Männer-Nationalmannschaft
Kimmich: "Es ist eine große Ehre, als Kapitän zur WM zu fahren"

Die deutsche Nationalmannschaft hat die ersten Einheiten des Trainingslagers in Herzogenaurach hinter sich. Am dritten Tag der Vorbereitung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko spricht Kapitän Joshua Kimmich über Erfolg und Ziele bei der WM sowie sein emotionales Nominierungsvideo.
Joshua Kimmich über...
... die Stimmung im Kader: Am ersten Tag war die Anreise, ein Fotoshooting und noch ein paar Termine. Wir haben jetzt zweimal trainiert. Die Einheiten waren gut, alle sind hungrig und geben Vollgas, das brauchen wir. Jeder freut sich und weiß, was bevorsteht. Dementsprechend sind alle sehr motiviert.
... die letzten WM-Turniere: Jeder weiß, wie die letzten WM-Turniere verliefen. Da geht es nicht ums Ausmerzen. Das ist ein neues Turnier, wir haben andere Möglichkeiten und Voraussetzungen sowie eine neue Mannschaft. Ich freue mich extrem, eine WM zu spielen. Das ist das Größte für einen Spieler, sein Land bei einer WM zu vertreten.
... die Definition eines Turniererfolgs: Wenn man die letzte EM betrachtet, haben wir einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Das wurde in der Öffentlichkeit auch als Erfolg wahrgenommen. Dort haben wir sportlich gute und weniger gute Spiele gezeigt. Auch gegen Spanien haben wir gut gespielt, sodass das Turnierfazit am Ende positiv war. Die Menschen bewerten die Art und Weise. Den Erfolg können wir nicht hundertprozentig beeinflussen, trotzdem versuchen wir, über die Art und Weise erfolgreich zu sein. Wenn die Art und Weise stimmt, ist die Wahrscheinlichkeit auch hoch, erfolgreich zu sein. Wir sollten jetzt nicht über das Finale oder den Titel nachdenken, was natürlich ein Traum im Kopf ist, aber das bringt uns zu Beginn des Turniers nicht vorwärts. Wenn wir über die Art und Weise nachdenken, haben wir in den letzten Spielen gute Leistungen gezeigt. Daran müssen wir anknüpfen, zum Beispiel an das Spiel gegen die Slowakei. Das war in der Art und Weise für uns der Maßstab, den wir in jedem Spiel bringen müssen.
... das Comeback von Manuel Neuer: Sportlich darf es diese Diskussion nicht geben, weil wir als Deutschland die besten Spieler dabeihaben wollen. Manu ist der beste Torhüter aller Zeiten und immer noch einer der Besten der Welt. Die Diskussion ist etwas negativ behaftet, wir haben kein Problem auf der Torhüterposition. Wir haben den Manu, der derzeit noch etwas angeschlagen ist. Wir haben den Oli, der dahintersteht, bereit ist und natürlich auch enttäuscht war. Ich wäre enttäuscht, wenn er nicht enttäuscht gewesen wäre. Ich freue mich, dass Manu dabei ist, weil ich ihn seit elf Jahren kenne und mit ihm zusammen spiele. Oli hat die Unterstützung und das Vertrauen der Mannschaft, deswegen verstehe ich die Diskussion nicht.
... persönliche Ziele bei der Nationalmannschaft: Bei der Nationalmannschaft denkt man durch den Zwei-Jahres-Modus immer in Turnieren. Durch meine 100 Länderspiele wurde mir erst mal bewusst, dass das noch gar nicht so viele erreicht haben und es dementsprechend besonders für mich ist. Man jagt diese Marke von 150 Länderspielen nicht, aber hat sie schon im Kopf. Ich will so viele Turniere wie möglich für mein Land spielen und erfolgreich sein. Jetzt konzentriere ich mich auf das bevorstehende Turnier und will das erfolgreich gestalten. Danach schauen wir, was passiert. Ich habe Bock, noch ein paar Jahre für Deutschland zu spielen.
... das öffentliche Training auf dem DFB-Campus: In Absprache zwischen dem Mannschaftsrat und dem DFB übernehmen wir dort das Catering. Wir wollen etwas zurückgeben und versuchen, die Menschen abzuholen. Wir freuen uns darauf.
... den Test gegen Finnland: Wir sehen das als Chance, einen Rhythmus aufzubauen. Seit sieben Spielen in Folge sind wir unbesiegt und daran wollen wir anknüpfen. Der finale Kader für das Turnier steht jetzt, das ist dann nochmal spezieller, weil bei Länderspielen wegen Verletzungen immer andere Kader dabei sind. Jetzt wissen wir, dass wir mit dieser Mannschaft die nächsten Wochen verbringen werden. Die Spiele wollen wir nutzen, um Automatismen zu erarbeiten, Vertrauen untereinander und in unser Spiel zu entwickeln. Und das am besten mit zwei sehr guten Ergebnissen.
... die Bedingungen in Nordamerika: Ich war letzten Sommer schon bei der Klub-WM dabei. Die Organisation vor Ort und die Stadien waren top, das Interesse daran eher niedrig. Bei der WM wird das anders, gerade aus europäischer Sicht. Die Bedingungen sind nicht einfach, die Temperaturen sind - gerade für uns Europäer - schwierig. Daran müssen wir uns schnell gewöhnen. Um 12 Uhr bei 35 Grad ist einfach anders, als hier um 21 Uhr in der Champions League oder ein Länderspiel zu spielen. Es ist gut, dass wir frühzeitig anreisen, um unter den Bedingungen zu trainieren. Jeder muss sich daran gewöhnen, das ist nicht so einfach.
... Felix Nmecha: Felix ist einer der talentiertesten Burschen, die wir in Deutschland haben. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, es ist unglaublich, wie er trainiert und was für Fähigkeiten er hat. Er kann einen riesigen Impact auf unser Spiel haben. Wir schauen, dass er nun gesund bleibt, dann kann er uns weiterhelfen.
... Kai Havertz: Ich drücke Kai die Daumen, dass er mit einem Erfolgserlebnis zu uns stößt. So ein Titel sorgt für positive Energie. Er ist ein wichtiger Spieler, der in Deutschland unterschätzt wird. Er war bei der EM sehr wichtig, denn er bringt ein super Gesamtpaket mit, mit dem er uns helfen wird.
... die Stärken des Kaders: Ich habe das Gefühl, dass jeder weiß, was wir können und was wir nicht können. Das ist ein großes Plus. Bei den letzten Turnieren hat man das Gefühl gehabt, dass wir besser sind als wir es eigentlich waren. Es wurde viel über Potential gesprochen, das wir nicht auf dem Platz bekommen haben. Jetzt will ich weniger sprechen und mehr machen. Dann können wir auch Spiele gewinnen.
... das Team im internationalen Vergleich: Gefühlt haben es Spanien, Frankreich und Portugal in den letzten Jahren konstant gut gemacht und haben das ein oder andere Turnier gewonnen. Im direkten Vergleich sind wir da hinten dran, die letzten Duelle haben wir auch verloren. Wir brauchen das Mindset, jeden schlagen zu können. An einem Tag ist immer alles möglich. Wir spielen keine Meisterschaft, sondern ein Turnier, in dem wir das Selbstvertrauen brauchen, jeden schlagen zu können. Das können wir definitiv.
... politische Themen: Wir sprechen intern darüber. Als Spieler haben wir eine Verantwortung, uns zu Themen zu äußern. Jedoch kennen wir nicht in jedem Thema perfekt aus. Für uns ist es wichtig, je näher das Turnier rückt, über Sport zu sprechen. Schließlich misst man uns daran. Der Verband spricht über die Themen drumherum, die haben eine fundierte Meinung.
... sein Nominierungsvideo: Das war insgesamt besonders. Dadurch kam mir vor Augen, wie besonders es ist, eine WM für sein Land zu bestreiten. Meine Frau und ein Kumpel von mir wussten vor mir, dass das Video rauskommt. Das ist mein längster Freund aus dem Heimatdorf. Der erinnert sich an die Zeit, in der wir aufgewachsen sind. Wo wir auf dem Bolzplatz die WM nachgespielt und im Garten die Hymne mitgesungen haben. Irgendwann steht man selber da, es ist speziell und eine große Ehre, als Kapitän zur WM zu fahren.
... Undav und Woltemade als Stimmungskanonen: Beide haben sich gut im Team akklimatisiert. Jeder haut sich extrem rein, so auch die beiden. Nick hatte keine leichten letzten Monate, er freut sich extrem, dabei zu sein. Hier wird eine andere Art von Fußball gespielt, hier kann er seine Stärken gut einbringen. Die wird er auch einbringen, das erwarten wir von ihm. Beide sind bereit, Tore zu machen.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: dfb

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