Weltmeisterschaft

Erste K.o.-Runde: Seit zehn Spielen ungeschlagen

27.06.2026
Per Hinterkopf: Uwe Seeler (Nr. 9) trifft im ersten K.o.-Spiel der WM 1970 zum 3:2 gegen England Foto: IMAGO

Die Vorrunde der WM in den USA, Kanada und Mexiko ist überstanden, weiter geht es in der K.o.-Phase. Seit 2014 haben deutsche Fans das bei WM-Endrunden nicht mehr sagen dürfen, nun ist es wieder so weit. War man es bis zum Turnier in Russland gewohnt, dass die deutsche Nationalmannschaft eine Vorrunde übersteht, wurde dies stolze Tradition 2018 gebrochen und 2022 eine Serie begonnen, die zum Glück schon wieder endete. Der von Skeptikern befürchtete Vorrundenaus-Hattrick wurde abgewendet. Eine andere Serie soll aus deutscher Sicht fortbestehen: seit 1962 hat die Nationalmannschaft ihr erstes K.o.-Spiel bei einer WM immer gewonnen, es war damals in Chile auch die einzige Niederlage. Seit es Vorrundenspiele gibt (ab 1954) ging es fünfmal mit dem Viertelfinale weiter, danach achtmal mit dem Achtelfinale. Nun gibt es die Premiere eines Sechzehntelfinals. DFB.de mit einem Überblick über alle ersten K.o.-Spiele der DFB-Auswahl.

1934 und 1938 begannen die Turniere gleich im K.o.-Modus, weshalb das halbe Teilnehmerfeld nach einem Spiel dezimiert wurde, was sich besonders für Mannschaften von fremden Kontinenten als äußerst unattraktiver Modus erwies. Ab 1950 garantierte man jedem Teilnehmer möglichst drei Spiele. Schon in der "Antike" der WM-Geschichte blieb die DFB-Auswahl im ersten Spiel ungeschlagen, allerdings mit einem dicken Aber versehen. Nahm man 1934 die Hürde Belgien noch recht leicht (5:2), blieben sie 1938 in Paris schon an den Schweizern hängen, allerdings erst im damals üblichen Wiederholungsspiel (2:4 nach 2:0). Das erste Spiel hatte auch nach Verlängerung keinen Sieger ergeben (1:1), nur den ersten Platzverweis der DFB-Historie bei einer WM – für Johann Pesser.

1962: Letzte Niederlage im ersten K.o.-Spiel

Von 1954 bis 1962 kam es in Viertelfinals zu einem kuriosen Dauerduell mit den Jugoslawen. Die kommenden Helden von Bern 1954 (2:0) und die Titelverteidiger in Schweden 1958 (1:0) waren jeweils siegreich. In beiden Spielen schoss Helmut Rahn ein Tor. 1962 in Chile fehlte der "Boss" und auch sonst einiges, was die 1954er noch ausgemacht hatte. Diesmal war der Dauerrivale Endstation: Das letzte WM-Spiel der Ära Sepp Herberger endete in Santiago de Chile mit einer 0:1-Niederlage durch ein unhaltbares Tor fünf Minuten vor Schluss. Seither gab es nur noch Siege – zehn an der Zahl. Härter als es das Ergebnis aussagte, ging es 1966 in England gegen Uruguay (4:0) zu, als erst nach zwei Platzverweisen gegen die Südamerikaner die Weichen auf Sieg gestellt wurden.

1970 in Mexiko wurde englische Fußballgeschichte geschrieben - von den Deutschen. Die drehten das Viertelfinale von León nach 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg nach Verlängerung um, Uwe Seelers Hinterkopftreffer bleibt ewig legendär. Nicht minder bedeutsam: Erstmals in seiner Geschichte verlor England nach 2:0-Führung ein Länderspiel. Dann führte die FIFA Zwischenrunden ein (1974-1982), 1974 war, wenn man so will, erst das Finale (2:1 gegen Niederlande) und 1982 das Halbfinale (8:7 nach Elfmeterschießen gegen Frankreich) das erste K.o.-Spiel. 1978 gab es gar keines.

1986: Erstmals ein Achtelfinale

Ab 1986 ging es nach der Vorrunde ins Achtelfinale. Mühsam war es oft, fast immer auch sehr knapp, aber immer galt der Lineker-Spruch von den am Ende siegreichen Deutschen. Es begann mit einem 1:0 gegen Marokko durch ein spätes Freistoßtor von Lothar Matthäus in Monterrey/Mexiko. Die Weltmeister von 1990 lieferten sich mit Nachbar Niederlande, damals Europameister, in Mailand eine legendäre Schlacht (2:1), die nicht nur wegen der Platzverweise für Rudi Völler und Frank Rijkaard im kollektiven Gedächtnis blieb. Wer etwa den Bogenschuss von Andy Brehme zum vorentscheidenden 2:0 sah, wird ihn auch nie vergessen. Nur nach dem gewonnenen Finale sollen die Feierlichkeiten im deutschen Quartier noch ausgelassener ausgefallen sein als nach diesem Prestigesieg. 1994 in den USA war das 3:2 gegen Belgien, in dem Rückkehrer Rudi Völler mit zwei Treffern zum Matchwinner wurde, das beste Spiel. Es war ebenso die letzte Siegesfeier bei dieser WM wie 1998 in Frankreich, als dem 2:1 gegen Mexiko (nach 0:1) das Aus im Viertelfinale folgte.

Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea ging das Achtelfinale gegen Paraguay als das früheste deutsche WM-Spiel in die Geschichte ein – jedenfalls für die Fans in der Heimat. Es wurde zum Frühstück serviert (8.30 Uhr) und war kein Genuss. Aber am Ende schmeckte der Pflichtsieg (1:0) dann doch, Oliver Neuville ersparte allen Zuschauern eine Verlängerung. Um Klassen besser war das Achtelfinale bei der Heim-WM 2006, als Schweden in München 2:0 geschlagen wurde. Die Tore fielen schon vor der Pause durch Lukas Podolski, beide aufgelegt von Sturmpartner Miroslav Klose. Trainer Jürgen Klinsmann lobte, er könne sich "kaum erinnern, so eine erste Halbzeit von einer deutschen Mannschaft gesehen" zu haben.

2010: Entschädigung für Wembley-Tor

Mindestens genauso euphorisch waren die Fans nach dem Achtelfinale von Bloemfontein in Südafrika 2010 gegen den alten Rivalen England. Das junge Team von Joachim Löw gewann verdient mit 4:1, obwohl die Briten zwei Tore erzielten. Quasi als späte Entschädigung für das Wembley-Tor 1966 übersah der Schiedsrichter, dass der Ball nach einem Schuss von Frank Lampard deutlich hinter der Linie war.

Auch 2014 brauchten die Deutschen etwas Glück und einen Torwart, der Libero spielen konnte. Manuel Neuer machte gegen Algerien (2:1) eins der größten Spiele seines Lebens und bügelte manchen Stellungsfehler in der Abwehr aus. Die Tore fielen erst in  der Verlängerung furch Joker André Schürrle und Mesut Özil. Am meisten gesprochen wurde hinterher aber über das Interview des etwas knurrigen Per Mertesacker im ZDF, für das er heute trotzdem (oder deshalb?) als Experte arbeitet. Er verstand die kritischen Ansätze nicht, man sei ja schließlich auf "keine Karnevalstruppe" getroffen und wollte sich nur noch "in die Eistonne" legen. Er hatte es eben längst verinnerlicht: in K.o.-Spielen zählt nur noch der Sieg. Deutschland hat oft genug bewiesen, dass es dieses Prinzip verstanden hat.

Kategorien: Weltmeisterschaft, Männer-Nationalmannschaft, WM 2026

Autor: um