzlich bin ich vom Team sehr gut aufgenommen worden, alle waren sehr offen. Ich bin glücklich, jetzt bei Union zu sein, und möchte meine Erfahrung einbringen.

DFB.de: Wie sind die Reaktionen in Ihrem persönlichen Umfeld ausgefallen?

Hausicke: Tatsächlich habe ich zahlreiche Nachrichten bekommen, viele davon auch aus Bremen, dazu von Freunden und Familie. Das hat mich sehr gefreut.

DFB.de: Sie sprachen nach dem Abpfiff von einigen der turbulentesten Wochen Ihres Lebens seit dem Wechsel vom SV Werder zu Union. Worauf war das vor allem bezogen?

Hausicke: Obwohl die Gespräche schon seit einiger Zeit liefen, ging alles erst auf den letzten Drücker über die Bühne. Noch sonntags habe ich für Bremen gespielt, gleich danach ging es nach Berlin, zwei Tage später war der Deadline Day mit Medizincheck und Vertragsunterschrift. Meine Wohnung in Bremen habe ich nahezu fluchtartig verlassen, war gerade zum ersten Mal wieder dort. Inzwischen bin ich aber auch in Berlin fündig geworden und werde in nächsten Tagen den Umzug hinter mich bringen.

DFB.de: Die Entwicklung bei Werder war in den zurückliegenden Jahren ebenfalls positiv. Was hat Sie dennoch an Union besonders gereizt?

Hausicke: Am Ende war es eine persönliche Entscheidung. Ich liebe Werder Bremen, der Verein wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. In den neun Jahren habe ich viele besondere Momente erlebt, bei der offiziellen Verabschiedung wurde mir noch einmal große Wertschätzung entgegengebracht. Dennoch fühlt es sich für mich richtig an, mich neuen Aufgaben zu stellen. Union ist ein sehr ambitionierter Verein mit klaren Zielen und einer besonderen Entwicklung. Ich wurde mit offenen Armen empfangen.

DFB.de: Hat auch die größere Nähe zu Ihrer Heimat eine Rolle gespielt?

Hausicke: Definitiv. Ich habe im Alter von 13 Jahren mein Elternhaus verlassen, bin erst nach Jena ins Internat und später nach Bremen gewechselt. Nach so langer Zeit denkt man schon darüber nach, wohin es eines Tages gehen soll. Wenn ich jetzt sehe, dass es für meine Freunde und Familie deutlich einfacher ist, zu unseren Spielen nach Berlin zu kommen, als es in Bremen der Fall war, dann spielt das schon mit rein.

DFB.de: Die ersten Partien nach Ihrem Wechsel verliefen nicht erfolgreich. Wie sehr hat Sie das als besonders ehrgeizige Spielerin genervt?

Hausicke: Schon sehr. Wir haben hohe Ziele, mit denen ich mich voll identifizieren kann. Entsprechend hatten wir uns den Saisonstart ganz anders vorgestellt.

DFB.de: Wie groß war das Aufatmen nach dem 3:2-Heimsieg gegen RB Leipzig?

Hausicke: Die krasse Energieleistung, mit der wir das Spiel nach einem 1:2-Rückstand noch gedreht haben, war zweifellos ein Brustlöser für uns. Der Sieg war insgesamt aber auch völlig verdient. In der ersten Halbzeit hatten wir einen deutlicheren Vorsprung verpasst.

DFB.de: Was war aus Ihrer Sicht entscheidend dafür, dass es zuletzt weiter aufwärts ging?

Hausicke: Da haben verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt. Wir wissen, wie wir spielen wollen, und können es inzwischen auch immer besser umsetzen. Durch die zahlreichen Veränderungen im Kader hat es ein wenig gedauert, bis die Automatismen greifen. Jetzt haben wir aber Selbstvertrauen getankt und wollen den Schwung mitnehmen.

DFB.de: Kommt die Länderspielpause für Union also zu einem ungünstigen Zeitpunkt?

Hausicke: Sicherlicht hätten wir gerne weitergespielt, um im Flow zu bleiben. Auf der anderen Seite tut es auch mal gut, ein wenig durchzuatmen.

DFB.de: Wie wird die pflichtspielfreie Zeit genutzt?

Hausicke: Acht Spielerinnen sind mit ihren Nationalteams unterwegs, für die anderen steht ein Testspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam an. Danach haben wir einige Tage frei, werden aber individuell trainieren und uns fithalten.

DFB.de: In Bremen waren Sie über mehrere Jahre Kapitänin. Ergibt sich daraus automatisch der Anspruch, auch bei Ihrem neuen Verein eine Führungsrolle einzunehmen?

Hausicke: Das hat weniger etwas mit der Binde zu tun, sondern mehr mit meiner Einstellung, meiner Überzeugung und auch mit meiner Position im zentralen Mittelfeld. Es ist immer mein Ziel, voranzugehen und dem Team Impulse zu geben. Dafür muss ich nicht Kapitänin sein.

DFB.de: Mit Trainerin Marie-Louise Eta haben Sie selbst in Bremen noch ein Jahr zusammengespielt. Erleichtert oder erschwert das die Zusammenarbeit?

Hausicke: Weder noch. Es war für uns beide von Beginn an klar, dass es ganz allein um Leistung geht. In den zurückliegenden Jahren habe ich ihren eindrucksvollen Weg als Trainerin natürlich verfolgt und kann sagen, dass es viel Spaß macht, wieder mit ihr zusammenzuarbeiten.

DFB.de: Vor der Saison wurde Union zu den Kandidaten für einen Spitzenplatz in der Liga gehandelt. Was trauen Sie dem Team im weiteren Saisonverlauf noch zu?

Hausicke: Es ist kein Geheimnis, dass unser Start nicht optimal war. Die Saison hat aber gerade erst begonnen, auch andere Vereine werden noch Punkte abgeben. Wir sollten jedoch nicht zu weit in die Zukunft schauen, sondern uns auf die nächsten Aufgaben fokussieren.

DFB.de: Noch im Oktober kommt es innerhalb von sechs Tagen zu zwei Gastspielen beim Hamburger SV. Das ist für Sie als Ex-Bremerin eine besondere Konstellation, oder?

Hausicke: Das kann ich nicht bestreiten. Bisher habe ich im Volksparkstadion gute Erfahrungen gemacht und hätte nichts dagegen, wenn es so bleibt.

DFB.de: Wann Sie die Wahl hätten: Würden Sie lieber drei Punkte mitnehmen oder den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals schaffen?

Hausicke: Da möchte ich nicht wählen, sondern beide Spiele gewinnen. 

Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga

Autor: mspw