Frauen-Nationalmannschaft
MVT: "Es braucht mehr Sicherheit, Routine, Selbstverständnis"

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ist mit einem torlosen Unentschieden in Duisburg gegen Schweden ins WM-Jahr gestartet. Im DFB.de-Interview spricht Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg über den Klassiker und die weitere WM-Vorbereitung.
DFB.de: Frau Voss-Tecklenburg, wie blicken Sie auf die erste Maßnahme im Jahr 2023 zurück?
Martina Voss-Tecklenburg: Erst mal war es wichtig, dass wir nach langer Zeit wieder mit der Nationalmannschaft zusammengekommen sind, um auch mental in dieses besondere Jahr 2023 zu starten. Das WM-Jahr hat nun begonnen. Im Trainingslager in Marbella hatten wir gute Bedingungen und vor allem taktisch viel arbeiten können. Mit Schweden hatten wir zum Abschluss dieser Maßnahme den erwartet starken Gegner.
DFB.de: Wie ordnen Sie das Duell mit Schweden mit etwas Abstand ein?
Voss-Tecklenburg: Aufgrund der Torchancen für Schweden war es am Ende schon ein etwas glückliches Unentschieden. Wir sind nervös ins Spiel gestartet und haben zu statisch agiert. Wir hatten insgesamt aus der Positionierung nicht den Zugriff. Wir waren nicht in den Räumen, wo wir defensiv und offensiv hinschieben müssen. Im Laufe des Spiels haben wir jedoch mehr und mehr gekämpft, die Intensität gesteigert und es von der Körpersprache deutlich besser gemacht. Für mich ist es wichtig, dass wir den Willen gezeigt haben, das Spiel gewinnen zu wollen. In der letzten Aktion haben wir uns dann nicht mit der Qualität durchgespielt. Es war ein sehr physisch geprägtes Spiel, bei dem die Schwedinnen insgesamt mehr im Spielfluss waren. Wir werden in den Analyseprozess einsteigen und unsere Erkenntnisse ziehen. Das sind wichtige Spiele, die wir brauchen, um zu sehen, woran wir weiterarbeiten und uns verbessern müssen.
DFB.de: Was braucht es neben dem Kampf, um ins Spiel zu finden?
Voss-Tecklenburg: Es braucht mehr Sicherheit, Routine und Selbstverständnis. Uns hat manchmal ein wenig der Mut gefehlt. Dadurch haben wir nicht in unser Spiel gefunden. Wenn wir solche Sequenzen haben und Dinge nicht gelingen, sind wir manchmal noch nicht selbstbewusst genug, die Bälle zu fordern und in die richtigen Räume zu kommen. Mit der nötigen Routine greifen dann auch Automatismen besser. Es braucht noch etwas Zeit, um in unser Spiel und unsere Spielidee zu kommen - mit jeder Einzelnen, aber auch im Mannschaftsverbund. Da mache ich mir aber jetzt noch keine Sorgen. Es war das erste Spiel gegen einen starken Gegner. Wir werden weitere Spiele gegen Topgegner absolvieren und die nötige Trainingszeit haben, um das Selbstverständnis zu finden, was unser Spiel auszeichnet.
DFB.de: 20.168 Fans waren beim Auftakt Ihrer Mannschaft ins WM-Jahr im Stadion. Obwohl die Partie torlos blieb, ging gegen Spielende die Laola durchs Stadion. Nach Abpfiff gab es bei der Ehrenrunde Ihres Teams herzlichen Applaus. Wie haben Sie die Stimmung in Ihrer Heimatstadt Duisburg erlebt?
Voss-Tecklenburg: Die Stimmung im und rund ums Duisburger Stadion war wirklich toll. Das Publikum hatte ein gutes Gespür dafür, dass wir trotzdem versucht haben, alles zu geben und gegen starke Schwedinnen dagegenzuhalten. Es war ein spannendes Spiel, gerade weil Schweden zum Schluss ein paar gute Torchancen hatte, die Merle (Frohms; Anm. d. Red.) und unsere Defensivspielerinnen gut verteidigt haben. Die Wertschätzung, die wir aktuell bekommen, auch wenn die Leistung mal nicht ganz so optimal ist, ist spürbar. Viele Fans haben nach dem Spiel noch sehr lange und geduldig auf die Spielerinnen gewartet. Das ist bewundernswert. Ich habe viele Fans gesprochen, die zweieinhalb, dreieinhalb Stunden angereist waren und dann noch eineinhalb Stunden nach dem Spiel gewartet haben, um ein Autogramm oder ein Foto zu bekommen. Dafür können wir uns nur bedanken, das ist einfach großartig!
DFB.de: Wie blicken Sie auf die nächste Länderspielphase im April und die weitere WM-Vorbereitung?
Voss-Tecklenburg: In fünfeinhalb Wochen sind wir wieder zusammen, das ist auch gut so. Jetzt werden wir in die Gespräche mit den Vereinstrainern gehen. Wir werden uns einige Spiele im DFB-Pokal, in der Champions League und der FLYERALARM Frauen-Bundesliga anschauen, um die Entwicklung der Spielerinnen weiter zu beobachten und zu begleiten. Dann gehen wir in die April-Maßnahme und werden weiter daran arbeiten, in unser Spiel zu kommen. Wir brauchen Widerstandsfähigkeit und Robustheit bei physisch geprägten Spielen, ohne dabei unser Spiel zu verlieren.
Kategorien: Frauen-Nationalmannschaft, Fan Club, Frauen
Autor: sal

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