Frauen-Nationalmannschaft

"Mir ist sehr bewusst, was das für ein besonderer Moment war"

11.10.2026
Camilla Küver: "Es gibt so Meilensteine, die man sich ausmalt" Foto: Yuliia Perekopaiko/DFB

Es war ein besonderer Tag für Camilla Küver. Der 23-Jährigen ist beim 4:2-Erfolg der DFB-Frauen gegen Australien ihr erstes Länderspieltor gelungen. Am Dienstag steht in Bremen die Partie gegen Japan auf dem Programm. Dort trifft die deutsche U23 bereits am Montag auf Schweden. Im DFB.de-Doppelinterview sprechen Küver und U23-Nationalspielerin Mara Alber (21) über den Doppelspieltag in Bremen, den Weg aus der U23 in die A-Nationalmannschaft und den Premierentreffer von Camilla Küver.

DFB.de: Camilla Küver, Sie haben beim 4:2 gegen Australien am Freitagabend Ihr erstes Länderspieltor erzielt. War das ein besonderer Tag für Sie?

Camilla Küver: Ja, auf jeden Fall. Es gibt so Meilensteine, die man sich ausmalt. Dazu gehört das erste Länderspiel und auch das erste Länderspieltor. Mir ist sehr bewusst, was das für ein besonderer Moment war.

DFB.de: Wie haben Sie das Spiel und den Treffer Ihrer Mannschaftskollegin verfolgt, Mara Alber?

Mara Alber:  Wir konnten leider nicht so viel sehen, weil wir auf dem Rückweg aus Schottland waren. Während der Begegnung saßen wir im Flugzeug. Ich habe mir dann hinterher die Highlights angesehen und natürlich auch dein Tor, Camilla. Das hast du super gemacht. Ich freue mich für dich. Läuft ja ganz gut mit dem Toreschießen für dich bisher in dieser Saison.

Küver: Mara hat schon recht. Auch in Wolfsburg war ich zuletzt relativ erfolgreich vor dem gegnerischen Tor.

DFB.de: Was ist Ihnen in dem Moment durch den Kopf gegangen, als Sie zum 3:1 getroffen haben?

Küver: Eigentlich nur Freude. Ich muss aber auch sagen, dass es schon ein sehr konkretes Ziel von mir war, das erste Länderspieltor zu erzielen. Schön, dass es jetzt geklappt hat. Im australischen Strafraum war in dieser Situation viel los. Umso überraschter war ich darüber, dass das Tor bei meinem Kopfball im Grunde leer war.

DFB.de: Was war nach dem Treffer los?

Küver: Mich haben zahlreiche Glückwünsche auf den verschiedensten Wegen erreicht, über die ich mich alle sehr gefreut habe. Auch meine Mitspielerinnen wussten natürlich, dass es für mich eine Premiere bei der Nationalmannschaft war. Entsprechend schön war der Abend für uns.

DFB.de: Am Ende stand ein 4:2-Sieg gegen Australien. Wie schauen Sie auf die Begegnung insgesamt zurück?

Küver: Es war ein sehr gutes Testspiel, weil die Australierinnen uns sehr gefordert haben. Wir hatten viele gute Dinge dabei. Aber es gab auch Szenen, in denen wir es besser machen müssen und können.

DFB.de: Was kann konkret besser werden?

Küver: Wir müssen es schaffen, über 90 Minuten konstanter und auch dominanter aufzutreten. Insgesamt war es noch etwas zu wechselhaft. Aber um das zu erkennen und es dann auch zu verbessern, dafür sind Testspiele da. Mit den richtigen Maßnahmen werden wir dahin kommen, dass es auch über 90 Minuten funktioniert.

DFB.de: Mara Alber, Sie waren mit der deutschen U23 ebenfalls erfolgreich und haben 2:0 in Schottland gewonnen. Auch das war keine leichte Aufgabe. Wie blicken Sie auf die Partie zurück?

Alber: Am Ende war es ein verdienter Sieg, auch wenn wir die Tore erst recht spät geschossen haben. Wir haben die Schottinnen über die gesamte Spielzeit dominiert und hatten bestimmt 75 Prozent Ballbesitz. Es war ein Geduldsspiel. Aber wir haben auf unsere Stärken vertraut und wussten, dass wir irgendwann treffen werden. So ist es dann auch gekommen. Insgesamt sind wir sehr zufrieden.

DFB.de: Weiter geht es nun für die A-Nationalmannschaft am Dienstag (ab 17.45 Uhr, live in der ARD) in Bremen gegen Japan. Die U23 trifft am Montag (ab 18.15 Uhr, live auf DFB.TV, DF1 und dem YouTube-Kanal des DFB) ebenfalls in Bremen auf Schweden. Was kommt dort auf Sie zu?

Küver: Ich bin selbst sehr gespannt. Ich schaue den Japanerinnen gerne beim Fußballspielen zu, weil sie technisch und taktisch anspruchsvoll agieren. Sie funktionieren als Mannschaft sehr gut. Das wird eine andere Aufgabe als gegen Australien. Darauf werden wir aber vorbereitet sein.

Alber: Ich habe mir den Kader der Schwedinnen mal angeschaut. Die haben auf jeden Fall ein paar gute Spielerinnen dabei, die teilweise in England unter Vertrag stehen. Das wird eine richtige Herausforderung für uns. Wir müssen wieder 100 Prozent abrufen. Aber genau das wollen wir ja auch. Wir haben letztes Jahr schon mal gegen Schweden gespielt. Da haben wir gewonnen. Wir wollen auch diesmal wieder erfolgreich sein. Wir freuen uns einfach auf dieses Heimspiel in Bremen und hoffen, dass viele Fans kommen.

DFB.de: Camilla Küver, Sie haben auch einen Lehrgang für die U23 bestritten. Wie denken Sie heute über diese Zeit?

Küver: Das war extrem wichtig für mich. Ich kam aus einer Saison, in der ich wegen einer Verletzung im Grunde nicht gespielt habe. Dann kam ich zum perfekten Zeitpunkt zur U23. Dort hatte ich die Möglichkeit, nach diesem langen Ausfall wieder Fuß zu fassen. Da durfte ich zweimal gegen die USA spielen, also gegen einen Top-Gegner. Das war sehr wertvoll für mich. So konnte ich eine sehr schwierige Saison doch noch mit einem guten Gefühl abschließen. Außerdem war es gut zu wissen, dass mich die Verantwortlichen trotz meiner Verletzungsproblematik weiterhin im Blick hatten. Das ist ja auch nicht selbstverständlich.

DFB.de: Was bedeutet es Ihnen, Mara Alber, für die U23 zu spielen?

Alber: Ich finde es richtig cool, dass wir die Möglichkeit haben, auch in diesem Rahmen internationale Erfahrung zu sammeln und die Spielphilosophie beim DFB kennenzulernen. Es ist gut zu wissen, dass man auf diesem Weg im Blickfeld ist. Und es gibt ja genug Beispiele dafür, dass der Weg aus der U23 in die A-Nationalmannschaft möglich ist.

Küver: Ich kann nur sagen, dass die U23 ein super Sprungbrett Richtung A-Nationalmannschaft ist. Und Mara hat auf jeden Fall das Zeug dazu, das zu schaffen.

Alber: Wenn man hier seine Leistung bringt, ist die Chance auf jeden Fall da. Das ist gut zu wissen. Außerdem finde ich es super, dass man auf diesem Weg mal aus seiner Liga-Bubble rauskommt und sich auf hohem Niveau entwickeln kann. Außerdem lernt man andere Kulturen und andere Länder kennen.

DFB.de: Am Samstagabend fand ein gemeinsames Abendessen statt. Die U23 wird bei der A-Nationalmannschaft im Stadion sein – und umgekehrt. Wie wichtig ist diese enge Verknüpfung?

Alber: Ich finde es super, dass U23 und A-Nationalmannschaft hier an einem Ort zusammenkommen. Das stärkt den Teamgedanken und den Zusammenhalt. Ich freue mich auf das Spiel gegen Japan am Dienstag. Da treffen zwei absolute Topteams aufeinander.

Küver: Ich kann Mara nur zustimmen. Ich finde es auch genau richtig, dass das so organisiert ist. Ich freue mich sehr auf die verbleibenden Tage hier in Bremen. Auch unabhängig davon schaue ich mir die Begegnungen der U23 gerne im Livestream an. Es ist genau richtig, dass der Austausch eng ist.

DFB.de: Sie haben vor genau einem Jahr, im Oktober 2025, Ihr erstes Länderspiel bestritten. Wie schauen Sie auf diese Zeit zurück?

Küver: Es ist sehr, sehr positiv verlaufen. Nachdem ich wegen der angesprochenen Verletzungen viel Geduld haben musste, ging es auf einmal sehr schnell. Ich fühle mich sowohl in Wolfsburg als auch im Nationalmannschaftsumfeld total wohl. Die Bedingungen sind optimal. Die Entwicklung ist schnell und gesund zugleich. Ich versuche, immer mehr Verantwortung zu übernehmen und auch mit einem anderen Selbstverständnis in die Begegnungen zu gehen.

DFB.de: Wie schauen Sie jetzt auf die lange Zeit der Verletzungen zurück?

Küver: Ich bin einfach glücklich, dass ich das hinter mir lassen konnte. Gesundheit ist die Grundvoraussetzung für alles. Die Zeiten davor waren nicht schön, aber ich habe viel daraus mitgenommen.

Kategorien: Frauen-Nationalmannschaft, U 23-Frauen

Autor: Sven Winterschladen