U 21-Männer
Gruda: "Länderspiele sind immer eine neue Challenge"

Brajan Gruda ist zurück bei der U 21-Nationalmannschaft. Der 21 Jahre alte Offensivspieler gehört mit seinen 19 Einsätzen unter Cheftrainer Antonio Di Salvo im aktuellen Kader zu den erfahrensten Akteuren und soll die Mannschaft in der EM-Qualifikation zum Erfolg führen. Im DFB.de-Interview spricht der Flügelspieler vor dem EM-Qualifikationsspiel am Freitag (ab 18 Uhr, live auf ProSieben MAXX und kostenlos auf JOYN) in Braunschweig gegen Nordirland über seine Rolle in der U 21, seine Leihe aus der Premier League zurück in die Bundesliga und seine Vergangenheit.
DFB.de: Herr Gruda, im September 2025 haben Sie Ihr bislang letztes U 21-Länderspiel bestritten. In der darauffolgenden Länderspielphase mussten Sie noch vor dem ersten Spiel verletzt abreisen. Wie ist es, nun wieder im Kreis der U 21-Nationalmannschaft zu sein?
Brajan Gruda: Ich freue mich sehr, wieder hier zu sein. Bei der U 21-Nationalmannschaft spiele ich mit den Jungs, mit denen ich im U-Bereich schon immer zusammengespielt habe. Wir kennen uns also alle sehr gut, und es macht einfach Bock, mit Gleichaltrigen zu spielen. Auch das Trainerteam ist sehr gut - wir verstehen uns super. Der Cheftrainer (Antonio Di Salvo; Anm. d. Red.) hat mir gesagt, dass er das von mir sehen möchte, was ich gerade bei RB Leipzig auf dem Platz zeige.
DFB.de: Erstmals für die U 21-Nationalmannschaft haben Sie im September 2023 gespielt - auch damals schon unter Antonio Di Salvo. Seitdem haben Sie mit dem Team viel erlebt, unter anderem die Vizeeuropameisterschaft im vergangenen Jahr. Was gibt Ihnen die U 21?
Gruda: Bei der Nationalmannschaft kann man vom Vereinsalltag abschalten. Im Fußballerleben fühlen sich Länderspiele immer wie eine neue Challenge an. In erster Linie haben wir sehr wichtige Spiele in der EM-Qualifikation vor uns. Es gilt, uns in die bestmögliche Lage zu bringen und uns in der Folge direkt zu qualifizieren, denn das ist unser Anspruch. Natürlich ist die U 21-Nationalmannschaft auch die ideale Plattform, um sich für höhere Aufgaben in der A-Nationalmannschaft zu präsentieren, da wir Spieler wissen, dass die beiden Trainerteams miteinander in Kontakt stehen.
DFB.de: Als 2004er gehören Sie nun zum ältesten U 21-Jahrgang. Mit 19 Spielen sind Sie hinter Nicolò Tresoldi, der 22 Einsätze aufweisen kann, der zweiterfahrenste Spieler im aktuellen U 21-Kader. Inwiefern versuchen Sie, im Team voranzugehen?
Gruda: Ich versuche, die neuen Spieler immer bestmöglich mitzunehmen, so dass sie sich direkt wohlfühlen. Niemand möchte beispielsweise, dass die Neuen beim Essen allein sitzen oder sich in den ersten Trainings unwohl fühlen. Auf dem Platz gibt es sicherlich Momente, in denen man als erfahrenerer Spieler Ansagen machen kann, allerdings bin ich kein Spieler, der auf dem Platz die ganze Zeit redet. Ich helfe meiner Mannschaft am besten, indem ich meine Leistung auf den Platz bringe.
DFB.de: Aktuell belegen Sie in der EM-Qualifikationsgruppe F mit 12 Punkten hinter den um drei Zähler besseren Griechen den zweiten Platz. Nur der Erstplatzierte qualifiziert sich direkt für die Europameisterschaft. Neben Griechenland wartet in dieser Länderspielphase auch der Gruppendritte Nordirland auf Sie. Inwieweit empfinden Sie Druck, was stimmt Sie optimistisch?
Gruda: Wir wissen ganz genau, welche zwei besonderen Spiele bevorstehen und was auf uns zukommen wird. Beide Gegner werden mit viel Herz spielen und kommen über eine hohe Intensität, Körperlichkeit sowie Aggressivität. Wir werden von Anfang an gut dagegenhalten müssen, ich bin aber von unserer eigenen Stärke gegen den Ball sowie der fußballerischen Qualität meiner Mitspieler überzeugt. Zudem haben wir ein großes gegenseitiges Vertrauen, weshalb wir uns keinen Druck machen, sondern davon ausgehen, dass wir die zwei Spiele positiv bestreiten werden. Trotz ein paar Ausfällen haben wir einen starken Kader, gegen den es schwierig ist zu gewinnen. So wie immer gilt, dass wir die Leistungen, die wir in den Vereinen zeigen, hier genauso abrufen und keinen Gegner unterschätzen.
DFB.de: In der griechischen U 21-Nationalmannschaft laufen zwei Ihrer Mitspieler aus Brighton & Hove Albion auf: Charalampos Kostoulas und Stefanos Tzimas - beide sind Mittelstürmer. Letzterer kuriert aktuell seine Kreuzbandverletzung aus, aber wie lässt sich ein Charalampos Kostoulas stoppen?
Gruda: Die zwei sind gute, sehr witzige Jungs. (lacht) Bei Brighton & Hove Albion habe ich auch neben dem Platz viel Zeit mit den beiden verbracht. Fußballerisch sind das extrem talentierte Spieler mit überragenden Fähigkeiten, die im Spiel immer etwas Besonderes machen wollen. Wir haben aber sehr gute Innenverteidiger, die Charalampos im Griff haben werden. Daher hoffe ich, dass er uns im Spiel nicht allzu viele Probleme bereiten wird. (lacht) Charalampos hat sich vor der Länderspielphase auch per Videoanruf bei mir gemeldet und wollte wissen, ob ich bei der U 21-Nationalmannschaft dabei bin.
DFB.de: Sie sind einer der U 21-Nationalspieler, die höhere Ambitionen haben. Nicht nur, weil Sie schon mal im Kreise der A-Nationalmannschaft waren. Sie sprechen offen aus, dass eine Nominierung durch Julian Nagelsmann eines Ihrer Ziele ist. Wie versuchen Sie, sich interessant zu machen?
Gruda: Ich muss mir und meinem Spielstil treu bleiben, um so gemeinsam mit der Mannschaft hier und im Verein mit guten Leistungen zu überzeugen. Dann bin ich gespannt, was die Zukunft bringt.
DFB.de: Im August 2024 wagten Sie den Schritt zu Brighton & Hove Albion. Dort läuft Ihr Vertrag noch bis zum Sommer 2028. Wie blicken Sie heute auf diese Zeit und Entscheidung?
Gruda: Das vergangene Jahr war ein schwieriges für mich, gleichzeitig aber auch ein cooles. In der Karriere kann es nicht immer nur bergauf gehen. Daher war es für mich rückblickend nicht schlimm, dass es nicht ganz so funktioniert hat, wie man es sich am Anfang vorgestellt hat. Ich musste mich erst mal an die Intensität der Premier League gewöhnen. Dazu ein neues Land, ein neues Umfeld. Das war alles recht viel für mich, denn zuvor habe ich noch nie allein in einem anderen Land gelebt. Alles in allem bin ich aber glücklich, dass ich den Schritt gewagt habe, da ich sowohl menschlich als auch fußballerisch einiges gelernt habe. Nichtsdestotrotz freut es mich, nun bei RB Leipzig zu sein und dort mehr Einsatzzeiten zu bekommen.
DFB.de: Sie sprechen es an, seit Anfang des Jahres sind Sie an RB Leipzig ausgeliehen, wo Sie bis zum Sommer bleiben. Dort ist Ihnen der Start mit sieben Einsätzen in sieben möglichen Spielen, drei Toren und zwei Vorlagen sehr geglückt. Wie waren die ersten Wochen aus Ihrer Sicht?
Gruda: Die ersten Tage waren turbulent und lustig, weil ich mit dem Auto angereist bin. (lacht) Die Anreise mit dem Flugzeug wäre etwas umständlich gewesen. Ich habe mich von Anfang an direkt wohlgefühlt. Die Spieler, das Trainerteam und der Staff sind total lieb und haben mich super aufgenommen. Es ist einfach schön, wieder in Deutschland zu sein und auch die Sprache zu sprechen, mit der ich aufgewachsen bin.
DFB.de: Mit dem Neuling Max Finkgräfe ist einer Ihrer RB-Mitspieler im aktuellen U 21-Kader. Wie stellen sich er und die anderen beiden Neuen Karim Coulibaly und Cajetan Lenz an?
Gruda: Als wir Spieler in Leipzig mitbekommen haben, dass Max dabei ist, haben wir ihm natürlich gratuliert und ein, zwei Sachen mit auf den Weg gegeben. Er sitzt in der Kabine neben mir, weswegen wir uns oft unterhalten. Max ist ein Topjunge und ein überragender, schneller Außenverteidiger, der alles mitbringt. Es ist schwierig, an ihm vorbeizukommen. (lacht) Im Verein kommt er aktuell leider nicht auf so viel Spielminuten, weil wir auf seiner Position mit David Raum top besetzt sind.
DFB.de: Ein anderer guter U 21-Kumpel von Ihnen ist Nelson Weiper, der mit Ihrem ehemaligen Klub 1. FSV Mainz 05 in der Saison weiterhin im europäischen Wettbewerb vertreten ist. Wie verfolgen Sie Ihren Ex-Klub?
Gruda: Ich schreibe sehr oft mit Nelly und frage ihn, ob er spielt und wie es ihm geht. Ich schaue eigentlich jedes Mainz-Spiel - oft mit meinem Papa. Ab und zu verpasse ich leider eins. Neben Nelly kenne ich noch ein paar andere Spieler aus der vergangenen Zeit, daher macht es großen Spaß, ihre Spiele zu verfolgen. Ich freue mich immer, wenn Nelly im Spiel gute Aktionen hat, denn er ist schon seit langem ein guter Freund von mir. In Mainz habe ich seit der U 15 mit ihm zusammengespielt.
DFB.de: Zum Abschluss noch einen Schritt weiter Richtung Vergangenheit. Mit dem Fußball angefangen haben Sie beim FC Speyer 09. Beim ersten U 21-Training dieser Länderspielphase war der TuS Essenrode mit vielen jungen Spielern bei Ihnen zu Gast. Wie fanden Sie es?
Gruda: Ich habe große Freude, zusammen mit Kindern zu zocken. Nach dem Auftakttraining haben wir gemeinsam eine kleine Turnierform im Vier-gegen-Vier gespielt. Damals in Speyer haben wir hinter unserem großen Fußballplatz immer in einem Käfig Turnierformen gespielt. Dort haben wir auch Schulturniere gespielt - das war eine geile Zeit. Auf dem Kleinfeld zu kicken, macht einfach richtig Bock, bis heute. Kleine Spielformen machen wir bei den Profis immer noch, und jeder Spieler freut sich darauf.
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