DFB-Nachwuchsliga

Mainzer U 19-Trainer Jan Kirchhoff: "Ein besonderes Miteinander"

15.05.2026
Kirchhoff (l.): "Wir glauben fest daran, dass wir die TSG erneut besiegen können" Foto: IMAGO

Als Spieler wurde Jan Kirchhoff mit dem 1. FSV Mainz 05 Deutscher A-Junioren-Meister und später Bundesligaprofi. Seit Februar 2024 trainiert der 35-Jährige selbst die U 19 seines Heimatklubs und könnte nun erneut diesen Titel gewinnen. Heute Abend (ab 18 Uhr, live bei Sky) treten die Mainzer zum Halbfinale bei der TSG Hoffenheim an. Im DFB.de-Interview spricht Kirchhoff mit Mitarbeiter Peter Haidinger über den Weg in das Halbfinale, die Nachwuchsförderung in Mainz sowie Thomas Tuchel und Pep Guardiola.

DFB.de: Das Halbfinale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft steht bevor. Wie sehr fiebern Ihre Spieler der Partie in Hoffenheim entgegen, Herr Kirchhoff?

Jan Kirchhoff: Ich kann nicht in die Köpfe der Jungs hineinschauen. Wir versuchen auf jeden Fall, weiterhin nur von Training zu Training und von Spiel zu Spiel zu denken, wie wir es schon während der gesamten Saison gemacht haben. Wir tun gut daran, wenn wir uns vor dieser besonderen Partie eine gewisse Normalität auferlegen und bei uns bleiben.

DFB.de: Im Achtelfinale schaltete Ihr Team den FC Augsburg und im Viertelfinale RB Leipzig aus. Was war der Schlüssel für den Erfolg?

Kirchhoff: Wir pflegen ein besonderes Miteinander. Egal vor welcher Herausforderung wir stehen, sind wir in der Lage, darauf zu reagieren. Im Viertelfinale haben wir mehr als eine Stunde in Unterzahl gespielt, jedoch die richtigen Entscheidungen getroffen und fest zusammengehalten. Auch im Achtelfinale haben wir gegen den FC Augsburg keinen Gegentreffer kassiert. Das war die Basis.

DFB.de: Es ist bereits das dritte Duell mit der TSG in dieser Saison. In der Hauptrunde der Liga landete Hoffenheim auf Platz eins, Ihr Team wurde mit nur einem Punkt weniger Tabellenzweiter. Welche Erinnerungen haben Sie noch an das Hin- und Rückspiel?

Kirchhoff: Wir haben in Hoffenheim 3:2 gewonnen und zu Hause 0:3 verloren. Es war in beiden Partien jeweils ein Duell auf Augenhöhe. Aufgrund der individuellen Qualität des Gegners erwartet uns eine große Herausforderung. Wir glauben jedoch fest daran, dass wir die TSG erneut besiegen können.

DFB.de: Worauf wird es in erster Linie ankommen, um in das Finale einzuziehen?

Kirchhoff: Es wird um Kleinigkeiten und Nuancen gehen. Im Hinspiel hatten wir es geschafft, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen. Im Rückspiel war es uns dagegen nicht gelungen, in Führung zu gehen. Wir werden in der Vorbereitung auf die Partie unseren Fußball nicht neu erfinden, bleiben unserer Linie treu und werden unser Ding machen.

DFB.de: Falls sich Ihr Team bei der TSG Hoffenheim durchsetzen sollte, würde das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in Mainz stattfinden. Ist das eine zusätzliche Motivation?

Kirchhoff: Wir denken nicht daran. Der Fokus wurde in der Trainingswoche ausschließlich auf das Halbfinale gerichtet. Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt, wollen nicht zu sehr in die Zukunft blicken.

DFB.de: Sie sind seit 2024 als Nachwuchstrainer für den 1. FSV Mainz 05 tätig. Was zeichnet Ihr Team in dieser Spielzeit ganz besonders aus?

Kirchhoff: Der Umgang miteinander ist top und die Leistungsbereitschaft ist hoch. Der Zusammenhalt und das Verständnis für Verantwortungsübernahme beginnt bei uns im Staff. Die Spieler haben sich in ehrlichen und harten Gesprächen gesagt, was sie voneinander erwarten. Die Jungs stehen für diese Werte ein, das macht es besonders.

DFB.de: Die Deutsche Meisterschaft wird seit der zurückliegenden Saison ab dem Achtelfinale im K.o.-Modus entschieden. Wie wertvoll sind diese Erfahrungen für die Nachwuchsförderung?

Kirchhoff: Wir wurden schon während der Hauptrunde auf einem absoluten Topniveau gefordert. Drei der vier Halbfinalisten waren bei uns in der Gruppe. Wir konnten uns nie ausruhen, mussten an jedem Wochenende eine neue Herausforderung bewältigen. Die Finalspiele erinnern mich ein wenig an meine Zeit als Bundesligaspieler. Im Seniorenfußball muss man über Grenzen hinausgehen. Das Gleiche spüren die Jungs gerade, was für die Nachwuchsförderung hilfreich und für die Entwicklung sehr gut ist.

DFB.de: Sie selbst wurden 2009 mit der U 19 des 1. FSV Mainz 05 Deutscher A-Junioren-Meister, schafften anschließend den Sprung in die Bundesliga. Sie sind selbst das beste Vorbild für Ihre Spieler, oder?

Kirchhoff: Jeder Spieler soll seinen eigenen Weg gehen, ich sehe mich dabei als Unterstützer. Selbstverständlich habe ich aus meiner aktiven Laufbahn einen großen Erfahrungsschatz, den ich weitergeben kann. Ich muss mich auf die Spieler einlassen, möchte sie weiterentwickeln, ohne meine Vergangenheit in das Hier und Jetzt zu holen.

DFB.de: Ihr Trainer in der U 19 war damals Thomas Tuchel. Auch Bo Svensson, Martin Schmidt oder Sandro Schwarz waren im Mainzer Nachwuchs tätig, bevor sie Bundesligatrainer wurden. Verfolgen Sie einen ähnlichen Plan?

Kirchhoff: Als Trainer tut man gut daran, wenn man sich auf das einlässt, was man gerade macht. Ich fühle mich als U 19-Trainer pudelwohl, meine Aufgabe bereitet mir unglaublich viel Freude. Aber natürlich ist es ein Traum für mich, irgendwann mal in der Bundesliga Trainer zu sein.

DFB.de: Während Ihrer Spielerkarriere haben Sie bei Bayern München auch mit Pep Guardiola zusammengearbeitet. Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt?

Kirchhoff: Erst in der Nachbetrachtung verstehe ich, wie Thomas Tuchel und Pep Guardiola damals ein Team inhaltlich geführt haben. In England hatte ich beim AFC Sunderland mit Sam Allardyce einen Trainer, der meiner Meinung nach der Beste war. Der Fußball entwickelt sich stetig weiter und man lernt nie aus. Am Ende geht es darum, meinen eigenen Weg und meine eigene Art des Coachings zu finden.

DFB.de: Wie läuft aktuell der Austausch mit dem Trainerteam der Profis um Chefcoach Urs Fischer, der einen ganz anderen Trainertypen verkörpert?

Kirchhoff: Der Austausch könnte kaum besser sein. Wir haben kurze Wege, alles läuft bei uns sehr familiär ab. Unser Kapitän Daniel Imafidon und Jeremiah Debrah, der in Hoffenheim wegen einer Rotsperre leider nicht dabei sein kann, trainieren regelmäßig bei den Profis mit.

DFB.de: Was werden Sie Ihren Spielern vor dem Halbfinale mit auf den Weg geben?

Kirchhoff: Wir haben alles im Tank und hauen alles raus. Jeder weiß, was zu tun ist. Alle im Team sollen die Partie gegen die TSG Hoffenheim genießen.

Kategorien: DFB-Nachwuchsliga

Autor: mspw