Männer-Nationalmannschaft

Duelle mit Griechenland: Auswärts ungeschlagen

03.10.2026
WM-Quali 2001 in Athen: Klose erzielt nach Ziege-Flanke per Kopf das 3:2 Foto: imago

Zum zwölften Mal treffen Deutschland und Griechenland aufeinander, am 27. September 2026 gab es in Augsburg die erste Niederlage (0:1) bei sieben Siegen und drei Remis. Das bedeutet zugleich: in Griechenland ist die DFB-Auswahl noch ungeschlagen (drei Siege, ein Unentschieden). DFB.de mit einem Rückblick auf die Griechenland-Reisen der Nationalmannschaft.

20.11.1960: Als nur Charly Dörfel baden ging

Im allerersten Treffen ging es gleich um Punkte. In einer Dreier-Gruppe mit Nordirland konnte nur der Sieger zur WM nach Chile fahren und das Team von Sepp Herberger setzte zum Start gleich zwei Ausrufezeichen. Dem 4:3 in Nordirland ließ sie ein 3:0 in Griechenland folgen.

Vor 27.000 Zuschauern im Stadion von Panathinaikos Athen waren schon zur Pause alle Zweifel am Sieg beseitigt. Zwar entsprach der Spielstand nicht ganz dem Spielverlauf, doch die Gäste nahmen den 3:0-Vorsprung umso lieber mit in die Kabinen.

Gert "Charly" Dörfel vom HSV eröffnete den Torreigen aus spitzem Winkel (8.) und leistete nach 31 Minuten die Vorarbeit zum nächsten Treffer durch Mönchengladbachs Albert Brülls. Auch das 3:0 von Augsburgs Helmut Haller legte er auf (42.). Am Vortag war Dörfel noch in Unterwäsche ins Mittelmeer gesprungen, in Griechenland herrschten fast sommerliche Temperaturen und der Spaßvogel konnte der Versuchung nicht widerstehen, Während bei den Deutschen fast jeder Schuss saß, vergaben die Griechen sogar einen Handelfmeter, den Horst Szymaniak verursacht hatte. Hans Tilkowski parierte den Schuss von Konstantinos Nestoridis (26.). Nach der Pause fielen keine Tore mehr, die Herberger-Elf um Kapitän Herbert Erhardt, dem letzten Verbliebenen aus dem Weltmeisterkader von 1954, schaukelte den Vorsprung über die Zeit. Es war auch ein Verdienst von Tilkowski, der eines seiner besten Länderspiele überhaupt machte und vom griechischen Verbandschef Maropulos ein Sonderlob erhielt: "Selbst bei den besten Schüssen gelang nichts, war ihr wundervoller Torwart auf dem Posten." Herberger sagte angesichts der Hitze und des trockenen Platzes: "Unter diesen Umständen bin ich mit allem mehr als zufrieden."

Nur Uwe Seeler trat weniger gut gelaunt den dreieinhalbstündigen Rückflug an, er trug eine leichte Gehirnerschütterung und eine Risswunde an der Stirn davon. Zu seinen gefürchteten Kopfbällen konnte er nach einem Zusammenprall (28.) nicht ansetzen, "ich konnte gar nicht mehr in die Höhe schauen, ein Schwindelgefühl hat mich immer gestört." An diesem Tag ging es auch ohne die Tore von "Uns Uwe".

22.11.1970: Günter Netzers großer Tag

Nach zwei enttäuschenden Spielen (1:1 gegen die Türkei, 0:2 in Jugoslawien) wollte der WM-Dritte von Mexiko Wiedergutmachung betreiben. Das gelang dem Team von Helmut Schön im Test gegen die Griechen vor 40.000 Zuschauern in der Hafenstadt Piräus und der Kicker atmete auf: "Unsere Nationalmannschaft kann doch noch gewinnen.".

Dass es "nur" ein Freundschaftsspiel war, wurde mit einem Blick auf die deutsche Bank deutlich. Da durfte ein 16 Jahre alter Gewinner eines Jonglierwettbewerbs neben den Reservisten sitzen.

Die deutsche Elf war keineswegs eingespielt, im Tor debütierte der Berliner Volkmar Groß, die Innenverteidigung mit dem Gladbacher Klaus-Dieter Sieloff und Duisburgs Michael Bella war auch nicht erste Wahl. Dafür spielte das wohl hochkarätigste Mittelfeld auf - mit Wolfgang Overath, Günter Netzer und Franz Beckenbauer standen drei Weltklasseleute auf dem Platz und sich diesmal auch nicht im Weg. Allerdings schied Overath bereits nach 35 Minuten aus, hatte bis dahin aber Netzer schon ein Tor aufgelegt (30.). Netzer gab dann die Vorlage zum 2:0 von Jürgen Grabowski (42.), was auch den Halbzeitstand bedeutete.

Kaum zurück auf dem Rasen, jubelten die Deutschen schon wieder, doch der Treffer von Franz "Bulle" Roth wurde wegen eines angeblichen Foulspiels des Münchners annulliert. Kurz danach verkürzten die Gastgeber nach einem Missverständnis zwischen Groß und Bella auf 1:2 durch Joutzos (52.). Groß nahm die Schuld auf sich, erklärte aber auch: "Man muss sich ja an die neuen Vorderleute erst gewöhnen." Es blieb allerdings bei diesem einen Spiel für den Hünen von Hertha BSC.

Nach 74 Minuten fiel die Entscheidung durch ein herrliches Beckenbauer-Tor nach Doppelpass mit Netzer, der somit bei allen Treffern seine (großen) Füße im Spiel hatte. Der Gladbacher Spielmacher sagte: "Ich habe heute, glaube ich, mein bestes Länderspiel gemacht." Der Tag von Wembley lag ja noch vor ihm (3:1-Sieg am 29. April 1972).

Gute Noten gab es auch für das deutsche Spiel an sich, Helmut Schön lobte: "Diese Partie war sehr zufriedenstellend." Der Kicker titelte: "Frische Brise im Mittelfeld."

20.11.1974: Als selbst dem Kaiser die Bälle versprangen

Deutschland war im Herbst 1974 nicht nur Weltmeister, sondern auch Europameister. Vor dem Hinspiel in Athen warnte der Kicker dennoch schon auf der Titelseite: "Ein Gegner, der uns Sorgen machen kann." Es war das erste Pflichtspiel nach dem WM-Triumph von München. Die DFB-Elf war natürlich Favorit, doch Sorgen hatten sie genug. Nach dem Rücktritt von Gerd Müller und Jürgen Grabowski suchte Helmut Schön einen neuen Sturm. In Piräus liefen zwar zehn Spieler aus dem Weltmeisterkader auf, aber es war doch eine andere Mannschaft. Die Bayern steckten in der größten Krise ihrer Bundesligazugehörigkeit, selbst Weltstars wie Sepp Maier und Franz Beckenbauer waren verunsichert. Andere spielten nicht auf ihren optimalen Positionen: Der Schalker Helmut Kremers spielte Linksverteidiger für Madrid-Legionär Paul Breitner, Bernd Cullmann vertrat im zentralen Mittelfeld Wolfgang Overath, der ebenfalls zurückgetreten war. Günter Netzer hatte so wie Breitner keine Freigabe von Real bekommen und so war keiner der großen Spielmacher jener Epoche mehr übrig. Das Mittelfeld bestand aus Kämpfern: Wimmer-Cullmann-Hoeneß. Auch im Sturm wurde improvisiert: der vielseitige Frankfurter Bernd Hölzenbein, der am besten dribbeln konnte, musste Mittelstürmer spielen, auf Rechtsaußen versuchte sich in seinem vierten Länderspiel der Düsseldorfer Reiner Geye, einziger Nicht-Weltmeister im Team. Nur Linksaußen Jupp Heynckes stand an der richtigen Stelle. Die Deutschen kamen an diesem Tag vom Herbst in den Sommer, Athen empfing sie bei Sonne und 20 Grad. Die Neugier auf den Weltmeister hielt sich in Grenzen, es kamen nur 20.000 Zuschauer. Aber die konnten schon bald jubeln: Delikaris erzielte nach einer Ecke, unter der Maier hindurch tauchte, das 1:0. "Die deutsche Abwehr, besonders Maier und Schwarzenbeck, sah bei diesem Tor keinesfalls gut aus", tadelte der Kicker. Herbert Wimmer vergab die größte von drei Ausgleichschancen der ersten Hälfte, freistehend schoss er ans Außennetz. Helmut Schön dürfte in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben, denn der Ausgleich fiel kurz nach Wiederanpfiff. Auf Vorlage von Geye schoss Cullmann aus zehn Metern ein (51.). Die mögliche Führung verhinderte der rumänische Schiedsrichter Reinea, jedoch nicht, wie gewöhnlich, mit der Pfeife. Vielmehr stand er Heynckes nach Beckenbauers Pass einfach im Weg. Nun wechselten die Griechen zwei Stürmer ein und gingen durch Safaris prompt wieder in Führung (70.).

Es wurde immer hitziger, Cullmann schied mit Platzwunde am Kopf aus, Jupp Kapellmann kam hinein. Dann feierte sogar noch der Lauterer Seppl Pirrung sein Debüt – für neun Minuten. Kurz darauf fiel prompt der Ausgleich durch einen, der dafür nicht unbedingt zuständig war: Wimmer köpfte Hölzenbeins Flanke ein (83.) Im Karaiskaki-Stadion zu Piräus rettete das den Weltmeister vor einer Niederlage. Helmut Schön bilanzierte: "So schlecht waren wir selten. Es war kein Spiel von großer Klasse, aber ein Europameisterschaftstreffen, das es in sich hatte. Ich hatte mit Recht vor der Spielstärke der Griechen gewarnt." Ein wenig schimpfte er noch auf den Rasen: "Dass sogar einem Beckenbauer ein paar Bälle weggesprungen sind, sagt alles über die Qualität des Platzes." Kaiser Franz wiederum war schlicht deprimiert: "Wir müssen praktisch ganz von vorne anfangen."

28.03.2001: Zum Jubiläum ein Sieg in Unterzahl

Das wichtige WM-Qualifikationsspiel im Jahr eins unter Teamchef Rudi Völler war auch ein Jubiläumsspiel. Zum 700. Mal trug die A-Nationalmannschaft ein offizielles Länderspiel aus, ein Grund mehr die Anhänger nicht zu enttäuschen. Zumal sie als Tabellenführer beim Schlusslicht antrat. Die DFB-Elf ließ es auch gut angehen und ging schon nach sechs Minuten durch den an diesem Tag überragenden Hertha-Verteidiger Marko Rehmer mit einem Rechtsschuss in Führung, um die Vorarbeit für sein zweites Länderspieltor machte sich das Sturmduo Oliver Neuville/Carsten Jancker verdient. Die Führung hielt nur eine Viertelstunde, dann glich der kommende Europameister durch den künftigen Bremer Angelos Charisteas aus, Christian Wörns legte ihm den Ball bei seinem Rettungsversuch unglücklich auf. Das temporeiche Spiel ließ den Akteuren kaum eine Atempause, nach einer vergebenen Großchance von Charisteas gab es auf der Gegenseite nach einem Foul an Michael Ballack Elfmeter, den dieser entgegen aller ungeschriebenen Fußballgesetze selbst ausführte und verwandelte (25.). Jancker verpasste anschließend das 3:1, stattdessen schlug es nach 43 Minuten im Kasten des neu ernannten DFB-Kapitäns Oliver Kahn ein: Giorgiadis kam per Kopfball zum nicht unverdienten Ausgleich und mit Spannung erwarteten die rund 40.000 Zuschauer, darunter die halbe Belegschaft der DFB-Zentrale, den Wiederanpfiff des portugiesischen Schiedsrichters Meio Pereira.

Der stand nach einer weiteren Viertelstunde, in der es auf beiden Seiten Torchancen gab, plötzlich im Mittelpunkt, aber nicht in der Kritik: Er schickte den bis dahin sehr auffälligen Sebastian Deisler nach wiederholtem Foulspiel vom Platz. Im Kicker war von einer "törichten Grätsche an der Mittellinie" zu lesen, der 21 Jahre alte Herthaner war etwas übermotiviert an diesem Tag. Selten hatte ein solcher Nachteil jedoch eine so positive Wirkung. In Unterzahl spielte das Völler-Team umso couragierter, Völler brachte mit Miroslav Klose und Marco Bode ein neues Sturmduo und das prompt den Sieg: Nach Ziege-Flanke köpfte Klose zum 3:2 (82.) und nach Rehmer-Flanke schoss Bode das 4:2 (90.). Völlers Fazit strahlte Zufriedenheit aus: "Wir haben uns als echte Einheit präsentiert." DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder schwärmte gar: "Das war heute die Zukunft."

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Autor: um