2. Frauen-Bundesliga

Bayern-Trainer Reisacher: "Große Fortschritte gemacht"

23.01.2026
Reisacher: "In der 2. Frauen-Bundesliga muss man jede Woche am Limit spielen" Foto: imago

Seit der Saison 2024/2025 betreut Jérôme Reisacher (34) die zweite Frauenmannschaft des FC Bayern München. Der vorherige Co-Trainer des Profikaders strebt mit seinem Team den Klassenverbleib in der 2. Frauen-Bundesliga an. Am Sonntag (ab 14 Uhr) geht es gegen den 1. FFC Turbine Potsdam. Im DFB.de-Interview spricht der gebürtige Franzose Reisacher mit Mitarbeiter Peter Haidinger über seinen Job.

DFB.de: Der Re-Start nach der Winterpause steht bevor. Wie gut ist Ihre Mannschaft vorbereitet, Herr Reisacher?

Jérôme Reisacher: Die Winterpause war recht kurz. Einige Spielerinnen sind erst vor einer Woche von der U 17-Nationalmannschaft zu uns zurückgekehrt. Außerdem hatten drei Spielerinnen am Trainingslager unserer ersten Mannschaft teilgenommen, so dass wir im Training nicht immer komplett waren. Wir haben jedoch in den Trainingseinheiten hart gearbeitet und sind gut gerüstet.

DFB.de: Der FC Bayern II startet mit der Nachholpartie gegen den 1. FFC Turbine Potsdam, der sechs Punkte mehr auf dem Konto hat, in das neue Fußballjahr 2026. Welche Bedeutung hat die Auftaktbegegnung mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf?

Reisacher: Zunächst freuen wir uns, dass es wieder um Punkte geht. Wir sind hochmotiviert und wollen möglichst mit einem Erfolgserlebnis in das neue Jahr starten. Der Blick auf die Tabelle ist bei uns aber zweitranging. Wichtig ist, dass wir alles geben, uns als Einheit präsentieren, ein gutes Spiel machen und uns als Mannschaft und individuell immer weiterentwickeln.

DFB.de: Ihre Mannschaft überwinterte auf einem Abstiegsplatz. Kommt das für Sie überraschend?

Reisacher: Das Niveau in der 2. Frauen-Bundesliga ist gegenüber der zurückliegenden Saison noch einmal gestiegen. Wir haben eine extrem junge Mannschaft, die aufgrund ihres Alters noch viel lernen kann.

DFB.de: Welche Schlüsse haben Sie aus der Hinrunde gezogen? In welchen Bereichen muss sich das Team vor allem verbessern?

Reisacher: In erster Linie müssen wir uns im Zweikampfverhalten steigern. Wir sind noch nicht so robust, wie es in der 2. Frauen-Bundesliga erforderlich ist. Die Boxverteidigung ist bei uns ein Thema, an dem wir arbeiten. Wenn ich Maria Plattner oder Jana Kappes herausnehme, haben wir ein Durchschnittsalter von 17 Jahren. Wir benötigen einfach Zeit. Die Spielerinnen bei der SG 99 Andernach sind im Schnitt zehn Jahre älter und haben pro Lebensjahr 150 Trainingseinheiten mehr absolviert. Da werden die Unterschiede manchmal einfach deutlich.

DFB.de: Wie wichtig wäre der Verbleib in der 2. Frauen-Bundesliga für die Nachwuchsförderung beim FC Bayern?

Reisacher: An oberster Stelle steht immer die Entwicklung der Spielerinnen und der gesamten Mannschaft. Der Klassenverbleib wäre wichtig, um die Spielerinnen an das höchstmögliche Niveau heranführen zu können. In der 2. Frauen-Bundesliga muss man jede Woche am Limit spielen, man wird maximal gefordert. Andererseits wird in der Regionalliga Süd auch guter Fußball gespielt und auch hier kann man Talente sehr gut fordern und fördern. Der SV 67 Weinberg, die TSG Hoffenheim II, der SC Freiburg II, der Karlsruher SC oder die SpVgg Greuther Fürth, gegen die wir zuletzt im Test 2:2 gespielt hatten, verfügen ebenfalls über starke Teams, in denen sich junge Spielerinnen gut entwickeln können. Erfolgserlebnisse sind sehr wichtig.

DFB.de: Vor der Winterpause erkämpfte Ihr Team ein überraschendes 2:2 gegen Tabellenführer VfB Stuttgart. Gibt das Ergebnis zusätzlichen Mut für die Rückrunde?

Reisacher: Das Remis war extrem wichtig und hat uns gezeigt, dass wir auch gegen die besten Teams der Liga punkten können.

DFB.de: Was stimmt Sie sonst noch zuversichtlich?

Reisacher: Die Mädels haben im technischen Bereich große Fortschritte gemacht. Jede Trainingseinheit bringt das Team und mich einen Schritt weiter. Wir wollen die Leistungsschwankungen so gering wie möglich halten, stabil und robust durch die Saison kommen und uns täglich verbessern. Die Leistungsbereitschaft ist sehr groß.

DFB.de: Sie waren selbst viele Jahre als Torhüter aktiv, wurden bei Racing Straßburg und beim SC Freiburg ausgebildet. Später waren Sie viele Jahre in der dritt- oder vierthöchsten Spielklasse in Deutschland am Ball. Warum hat es mit der großen Karriere nicht geklappt?

Reisacher: Ich musste meine Karriere im Alter von 26 Jahren wegen schwerwiegender Knieprobleme frühzeitig beenden.

DFB.de: Unmittelbar danach haben Sie die Trainerlaufbahn eingeschlagen. War das schon immer Ihr Ziel?

Reisacher: Definitiv. Es bereitet mir unglaublich viel Freude, mit jungen, hungrigen und lernwilligen Menschen zu arbeiten, die Lust haben, etwas zu reißen.

DFB.de: Zu Ihren Trainern gehörte unter anderem Christian Streich. Was haben Sie von ihm mitgenommen?

Reisacher: Christian Streich hat von jedem Spieler das Maximum gefordert. Er hat nicht um den heißen Brei geredet, sondern klare Anweisungen gegeben. Seine Leidenschaft und Liebe zum Fußball sind großartig. Damals hatte ich es nicht immer verstanden, heute kann ich alles viel besser einschätzen.

DFB.de: Seit 2019 sind Sie für die FC Bayern Frauen tätig, zunächst als Co-Trainer der Profimannschaft, seit 2024 als U 20-Trainer. Wie kam es dazu?

Reisacher: Jens Scheuer, ehemaliger Frauentrainer beim SC Freiburg, hat mich damals nach München mitgenommen. Ich habe nicht lange überlegt und die Chance ergriffen. Ich gebe immer alles, bin selten zufrieden. Als Co-Trainer der ersten Mannschaft hatte ich immer einen guten Draht zu den jungen Spielerinnen, habe mit ihnen nach der Schule Extraschichten eingelegt. Irgendwie hat sich das entwickelt und ich habe frühzeitig signalisiert, dass ich mir die Rolle als U 20-Trainer zutrauen würde.

DFB.de: Ist München inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden?

Reisacher: Ich bin mit 18 Jahren aus Frankreich nach Deutschland gekommen. Nach sechs Jahren in Freiburg bin ich nun in München heimisch geworden. Ich bin sehr stolz, dass ich beim Aufbau der FCB-Frauenmannschaft helfen und mitwachsen durfte. Dafür bin ich sehr dankbar.

DFB.de: Was macht für Sie den Reiz aus, mit jungen Spielerinnen zu arbeiten?

Reisacher: Die Spielerinnen sind lernwillig, unbekümmert und hochmotiviert. In diesem Alter kann man die Mädels noch formen. Sie saugen alles auf und sind total hungrig.

DFB.de: Die FC Bayern Frauen verfügen über einen Weltklassekader und dominieren die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Wie können dennoch eigene Talente den Sprung schaffen?

Reisacher: Mit harter Arbeit und Fleiß ist einiges möglich. Jede Spielerin ist für ihre Entwicklung verantwortlich, muss bei jeder Trainingseinheit alles aus sich herausholen. Luzie Zähringer und Maria Plattner haben bereits in der Meisterschaft, Marie Gmeineder im DFB-Pokal einige Minuten Spielpraxis in der ersten Mannschaft gesammelt.

Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga

Autor: mspw