Männer-Nationalmannschaft
"Jungs dabei, die überraschen": Klopp hat "etwas gesehen in ihnen"

Bundestrainer Jürgen Klopp hat am heutigen Donnerstag seinen Nationalmannschaftskader für den Start der Nations League 2026/2027 nominiert und in der Pressekonferenz über seine Beweggründe und Pläne gesprochen. DFB.de hat die wichtigsten Aussagen.
Jürgen Klopp über...
... die Spielerauswahl: Wir haben ganz viel reingepackt in den Monat. Die Kaderzusammenstellung hat Spaß gemacht. Wir haben einen anderen Ansatz gewählt und nicht das gesucht, was wir nicht haben, sondern das, was wir haben. Wir wollen die Spieler vorbereiten, damit sie in den nächsten zwei, drei Jahren in der Spitze dabei sein werden. Es ist wichtig, dass man sich selber entwickeln möchte. Man muss die Chance bekommen, aber auch nutzen. Genauso wollen wir das machen. Es sind ein paar Jungs dabei, die überraschen, aber wir haben etwas gesehen in ihnen und wollen dabei sein in ihrer Entwicklung. In den letzten Wochen ist uns ganz viel Talent ins Auge gesprungen, so viele, dass gar nicht alle dabei sind. Ich bin sehr happy mit der Auswahl, die Gespräche mit den Spielern waren super. Es hat wirklich Spaß gemacht, sich mit ihnen auszutauschen. Ich kann sagen: Es bedeutet allen unglaublich viel, für die Nationalmannschaft aufzulaufen.
... den geteilten Kader: Es geht vor allem darum, dass es ungewöhnlich ist, dass man vier Spiele hintereinander in kurzer Zeit zu bestreiten hat. Es gibt Spieler, die am Sonntag noch Fußball spielen. Das Zeitfenster ist in der ersten Woche sehr eng, deshalb haben wir uns beim ersten Teilkader stark an der WM orientiert, dass die Mannschaft eingespielt ist und sich kennt. Ich möchte in der Zeit so viele Spieler wie möglich kennenlernen. Ich war unterwegs und habe viele Spieler persönlich getroffen, um ein Gefühl für den Fußballer zu entwickeln. Wir haben keine A- oder B-Mannschaft gemacht. Wir wollen alle vier Spiele gewinnen. Die Mannschaften sind darauf ausgerichtet, dass es von den Positionen und den Charakteren gut zusammenpasst und auch von der Anzahl der erfahrenen und unerfahrenen Spielern.
... seine Herangehensweise: Ich bin neu als Verbandstrainer und bin mir der Situation bewusst. Was für mich nicht neu ist, ist es, einen Kader zusammenzustellen. Das ist immer dazu da, das nächste Spiel zu gewinnen.
... Überschneidung bei den Kadern: Es ist geplant, dass aus dem ersten Kader Spieler dabei bleiben. Wir haben ein paar Spieler dabei, genau gesagt drei, die eine schwierige Zeit hinter sich haben. Nico Schlotterbeck, Jamal Musiala und Serge Gnabry werden wir die kompletten zwei Wochen dabei haben wollen, um sie in den Rhythmus zu bekommen. Es ist abgestimmt auf ihre persönliche Situation. Finn Dahmen ist auch in beiden Kadern dabei, er ist ein sehr talentierter Torwart, den ich gerne länger sehen möchte.
... die Nummer eins: Für den Moment ist der Torwart, der das erste Spiel spielen wird, Marc-André ter Stegen. Die Mannschaft braucht Stabilität und eine Achse. Wenn die Achse stabil ist, kann man außenrum viel Jugend dazu mischen. Ich kenne Marc-André seit ewigen Zeiten, er war zig Jahre hinter Manuel Neuer der beste Torwart der Welt. Er hatte sich in einem ungünstigen Moment verletzt, ist fit und derselbe Torwart, wie vorher. Er bringt die notwendige Erfahrung mit. Er macht bei Ajax Amsterdam einen sehr guten Job.
... die Nominierungen an sich: Alles hängt von Leistung ab, wenn die Spieler nicht performen, dann wird das natürlich einen Einfluss haben. Für manche, die jetzt nicht dabei sind, die im Moment Probleme haben, ist die Tür aber nicht zu. Es geht darum, für das nächste Spiel bereit zu sein und das Gefühl zu geben, es bedeutet mir alles, jetzt zu spielen.
... Joshua Kimmich im Mittelfeld: Das, was er bei den Bayern im Wochenrhythmus abreißt, will ich auch sehen. Ein Spieler mit seiner Erfahrung muss vorneweg gehen, keine Frage. Wir müssen uns auf eine neue Art Fußball einstellen und haben taktische Themen, die wir zügig angehen wollen. Stabilität kommt nur von der Defensive, da brauche ich jeden Einzelnen. Ich erwarte von ihm, dass er sein Potential bei uns jedes Mal voll einbringt. Ich habe da aber keine Zweifel. Wir sehen ihn als Mittelfeldspieler.
... den Wert von Druck: Lektion Nummer eins: Wir lernen Spaß unter Druck zu haben. Wenn Druck da ist, geht es um etwas, darum, dass es wichtig ist, dann kann man sich voll fokussieren. Kuckt man auf das Potenzial, sind alle dafür gut genug. Wir müssen hinschauen, wie wir den Jungs helfen können, zusammen mit den Vereinstrainern. Ich glaube nicht, dass man jede Stufe im Verband durchlaufen haben muss als Spieler, um gut genug zu sein. Wir werden die Jungs begleiten und natürlich hängt es von ihnen ab. Es ist nicht wichtig, wer spielt, sondern wie man spielt. Wir müssen über die Art und Weise kommen und dafür haben wir wenig Zeit. Wir werden alles versuchen, um eine neue Herangehensweise sichtbar zu machen. Ich erwarte sofort mehr. Es könnte ein bisschen wild werden, aber das nehme ich so, nur lebendig muss es sein. Ich gedenke, die Zeit zwischen den Länderspielen zu nutzen, um im Austausch zu bleiben. Fußballerische Qualität wird dann sichtbar, wenn die Mannschaft Stabilität in der Defensive hat. Wir können helfen, das unglaubliche Potenzial in Qualität umzumünzen, das ist unsere Aufgabe.
... die Herausforderung als Trainer: Der Job ist anders, als der eines Vereinstrainers, aber das ist völlig egal. Hätte ich gerne mehr Zeit mit der Nationalmannschaft? Ja! Habe ich sie? Nein! Jedes Gespräch, dass ich geführt habe, gibt mir jetzt schon ein Gefühl zu dem Spieler und umgekehrt. Keine Zeit zu haben, ist im Fußball völlig normal. Dass wir als Mannschaft zusammenwachsen müssen, ist klar. Es muss Schritte geben bis dahin. Ich habe mich nicht über die Altersstruktur für die Spieler entscheiden, sondern gesagt, wer dabei sein will, hat die Chance. Es ist egal, ob ich nicht genügend Zeit habe, das geht anderen Nationaltrainern nicht anders. Wir fangen an, die Kader zu basteln und das ist nicht der letzte Schritt, sondern der erste.
... die nicht nominierten Spieler: Es wurde von allen Spielern respektvoll aufgenommen. Es ist bei keinem Spieler eine endgültige Entscheidung, sondern für den Moment. Ich habe mich zum Beispiel für Marc-André ter Stegen in dieser erfahrenen Position entschieden und dahinter wollte ich die nächste Generation haben. Soweit das möglich war, haben sie auch ein Feedback bekommen, warum sie nicht nominiert wurden.
… "positiven Patriotismus": Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen. Ich möchte, dass wir sie immer so schwingen, dass niemand denkt, was mit dir nicht in Ordnung ist. Sondern dass man einfach nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen oder zugezogen bist. Ich will Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Aber ich weiß nicht mehr, ob man das Wort überhaupt so benutzen kann, darf. Ohne dass das falsch verstanden wird. Ich möchte von positivem Patriotismus sprechen. Ich finde tatsächlich, dass wir ein wundervolles Land sind. Ich kann stolz darauf sein, deutsch zu sein und trotzdem offen und vielfältig und nett, freundlich.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, Nations League
Autor: dfb

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