Frauen im Fußball
Hannelore Ratzeburg: Die Pionierin des Frauenfußballs wird 75

Ohne sie wäre der Frauenfußball nicht so, wie er ist. Das darf man ungestraft sagen über Hannelore Ratzeburg - eine Pionierin, wie sie im Buche steht. Manche nannten sie "die Jeanne d'Arc des deutschen Frauenfußballs", was ein bisschen hinkt, denn im Gegensatz zur mythischen Freiheitskämpferin der Franzosen im Spätmittelalter nahm der Kampf der ersten Frau im DFB-Präsidium weder ein allzu frühes noch ein böses Ende. So kann die Hamburgerin heute zufrieden mit dem Geleisteten ihren 75. Geburtstag feiern, zu dem auch DFB.de der langjährigen Vizepräsidentin herzlich gratuliert.
Hannelore Ratzeburg wurde am 18. Juni 1951 in Hamburg geboren. Die Diplom-Sozialpädagogin hat im Fußball viele Rollen eingenommen. Sie spielte für den SV West-Eimsbüttel sowie für Grün-Weiß Eimsbüttel als Libera und war außerdem als Trainerin und Schiedsrichterin aktiv. Meilensteine aber setzte sie als Funktionärin. Schon mit 19 war sie, unmittelbar nachdem der Deutsche Fußball-Bund den Frauenfußball 1970 erlaubt hatte, für diesen bei West Eimsbüttel zuständig. Eigentlich hatte sie auf der Mitgliederversammlung nur dafür plädiert, was für den Frauenfußball zu tun, schon hatten sie die Herren am Wickel. Motto: "Mach du das doch, Mädchen!"
Erstes Ehrenamt mussten die Eltern erlauben
Dass sie ein Ehrenamt annahm, mussten die Eltern erst erlauben - sie war damals ja noch minderjährig. Aber nichts und niemand hielt "die Chefin", wie man sie später im Hamburger Fußballverband (HFV) nannte, auf im Kampf um die Emanzipation der Frauen im Fußball. In Hamburg leitete sie den Frauenfußballausschuss ab 1974 drei Jahrzehnte lang. Ihr Antrieb: "Dass wir Mädchen nicht Fußball spielen durften, fand ich doch höchst ungerecht. Dagegen wollte ich angehen. Es war nicht immer einfach, weil ich in der ersten Zeit immer das Gefühl hatte, ich müsste alle missionieren." Aber die Zeiten änderten sich.
Im Jahr 1977, da war sie gerade 26, schuf der DFB die Stelle der Referentin für Frauenfußball im Spielausschuss, und dafür wurde Hannelore Ratzeburg auserkoren. Mit segensreichen Folgen. Die Austragung des DFB-Pokals der Frauen seit 1980 ist ihrer Initiative zu verdanken, ebenso der Länderpokal für Frauen (1981). Sie wirkte ebenfalls an der Gründung der Frauen-Nationalmannschaft 1982 sowie der Einführung einer zweigleisigen Bundesliga 1990 mit. 1989 wurde sie dann auch Vorsitzende im DFB-Ausschuss für Frauenfußball - in einer Zeit, als die Nationalmannschaft anfing, Titel zu sammeln. Ein Stück weit waren es auch ihre EM- und WM-Titel.
Erste Frau im DFB-Präsidium
1990 wurde Hannelore Ratzeburg Mitglied in der FIFA-Kommission für Frauenfußball. 1995 zog sie dann als erste Frau in der damals 95-jährigen DFB-Geschichte in den Vorstand ein. Nebenher war sie auch im Deutschen Sportbund und im Hamburger Sportbund tätig. "Wichtig ist, dass man Spaß an dem hat, was man macht, beschrieb sie sich mal selbst. "Und ich hatte immer Spaß und musste überall mitmischen."
2007 wurde Ratzeburg die erste Frau im DFB-Präsidium, im Range einer Vizepräsidentin. Das blieb sie bis 2022 - und ihr HFV schrieb anlässlich ihres 65. Geburtstages: "Sie ist die mächtigste Frau im deutschen Fußball. Und das alles, weil sie schon in der Jugend zum Ziel gesetzt hatte, für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen, weil sie sich für mehr Gleichberechtigung in diesem Land einsetzen wollte. Auch und vor allem in Sachen Fußball."
Als der DFB vor einem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feierte, erwähnte sie Präsident Bernd Neuendorf in seiner Rede vor den zahlreichen Festgästen in Leipzig explizit. "Auch dank starker Frauen wie Hannelore Ratzeburg - unserem langjährigen Präsidiumsmitglied und einer Kämpferin für den Frauenfußball in Deutschland - wissen wir heute: Wächst der Frauenfußball, wächst der gesamte Sport." Nach ihrem Ausscheiden aus dem DFB-Vorstand gehört Hannelore Ratzeburg seit März 2022 dem Ehrenpräsidium an.
Kategorien: Frauen im Fußball, Mädchenfußball, DER DFB
Autor: um

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