Männer-Nationalmannschaft

Heute vor 70 Jahren: Fritz Walters legendäres Hackentor

06.10.2026
Traf vor 70 Jahren sensationell mit der Hacke: Fritz Walter (r.) Foto: imago

Fritz Walters berühmtestes Tor sahen 120.000 Menschen: Vor 70 Jahren erzielte der Kapitän der Helden von Bern vor historischer Kulisse ein Sensationstor.

Die Antwort kam stets wie aus der Pistole geschossen. Wurde Deutschlands 2002 verstorbener Ehrenspielführer Fritz Walter auf den Tag seines schönsten Tores angesprochen, sagte er: "Das war am 6. Oktober 1956." An diesem Tag vor genau 70 Jahren spielte Walter mit seinem 1. FC Kaiserslautern gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt und siegte 5:3 (4:3). Vor der größten Kulisse seines Lebens - 120 000 Zuschauer im aus Kriegsschutt erbauten und damals gerade erst eröffneten Leipziger Zentralstadion.

Sie kamen eigentlich nur zu einem Freundschaftsspiel, eine höhere Besucherzahl auf deutschem Boden ist nicht überliefert. Alle wollten sie eben dabei sein beim Aufeinandertreffen von DDR-Meister und Pfälzer Starensemble mit seinen fünf Helden von Bern: Fritz und Ottmar Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel und Werner Liebrich. Die Weltmeister von 1954 - erstmals zum Anfassen im anderen Deutschland. Dass Liebrich dann fehlte, tat der Begeisterung keinen Abbruch.

Prestigekampf zwischen Ost und West

Das Sportmagazin berichtete, es seien rund 450.000 Kartenanforderungen eingegangen, der DDR-Fernsehfunk übertrug die Partie live. "In Gesprächen mit DDR-Funktionären erfuhren wir, dass man das simple Freundschaftsspiel in den Rang eines Prestigekampfes zwischen dem Fußball Westdeutschlands und dem der DDR gedrängt hatte", meldete das Sportmagazin den Fans im Westen der Republik. Zur politischen Dimension, dem Wetteifern zweier Systeme im Europa des Kalten Krieges, kam eine sportliche. Die olympischen Sommerspiele von Melbourne (im November!) standen bevor, und es war die Diskussion entbrannt, ob und wie eine gesamtdeutsche Fußballmannschaft gebildet werden solle. Da konnte jedes Tor ein Argument für eine Nominierung werden.

So gingen auch die Lauterer Stars keineswegs locker in die Partie, vielmehr stand sie gefühlt im Rang eines Europapokalspiels. Horst Eckel sagte 2006 der Welt: "Wir wollten Westdeutschland würdig vertreten." Trainer Richard Schneider gab zu: "Auf unser schwerstes Meisterschaftsspiel hätten wir uns nicht besser vorbereitet." Mit einer Einschränkung: der Anreise. Ausgerechnet Kapitän Fritz Walter hatte in Koblenz seinen Zug verpasst und musste den in Frankfurt vergeblich wartenden Kameraden nachreisen. Er schaffte es dann doch noch bis zum Anstoß.

Der 2021 verstorbene Eckel konnte sich noch gut an die Atmosphäre erinnern. "Die Zuschauer machten ganz schön Stimmung, aber die meisten waren für uns. Damit haben wir nicht gerechnet." Unter ihnen war auch der spätere Kaiserslauterer Bundesligatraine Dietrich Weise, der mit dem Fahrrad aus Weißenfels angereist war. Die Zuschauer taten sogar ihren Unmut kund, als die hart attackierenden Gegner Ottmar Walter und Friedel Spaeth vorübergehend vom Platz traten. Der FCK antwortete mit Toren und zog bis zur 36. Minute auf 4:1 davon.

Mit der Hacke in den Winkel

Die Walter-Brüder teilten sich die Treffer redlich. Das legendäre Tor war das 3:1 in der 30. Minute. Fritz hatte Ottmars Ecke, die leicht in seinen Rücken geschlagen war, im Vorwärtssprung mit der Hacke aus knapp sieben Metern erwischt. Der Ball landete im Winkel und hätte gewiss die Wahl zum Tor des Jahres 1956 gewonnen, doch der ARD-Sportschau kam die Idee zu solch einer Auszeichnung erst 1971. Dem ansonsten von Grund auf bescheidenen Walter war stets wichtig zu betonen: "Von wegen Glückstreffer. Ich habe das trainiert und vielleicht zehn solcher Tore gemacht. Im Flug musste ich immer blitzschnell nach hinten schauen und mit dem Absatz zuschlagen. Selbstverständlich war auch Glück dabei." Eckel bestätigte: "Das konnte er." Gesehen aber hatte es ein großes Publikum noch nie von ihm.

Berühmt wurde das Tor, das im Westen sowieso niemand gesehen hatte, auch durch das Foto des Leipziger Sportfotografen Hanns-Peter Beyer, das überall abgedruckt wurde. Man sah Walter beinahe waagerecht in pechschwarzer Nacht in der Leipziger Luft schwebend, der Ball weit über ihm. Um zu verdeutlichen, dass er ihn mit der Hacke getroffen hat, wurde einfach eine gestrichelte Linie gezogen. Andere Zeiten.

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Autor: um