Männer-Nationalmannschaft

Heute vor 50 Jahren: Olympiagold für die DDR

31.07.2026
Auftakt beim Finalsieg: Hartmut Schade (3.v.r.) bejubelt seinen Führungstreffer imago

Nur einmal holte eine deutsche Herren-Mannschaft olympisches Gold im Fußball - die DDR. Heute vor 50 Jahren feierte sie bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal den größten Erfolg in der Verbandsgeschichte des DFV. DFB.de wirft einen Blick zurück.

Schon 1964 in Tokio und 1972 in München hatte die DDR-Auswahl, die wie alle Ostblockstaaten mit der A-Nationalelf antrat, Bronze gewonnen. Auch dank eines 3:2 gegen die BRD-Auswahl, die aus Amateuren bestand. Es sollte noch besser werden, der Höhepunkt kam 1976 in Montreal. Trainer Georg Buschner war noch immer zuständig, mit Bernd Bransch, Jürgen Croy, Reinhard Häfner, Lothar Kurbjuweit und Konrad "Conny" Weise hatte er noch fünf München-Fahrer im 17-köpfigen Kader.

Nach dem Auftaktspiel von Toronto, einem 0:0 gegen Brasilien, herrschte allerdings erst mal dicke Luft. Der Sportbundpräsident der DDR, Manfred Ewald, verriet mangelnden Sachverstand, als er das Remis gegen "ein fußballerisches Entwicklungsland" beklagte und mit Abreise drohte. Die meisten Spieler ließen die Standpauke reglos über sich ergehen, nur Kapitän Bransch erwiderte: "Der Schütze Potzeck hat im ersten Durchgang auch nicht alles getroffen und am Ende Gold gewonnen. So machen wir das auch." Den starken Worten folgten Taten - und nur noch Siege. Spanien wurde im zweiten und bereits letzten Vorrundenspiel durch ein Tor des Dresdners Hans-Jürgen alias "Dixie" Dörner 1:0 geschlagen.

Dörner-Doppelpack im Viertelfinale

Es bahnte den Weg ins Viertelfinale. Drei Tage später steigerten sie in Ottawa die Torproduktion gewaltig und fegten Frankreich mit dem jungen Michel Platini vom Platz. Zum 4:0 steuerte Dörner nun sogar zwei Tore bei, ferner trafen der Leipziger Wolfram Löwe und Dynamo Berlins Hans-Jürgen Riediger.

Im Halbfinale wartete wie 1972 der große Bruder aus der  UdSSR und da es kein Siegverbot von oberster Stelle gab, gewannen sie vor nun schon 50.000 Zuschauern auch dieses Spiel (2:1). Ein Doppelschlag sorgte für die Vorentscheidung: Dörners Elfmeter (61.) ließ Kurbjuweit aus Jena das 2:0 (65.) folgen. Die Russen kamen per Elfmeter nur noch zum Ehrentor und mussten sich schon zum zweiten Mal in Folge über den renitenten kleinen Bruderstaat ärgern. Ihr Ausscheiden ärgerte sie so sehr, dass sie nach dem Gewinn der Bronzemedaille der Siegerehrung fern blieben.

Am 31. Juli, dem Schlusstag der Spiele, stieg vor 71.617 Zuschauern in Montreal das Finale gegen Polen. Ortszeit: 21.30 Uhr. Die DDR-Bürger, die es im TV verfolgen wollten, standen dafür nachts um halb vier auf, in Europa war bereits der August angebrochen. Polen galt als Favorit, spielte es doch noch mit fast allen WM-Stars von 1974, als die Elf um Torschützenkönig Lato, Deyna und Szarmach Platz drei belegt hatte. Aber auch bei Olympia ist der Ball rund und er rollte in Richtung der Ostdeutschen.

"Gold-Party bin ins Morgengrauen"

Nicht zuletzt, weil Weltklassemann Jan Tomaszewski mit Fieber im Tor stand und entsprechend parierte, hieß es schon nach 14 Minuten 2:0. Hartmut Schade traf per Freistoß, Martin Hoffmann verwertete eine Vorlage von Häfner mit Hilfe des Innenpfostens. Tomaszewski ließ sich auswechseln, um seinem Team nicht weiter zu schaden. "Danach lief eigentlich alles recht locker. Wir bekamen nie das Gefühl, dass noch irgendetwas schief gehen konnte", erzählte Konny Weise später der Fußball Woche.

Selbst als Grzegorz Lato per Kopf verkürzte (59.), taumelte die DDR nicht. Häfner legte ein spektakuläres Solo hin ("Danach bin ich umgekippt und war platt") und entschied die Partie mit seinem Tor zum 3:1 (84.). So konnte Buschner sogar Bonbons verteilen: Unmittelbar danach wechselte er erstmals Bernd Bransch aus Halle ein. Der war 32 und über den Zenit hinaus, aber immer noch wertvoll fürs Team. Das demonstrierte ihm Buschner - aus Verbundenheit für seine langjährigen Dienste.

Da damit alle 17 Spieler eingesetzt wurden, durften sich auch alle als Olympiasieger fühlen. Der Triumph wurde ausgiebig gefeiert, "die Gold-Party ging für einige bis ins Morgengrauen", ist im aktuellen Kicker zu lesen. Sport-Boss Ewald sah sich gezwungen, ein freundlicheres Gesicht zu machen und drückte jedem Spieler ein Kuvert mit 100 kanadischen Dollar in die Hand. Es war der größte Erfolg für den DDR-Fußball und blieb der einzige Titel für die Nationalmannschaft, deren Olympiaspiele gegen Amateure (Brasilien, Spanien, Frankreich) nach einem FIFA-Beschluss von 1999 nicht in die offiziellen Statistiken eingingen. Am Gewinn der Goldmedaille aber rüttelte niemand.

Kategorien: Männer-Nationalmannschaft

Autor: um