Weltmeisterschaft
15 Spiele, zehn Siege: Positive WM-Bilanz gegen neue Gegner

Zum Start der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko hat Deutschland ein Rendezvous mit einem Unbekannten. Karibikstaat Curacao ist Länderspielgegner Nummer 89 in der 118-jährigen Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Wegen des Kontinentalprinzips konnte es nie Qualifikationsspiele geben, und da Curacao erst seit 2010 autonom ist und einen eigenen Fußballverband hat, mangelte es lange Jahre an der puren Möglichkeit und an Anlässen, denn es ist die erste WM-Endrunde für unseren Gegner. DFB.de blickt zurück auf die WM-Duelle mit neuen Gegnern.
Dass die WM zum Partnervermittler wird, ist freilich keine Seltenheit, schon 15-mal lernte die DFB-Auswahl auf der größten Bühne des Fußballs neue Gegner kennen. Die Bilanz ist ermutigend: Zehn Siege, drei Remis und zwei Niederlagen. Mit einer Niederlage allerdings begann es. Bei der ersten deutschen WM-Teilnahme 1934 in Italien gab es im Halbfinale von Rom ein 1:3 gegen die Auswahl des noch recht jungen Staates der Tschechoslowakei. Es war alles andere als eine Blamage, Torwart Willibald Kreß hatte einen schwarzen Tag - vor allem aber verloren da Amateure gegen Profis. In Deutschland war der Berufsfußball noch verpönt, in den Nachbarländern hingegen florierte er bereits vor mehr als 90 Jahren.
Die Auslosung zur WM 1958 in Schweden brachte gleich zwei neue Bekanntschaften. Zum Auftakt wurde erstmals gegen Argentinien gespielt - und gewonnen (3:1). Auch für die "Gauchos", gegen die es später drei WM-Endspiele (WM-Rekord) mit zwei deutschen Siegen geben sollte, war es eine echte Neuheit. "Meine Mannschaft ist derartig gewalttätigen Fußball nicht gewohnt", grollte Trainer Guillermo Stabile. Bei späteren Treffen hatten eher die Deutschen Grund zur Klage über argentinische Härte. Im letzten Gruppenspiel 1958 trennte sich die DFB-Auswahl von Nordirland mit Wundertorwart Harry Gregg 2:2, Uwe Seelers später Ausgleich öffnete das Tor ins Viertelfinale.
Deutsch-deutsches Duell 1974
Es dauerte bis zur WM 1970 bis zum nächsten neuen Spielpartner, an dem einer seine besondere Freude hatte: Gerd Müller glückte gegen Peru (3:1) der zweite WM-Hattrick eines Deutschen, der auch den Gruppensieg sicherte.
Bei der folgenden Heim-WM gab es zwei Neuvermittlungen, beide Spiele fanden in Hamburg statt und zählen nicht zu den Glanzlichtern der WM 1974. Beim 3:0 gegen Australien gab es Pfiffe, nach dem 0:1 gegen die DDR durch das Tor von Jürgen Sparwasser heftige mediale Schelte und einen Hauskrach in Malente - der bekanntlich zum Titelgewinn führte. Der Verlauf der Geschichte wollte es, dass das DDR-Spiel einmalig blieb. Besonders der SED-Staat hatte kein Interesse an einer Neuauflage, man hatte sogar nach der Auslosung ernstlich diskutiert, an der WM 1974 nicht teilzunehmen.
Auch gegen Tunesien bekleckerte sich die DFB-Auswahl bei der WM 1978 nicht mit Ruhm, das 0:0 im letzten Gruppenspiel reichte gerade so zum Weiterkommen. Von den Nordafrikanern kannte man nur Trainer Chetali, der in Köln seine Trainerausbildung gemacht hatte und den Gegner in Sicherheit wog: "Wir sind mit einer knappen Niederlage zufrieden."
Zwei Premieren bei der WM 1990
Danach gab es nur noch ein Spiel gegen einen neuen Spielpartner, das Deutschland nicht gewann. 1990 in Italien war nach dem 5:1 gegen die uns bis dahin ebenfalls unbekannten Vereinigten Arabischen Emirate das Achtelfinale schon erreicht, als sich die Beckenbauer-Elf gegen Kolumbien ein 1:1 leisten konnte. Der Ausgleich in letzter Sekunde brachte auch die Südamerikaner noch in die nächste Runde, und der Kaiser gestand: "Ich habe mich gefreut, weil es sich die Kolumbianer verdient haben." So können Beziehungen anfangen, seither gab es vier Wiedersehen - alle auf Testspielebene.
Einmalig blieb dagegen die Paarung im Auftaktspiel bei der WM 1994 in den USA, als der amtierende Weltmeister etwas mühsam zu einem 1:0 gegen Bolivien kam - Jürgen Klinsmann sei Dank. Zwei Spiele später traf das DFB-Team erstmals auf Südkorea, wo in der Hitze von Dallas einige zu heiß liefen. Stärker als das Ergebnis (3:2) blieb die Affäre Stefan Effenberg in Erinnerung, dessen Mittelfingergeste in Richtung pfeifender Fans zu seinem Ausschluss aus dem WM-Kader führte.
Neue Gegner letztmals 2006
Es folgten ein 2:0 gegen den Iran im letzten Vorrundenspiel 1998 in Frankreich und ein 2:0 gegen Kamerun 2002 in Japan. Davon kann Rudi Völler unseren Spielern einiges erzählen, er war damals Teamchef und führte eine nach Carsten Ramelows Platzverweis früh dezimierte Mannschaft zum Sieg gegen den Afrikameister, den Winfried Schäfer trainierte. Der wusste zwar sicher etwas besser über die Mannschaft des Gegners Bescheid, aber am Ende gewannen die Deutschen.
Blieben noch zwei neue Partner aus der Vorrunde der Heim-WM 2006. Gegen Costa Rica wurde das Turnier in München spektakulär mit Philipp Lahms Traumtor eröffnet, Abwehrschwächen aber trübten die Freude über den Auftaktsieg (4:2). Souveräner lief es im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador (3:0), als Deutschland zum erst zweiten Mal eine Vorrunde mit drei Siegen abschloss.
Fazit: Gegen die großen Unbekannten besteht kein Anlass zu Überheblichkeit, Schützenfeste gab es abgesehen vom 5:1 gegen V.A.E. im Platzregen von Mailand 1990 nie. Aber Ausrutscher sind die Ausnahme von der Regel, dass sich der Favorit Deutschland durchsetzt.
Kategorien: Weltmeisterschaft, Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: um

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