DFB-All-Stars

"Litti" macht Theater

27.04.2026
100 Prozent "Litti": Pierre Littbarski bei seiner Theatervorstellung in Köln Foto: imago

Im Rahmen seiner bemerkenswerten Karriere hat Pierre Littbarski auf den großen Bühnen des Fußballs gestanden. Er spielte im Maracanã in Rio de Janeiro, im Bernabéu in Madrid und im Aztekenstadion in Mexiko. Seinen größten Erfolg feierte er 1990 in Rom, als er im Olympiastadion mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister wurde. 36 Jahre später betrat er erneut eine Bühne – eine deutlich kleinere, aber eine, die ihm künftig wohl ähnlich viel bedeutet: Am 16. April stand Littbarski im Bürgerhaus Stollwerck in Köln vor dem Publikum und machte Theater.

Es war ein großer Abend für Littbarski, nicht nur, weil er an diesem Tag 66 Jahre alt wurde, sondern vor allem, weil er so viel von sich preisgab wie wohl nie zuvor. "Litti macht Theater" hieß das Programm, in dem er seine große Karriere und seinen bewegten Lebensweg in 90 Minuten zusammenfasste. Wo Littbarski draufstand, war Littbarski drin: geschrieben von Pierre Littbarski, inszeniert von Pierre Littbarski, aufgeführt von Pierre Littbarski. Auch Bühnenbild und Choreografie stammten zu hundert Prozent von ihm.

Littis Lebensgeschichte

Entstanden ist ein bemerkenswertes Werk über eine bemerkenswerte Figur – ein Stück, das die Balance zwischen Selbstheroisierung und Selbstanklage findet. Mal traurig, mal lustig, mal nachdenklich, mal laut, mal leise, mal grell, mal grau. Littbarski ließ kaum einen Aspekt im Dunkeln. Er beleuchtet seine schwierige Kindheit in Berlin, sein problematisches Elternhaus sowie die Höhen und Tiefen seiner Karriere als Fußballer, als Mensch, als Ehemann und als Vater. In zehn verschiedenen Rollen lässt er nichts aus und gewährt tiefe Einblicke.

Sechs Monate schrieb er an Texten und Dialogen, nach vier Monaten Proben wurde das Stück nun uraufgeführt. Er habe zeigen wollen, warum er der Mensch geworden sei, der er heute ist, sagte Littbarski. "Die Leute denken, ich bin ein ganz lieber Junge. Das ist nicht so", erklärte er der Kölnischen Rundschau und nannte ein Beispiel, das auch auf der Bühne Raum bekam: "Mir war scheißegal, was rund um mich passiert. Mein ganzes Leben lief an mir vorbei wie Schnellzüge. Ich habe nichts mitbekommen, mich hat nichts interessiert. Die Geburten meiner Töchter waren nicht wichtig. Ich wollte nur Spiele gewinnen und der Beste sein."

"Ich würde es wieder so machen"

An Stellen wie dieser ist das Stück besonders stark, weil Littbarski der Versuchung widersteht, kitschig zu werden. Weil er ehrlich ist. Weil er im Beisein seiner Kinder bekennt, um die Wunden zu wissen, die er verursacht hat – und weil er seine Handlungen dennoch nicht bereut. "Ich würde es wieder so machen", sagt er. "Weil das der einzige Weg für mich ist." Und weil dieser Weg ihn zu dem erfolgreichen Nationalspieler gemacht hat, der drei WM-Finals bestritt und durch den Fußball die Welt kennenlernte.

Seine Welt hat er nun ins Bürgerhaus Stollwerck gebracht, auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Dem Publikum hat es gefallen – und dem Hauptdarsteller? "Es war sehr unterhaltsam, sehr lustig. Insgesamt eine runde Sache", sagte Littbarski. Ob es eine Wiederholung geben wird? Noch ist offen, ob "Litti" weiter Theater macht. "Wir wissen noch nicht, ob wir das noch einmal machen, ob wir auf Tournee gehen. Ich muss das erstmal sacken lassen."

Kategorien: DFB-All-Stars

Autor: sl