Männer-Nationalmannschaft
Nagelsmann: "Die Lehren daraus ziehen"

Die deutsche Nationalmannschaft hat die WM-Gruppenphase mit einer Niederlage gegen Ecuador beendet. Bundestrainer Julian Nagelsmann bewertet im Interview den Dämpfer und zieht vor dem Sechzehntelfinale am Montag (ab 22.30 Uhr, live im ZDF und bei Magenta TV) erste Schlüsse.
Frage: Julian Nagelsmann, wie bewerten Sie die erste WM-Niederlage und was nehmen Sie aus diesem Spiel mit?
Julian Nagelsmann: Es war ein verdienter Sieg, das muss man anerkennen. Der Start war sehr gut, auch wenn ich unser Tor nicht gegeben hätte. Wir haben sehr früh und sehr schnell die Positionen verlassen. In der zweiten Halbzeit mussten wir nach den vielen Wechseln die Struktur finden. In einem K.o.-Spiel hätten wir vom Profil her vielleicht anders gewechselt. Es ist wichtig, daraus die Lehren zu ziehen.
Frage: Wollte Ecuador den Sieg vielleicht mehr?
Nagelsmann: Für Ecuador ging es um alles, das hat man gemerkt, sie standen auf dem Gaspedal. Ich kann aber auch von keinem meiner Spieler sagen, dass er nicht Gas gegeben hat. Das ist mir zu plakativ. Wir müssen aus den Umschaltmomenten mehr machen.
Frage: Ihr Team hatte wie schon gegen die Elfenbeinküste Probleme mit der Körperlichkeit des Gegners. Wie wollen Sie das beheben?
Nagelsmann: Körperlichkeit ist schwer zu trainieren. Wir müssen den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen. Oder wir schaffen im Kollektiv mehr Überzahlsituationen. Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich.
Frage: Wie beurteilen Sie die Leistung von Manuel Neuer?
Nagelsmann: Bis jetzt ist noch kein Torwartspiel dabei gewesen. Der erste Ball war super schwer, der geht vorher durch die Beine. Beim zweiten Tor ist es extrem schwierig zu reagieren. Der Ball wird am kurzen Pfosten verlängert, der Spieler kommt dann aus seinem Rücken. Das war eine undankbare Situation, das müssen wir anders verteidigen.
Frage: Sie haben Joshua Kimmich ausgewechselt. Was war der Grund?
Nagelsmann: Das war abgesprochen. Er hatte eine anstrengende Saison bei Bayern. Da wollten wir kein Risiko eingehen.
Frage: Ist es denn denkbar, Kimmich wieder ins Zentrum zu ziehen?
Nagelsmann: Ich finde, dass es Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic im Zentrum gut machen. Bei der EM war er ein top Rechtsverteidiger mit den mit Abstand besten Werten. Ich will weder auf Felix noch auf Pavlo verzichten. Im Fußball sollte man nichts ausschließen, es ist aber nicht geplant.
Frage: Teilweise haben Sie mit einer Fünferkette gespielt. Wie waren Sie mit der Umsetzung zufrieden?
Nagelsmann: Wir haben keine Chance aus dem tiefen Block zugelassen. Damit war ich zufrieden. Wir hatten gute Umschaltmomente, daraus müssen wir mehr machen. Es ist eine Variante für die Zukunft, um mehr Druck auf den Gegner zu bekommen.
Frage: Florian Wirtz und Jamal Musiala haben noch nicht den ganz großen Einfluss. Wie bewerten Sie ihr Spiel?
Nagelsmann: Flo war sehr bemüht, er hat Gas gegeben. Ihm fehlt das Fortune in der einen oder anderen Situation. Es fehlt ihm so ein bisschen das Tor, die Dosenöffner-Aktion. Aber das wird kommen, ganz sicher. Bei Jamal geht es um Rhythmus. Wir wissen alle, was er für Fähigkeiten hat. Diese müssen wir gemeinsam aus ihm rauskitzeln. Er muss an sich glauben, nicht zu viel nachdenken.
Frage: War die Niederlage ein Stimmungsdämpfer oder ein Warnschuss?
Nagelsmann: Eine Niederlage ist nie gut, auch nicht in einem Spiel, wo es tabellarisch um nichts mehr geht. Wir müssen es rechtzeitig abhaken und am Montag alles reinlegen, um in die nächste Runde einzuziehen. Wir müssen am Montag mit dem nötigen Selbstvertrauen aufdribbeln.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: sid

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