2. Frauen-Bundesliga

Meppen-Trainerin Katharina Börger: "Mit dem Verein gewachsen"

10.01.2026
Katharina Börger (r.): "Es sollte immer die Qualität entscheiden, nicht das Geschlecht" Foto: SV Meppen/picturepower.de

Schon seit 2007 ist Katharina Börger (37) für den SV Meppen tätig - erst als Spielerin, Nachwuchs- und Co-Trainerin sowie seit Saisonbeginn als gleichberechtigte Cheftrainerin neben Thomas Pfannkuch (53) in der 2. Frauen-Bundesliga. Dort legten die Emsländerinnen vor der Winterpause eine Siegesserie hin. Im DFB.de-Interview spricht "Käthe" Börger mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihre Ziele.

DFB.de: Kam die Winterpause für den SV Meppen zum falschen Zeitpunkt, Frau Börger?

Katharina Börger: Das könnte man meinen. (lacht) Wenn man aber gesehen hat, wie wir unsere abschließende Partie vor der Winterpause gegen den VfL Wolfsburg II ganz knapp 4:3 gewinnen konnten, dann war auch zu spüren, dass die Kräfte aufgebraucht waren. Von daher hat uns die Pause von gut zwei Wochen sicher gutgetan.

DFB.de: Mit einer Serie von sieben Siegen in Folge rückte Ihre Mannschaft bis auf zwei Punkte an das Spitzenduo mit dem VfB Stuttgart und dem SC Sand heran. Was waren die wichtigsten Gründe für den guten Lauf?

Börger: Mit unseren Erfolgen in Sand und gegen den VfB hat die Serie begonnen. Durch diese beiden Siege haben wir viel Selbstvertrauen getankt. Den Schwung konnten wir mitnehmen und dann auch einige Begegnungen unter recht schwierigen Bedingungen für uns entscheiden. Auch Rückstände haben uns nicht mehr aus der Bahn geworfen.

DFB.de: Ist die Rückkehr in die Google Pixel Frauen-Bundesliga jetzt das klar formulierte Ziel?

Börger: Jede Leistungssportlerin und jeder Leistungssportler wollen sich stetig verbessern. Das gilt auch für uns. Aktuell belegen wir Rang drei, eine bessere Platzierung zum Saisonende würde zwangsläufig den Aufstieg bedeuten. Das ist unser Ziel und auch unser Ansporn, aber kein Muss.

DFB.de: Wie bewerten Sie nach 14 Spieltagen die Ausgangslage im Aufstiegsrennen?

Börger: Der VfB Stuttgart und der SC Sand sind aus meiner Sicht nach wie vor die Favoriten. Dahinter sind wir in der Jägerposition. Gleiches gilt für den 1. FSV Mainz 05, der als Aufsteiger eine starke Hinserie gespielt hat. Man sollte aber auch die anderen Vereine nicht abschreiben. So ist beispielsweise der 1. FFC Turbine Potsdam bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben und könnte noch Boden gutmachen.

DFB.de: Worauf wird es ankommen, um nach der Winterpause an die zuletzt gezeigte Form anknüpfen zu können?

Börger: Ein guter Start wäre sehr wichtig, um den Kontakt zur Spitze zu keinem Zeitpunkt abreißen zu lassen. Wir haben vor der Pause gezeigt, was in uns steckt. So wollen wir im besten Fall sofort weitermachen.

DFB.de: Gutes Stichwort: Gleich im ersten Ligaspiel des neuen Jahres kommt es zum Verfolgerduell beim direkten Konkurrenten 1. FSV Mainz 05. Welche Bedeutung hat diese Begegnung?

Börger: Ein Erfolg zum Auftakt würde mit Sicherheit sehr helfen. Wir haben das Hinspiel zwar 1:3 verloren, waren aber über das gesamte Spiel nicht unbedingt die schlechtere Mannschaft. Allerdings waren wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gefestigt, wie es jetzt der Fall ist. Wir haben an Sicherheit gewonnen und wollen das auch in Mainz zeigen.

DFB.de: Sie sind bereits seit fast 19 Jahren beim SV Meppen. Wie würden Sie Ihre Beziehung zum Verein beschreiben?

Börger: Eine viel engere Verbindung kann es kaum geben. Ich bin in den verschiedenen Funktionen mit dem Verein gewachsen. Als ich Spielerin war, ging es in der 2. Frauen-Bundesliga noch gegen den Abstieg. Seitdem hat sich sehr viel verändert und ins Positive entwickelt, der SVM ist aber ein familiärer Verein geblieben. Das gefällt mir sehr.

DFB.de: War es immer Ihr Ziel, Cheftrainerin zu werden?

Börger: Nein, gar nicht. Als ich vor etwa zehn Jahren im Trainerinnenbereich angefangen habe, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es eines Tages möglich sein könnte, als Profitrainerin zu arbeiten und davon zumindest einen Teil seines Lebensunterhalts zu bestreiten. Deshalb habe ich mich zwischenzeitlich auch auf meinen Hauptjob als Lehrerin fokussiert. Gleichzeitig bin ich aber auch ehrgeizig genug, um mich stetig weiterentwickeln zu wollen. So folgten nach und nach logische und konsequente Schritte, die schließlich dazu führten, das Amt der Cheftrainerin zu übernehmen.

DFB.de: Sie bilden seit Saisonbeginn ein gleichberechtigtes Trainerduo mit Thomas Pfannkuch. Zuvor waren Sie seine Assistentin. Was hat sich in der Zusammenarbeit verändert?

Börger: Mir wurde schon als Co-Trainerin viel Mitspracherecht eingeräumt und Verantwortung übertragen. Dennoch ist es natürlich ein Unterschied, wenn man dann auch selbst in der ersten Reihe steht. Wir haben jedoch im gesamten Trainerteam mit zwei Frauen und zwei Männern einen sehr guten Austausch, von dem letztlich alle profitieren.

DFB.de: Wie genau sieht die Aufgabenverteilung aus?

Börger: Thomas hat neben dem Trainerjob auch die Sportliche Leitung übernommen, kümmert sich deshalb auch um die Personal- und Kaderplanung sowie die entsprechenden Verträge. Dazu kommen weitere organisatorische Aufgaben. Außerdem leitet er die Trainingseinheiten am Vormittag, wenn ich noch in der Schule eingespannt bin. Grundsätzlich bin ich jedoch für die Trainingsarbeit auf dem Platz verantwortlich, erstelle auch die Gegneranalysen und die Matchpläne. Bei den Spielen stehe ich in der Regel an der Seitenlinie und versuche, das Team zu pushen. Thomas ist aber auch auf der Bank mit dabei und gibt immer wieder wertvolle Hinweise.

DFB.de: Wie gehen Sie vor, wenn es unterschiedliche Auffassungen gibt, beispielsweise mit Blick auf die Aufstellung oder mögliche Auswechslungen?

Börger: Da gibt es in der Tat schon mal Diskussionen. (lacht) Das ist aber kein Problem. Es kann auch mal vorkommen, dass dann die Co-Trainerin das Zünglein an der Waage ist. Unter dem Strich haben wir bisher aber immer eine Lösung gefunden, mit der alle leben konnten.

DFB.de: Können Sie sich ein solches Modell auch längerfristig vorstellen oder wollen Sie demnächst alleinverantwortlich arbeiten?

Börger: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Aktuell passt es gut, wie es ist. Schließlich wäre es schwierig, meinen Halbtagsjob als Lehrerin mit einer Tätigkeit als alleiniger Cheftrainerin zu vereinbaren. Komplett ausschließen würde ich das aber nicht.

DFB.de: Sie sind seit einem Jahr Inhaberin der A-Lizenz. Ist es ein Ziel für Sie, die Ausbildung zur Pro Lizenz zu absolvieren, um auch in der Bundesliga arbeiten zu können?

Börger: Sollte uns der Aufstieg gelingen, würde sich diese Frage definitiv stellen. Es wäre mit Sicherheit sehr reizvoll, das Team auch in der Bundesliga zu betreuen und dann auch die Pro Lizenz in Angriff zu nehmen. Als Beamtin könnte ich mich für einige Zeit beurlauben lassen, ohne die Option auf eine Rückkehr aufzugeben. Das ist aber alles Zukunftsmusik.

DFB.de: Immer mehr Frauen werden Cheftrainerinnen in den höchsten Spielklassen. Gehen Sie dabei von einer nachhaltigen Entwicklung aus?

Börger: Es werden sicherlich in absehbarer Zeit nicht ausschließlich Frauen an der Seitenlinie stehen, aber darum geht es ja auch nicht. Es sollte immer die Qualität entscheiden, nicht das Geschlecht. Grundsätzlich denke ich, dass sich mehr Frauen für den Trainerjob entscheiden werden, weil es finanziell deutlich attraktiver geworden ist. 

Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga

Autor: mspw