Männer-Nationalmannschaft
Nagelsmann: "Nicht bremsen, aber in die richtige Bahn lenken"
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Die Nationalmannschaft hat den letzten WM-Test auf deutschem Boden überzeugend für sich entschieden. Das Team von Julian Nagelsmann gewann in Mainz 4:0 gegen Finnland. Im Interview auf DFB.de spricht der Bundestrainer über die Leistung und die WM-Generalprobe gegen die USA in Chicago am Samstag (ab 20.30 Uhr, live bei RTL).
Frage: Herr Nagelsmann, wie fällt Ihre Analyse nach dem Sieg gegen Finnland aus?
Julian Nagelsmann: Es gibt nie Spiele, wo alles perfekt läuft. Die ersten 15 Minuten waren bärenstark, dann sind die Jungs zu gierig, Tore zu schießen, so dass sie ungeduldig werden. In der zweiten Halbzeit war das viel besser. Wir müssen da mehr unserer eigenen Stärke vertrauen. Wir haben so viele gute Fußballer, die immer Bock haben, aber manchmal ist es zu viel der Lust. Ich will sie nicht bremsen, aber in die richtige Bahn lenken.
Frage: Deniz Undav war mit zwei Toren und einer Vorlage Matchwinner. Wie haben Sie ihn gesehen?
Nagelsmann: Deniz war sehr gefährlich in der Box, hat ein gutes Spiel gemacht. Das erste Tor war bei seiner Form einfach, beim zweiten hat er einen sehr guten Laufweg und gute Ruhe. Er hat in Stuttgart extrem viel gespielt und hatte kaum Pause, er spürt die Belastung. Deshalb müssen wir ein bisschen dosieren. Aber er hat in der Kabine einen glücklichen Eindruck gemacht.
Frage: Ist Lennart Karl nach seiner erneut starken Vorstellung aus der Startelf noch wegzudenken?
Nagelsmann: Das sehen wir die nächsten eineinhalb Wochen. Bei ihm ist die letzten Monate viel passiert - das zu verarbeiten, ist eine der größten Herausforderungen in seinem Alter. Er hat es gut gemacht, Raum geschaffen für andere. Aber ihr habt alle auch die Einwechslung von Leroy Sané gesehen - das war top. Er bringt eine unfassbare Dynamik. Die eine Situation hat Jamal (Musiala; Anm. d. Red.) sehr gut "verteidigt", sonst hätte Leroy ein Tor gemacht. Und dann haben wir noch Jamie (Leweling; Anm. d. Red.) in der Hinterhand.
Frage: Was zeichnet Karl aus?
Nagelsmann: Er ist ein Straßenkicker, den du nicht in Strukturen pressen darfst, sonst verliert er seinen Flow. Er macht schon viel richtig, aber kann auch noch vieles verbessern. Aber da gibt es keinen spezifischen Punkt. Er ist gerade erst Profi geworden und erst am Start des Rennens.
Frage: Ist davon auszugehen, dass die Doppelsechs mit Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha so die WM spielt?
Nagelsmann: Pavlo ist sehr fleißig und viel unterwegs, auch Felix, der bei uns ein bisschen höher steht als in Dortmund. Ich war zufrieden mit den beiden, sie haben es sehr gut zusammen gemacht. Aber wir haben auch Ange (Angelo Stiller; Anm. d. Red.), der hat eine sehr gute Saison gespielt. Wir haben Pascal (Groß; Anm. d. Red.), der ein bisschen offensiver ist und in Brighton im Aufschwung war. Und da ist Leon (Goretzka; Anm. d. Red.), der sehr gut trainiert hat.
Frage: Wie fanden Sie die Reaktion des Publikums auf den Einsatz von Oliver Baumann?
Nagelsmann: Sehr gut. Wie sie ihn empfangen und im Spiel gefeiert haben, war ein schönes Zeichen. Er ist ein wichtiger Teil unserer Mannschaft, hat einen tollen Sportsgeist bewiesen und ein tolles Spiel gemacht.
Frage: Wie ist Ihr Plan mit Kai Havertz?
Nagelsmann: Kai wird direkt in die USA kommen zu uns. Er brennt darauf. Wir brauchen Kai, sein Tor im Champions-League-Finale war außergewöhnlich. Man hat seine Bedeutung gesehen, seinen Fleiß in der Defensive, seine brutale Kopfballstärke auch defensiv bei Standards. Er ist ein sehr guter Mensch, ein richtig guter Typ und Topspieler. Er wird gute Leistungen zeigen.
Frage: Nathaniel Brown hat links hinten den Vorzug vor David Raum erhalten. Wie ist da die Konkurrenzsituation?
Nagelsmann: Nene hat sehr viel Potenzial, ist ein sehr guter Eins-gegen-eins-Spieler, hat viel Tempo, macht es sehr clever und fühlt sich wohl im Halbraum. David hat ein bisschen Wehwehchen aus Leipzig. Das sind zwei sehr gute Spieler, die einen unterschiedlichen Stil verkörpern und beide beginnen könnten.
Frage: Was erwarten Sie von der anstehenden WM-Generalprobe gegen die USA in Chicago?
Nagelsmann: Das wird ein sehr emotionales Spiel in einer Stadt ohne WM-Spiel, gegen den Gastgeber, der seinen letzten Test bestreitet, das größte Spiel seit langem, wahrscheinlich seit 1994 für eine sehr große Nation. Da haben wir keine klare taktische Idee, die einen unserer Gruppengegner widerspiegelt. Es geht eher darum, die Emotion aufzusaugen und im Turnier anzukommen.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: sid

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