Männer-Nationalmannschaft

Zwei harte Duelle: Ungeschlagen gegen Paraguay

29.06.2026
WM-Achtelfinale 2002: Neuville (r.) jubelt spät gegen Paraguay Foto: IMAGO

Heute (ab 22.30 Uhr MESZ, live im ZDF und bei MagentaTV) trifft die deutsche Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko auf Paraguay. Erst zweimal gab es dieses Duell bisher. Die Premiere vor 24 Jahren war wie auch jetzt das erste K.o.-Spiel bei einer WM, das zweite Aufeinandertreffen ein Testspiel vor der WM 2014. Deutschland ist noch ungeschlagen, doch beide Spiele waren hart umkämpft. DFB.de schaut zurück auf die beiden Partien.

WM-Achtelfinale 2002: Ungewöhnliche Bedingungen und späte Erlösung

Ungeschlagen, aber nicht unbeschadet, hatte die DFB-Auswahl die Vorrunde überstanden. Nach dem 2:0 gegen Kamerun standen plötzlich vier andere Namen in der zuvor dreimal identischen Start-Elf. Die Sperren machten drei Änderungen erforderlich: Abwehrchef Carsten Ramelow wurde durch Marko Rehmer ersetzt, wenn auch Thomas Linke den Libero-Posten übernahm. Jens Jeremies und Marco Bode (für Dietmar Hamann und Christian Ziege) liefen im Mittelfeld auf. Aus rein sportlichen Gründen löste im Sturm Oliver Neuville Carsten Jancker ab, diese Entscheidung fiel erst zwei Stunden vor Anpfiff. Michael Ballack wurde Tag und Nacht behandelt, am Freitag hätte er nicht spielen müssen, am Samstag war die Wade wieder in Schuss.

Zu seinem Gegner war Deutschland auf äußerst kuriose Weise gekommen. Paraguay war bei Punktgleichheit mit Südafrika und gleicher Tordifferenz nur dank der mehr erzielten Tore (6:6 gegenüber 5:5) weiter gekommen – und auch nur, weil Südafrika über den Spielstand bei Paraguays Sieg über Slowenien (3:1) nicht informiert war und dachte, sich eine Niederlage gegen Spanien leisten zu können. In Zeiten modernster Kommunikationsmittel ein echtes Kuriosum. Paraguay spuckte trotzdem keine leisen Töne, der exzentrische Torwart José Chilavert, der auch die Freistöße schoss und nach der Karriere Staatspräsident werden wollte, tönte: "Wir wollen ins Finale." Für das Spiel kündigte er an: "Wir können die Deutschen schlagen, weil wir physisch enorm stark sind und bis zum Tod kämpfen werden." Außerdem wollte er als erster Torhüter der WM-Historie ein Tor erzielen, am liebsten schon gegen Oliver Kahn.

Das Spiel fand um 15.30 Uhr Ortszeit ab, in Deutschland war es 8.30 Uhr in der Frühe. Weshalb die Bild-Zeitung titelte: "Die vernaschen wir zum Frühstück." Das Stadion blieb fast zur Hälfte leer. So bekam der DFB noch mühelos 1000 Karten, die er an spontan angereiste Fans weiterreichte. Um eine einigermaßen WM-würdige Kulisse herzustellen, ließen die Veranstalter ganze Schulklassen gratis ins Stadion. Gegen Paraguay hatte Deutschland zuvor nie gespielt, aus der Bundesliga kannten sie immerhin Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz, der auf drei Mitspieler traf. Den Trainer kannten alle: Cesare Maldini hatte zuvor sein Heimatland Italien gecoacht und stand für Defensivfußball reinster Sorte.

Völlers Ansprache bringt die Wende

Im halbleeren Stadion sangen die deutschen Fans zunächst Geburtstagskind Oliver Kahn (wurde 33) ein Ständchen. "Das war schön, aber ich habe mich gefragt: wo bin ich denn hier?", sagte der Torhüter dazu, "das ist doch eine WM, ein Achtelfinale. Das ist mental ganz schwierig, wie bei einem Freundschaftsspiel in Giesing. Man hat Probleme, die Spannung aufzubauen." Die Fernsehzuschauer hörten sogar, was sich die Spieler zuriefen.

Die Partie kam nur schwer in Gang, einige Beobachter sprachen hinterher vom "schlechtesten Spiel der WM". Ballack versuchte vergeblich eine Neuville-Ecke ins Tor zu verlängern. In der 27. Minute wagte Marco Bode einen Schuss aus der zweiten Reihe, der im Ballfang landete. Der nach dreimonatiger Zwangspause indisponierte Rehmer brachte Kahn mit einer zu kurzen Rückgabe in Schwierigkeiten, doch an seinem Geburtstag löste er alle Aufgaben – zur Not auch mal per Fuß. Bei einem Scharfschuss von Campos verdiente er sich für seine Flugparade Szenenbeifall. "Weltklasse", fand die Bild am Sonntag diese Aktion. Ohne Applaus ging es in die Kabinen. In der Halbzeit erinnerte Trainer Rudi Völler seine Spieler daran, dass sie bei einer WM wären "und nicht bei einem Freundschaftsspiel". Er wechselte den angeschlagenen Rehmer aus und brachte erstmals bei dieser WM den Dortmunder Sebastian Kehl, der etwas mehr für den Spielaufbau tun sollte. Kahn berichtete, worauf man sich in der Pause geeinigt habe: "Jetzt spielen wir mal Fußball, lassen den Ball laufen und hauen die Kugel nicht kreuz und quer über den Platz."

Plötzlich klappten die Kombinationen auch im vorderen Drittel, kamen Neuville und Bernd Schneider zu richtig guten Chancen. Völler musste den nächsten Debütanten bringen, Christoph Metzelder war verletzt und wich dem Bremer Frank Baumann. Immer wieder Wechsel in der Abwehr, das mag keine Mannschaft. In dieser Partie war das folgenlos, denn Paraguay baute spürbar ab und kam kaum noch vors Tor.

Neuville trifft zum Weiterkommen

In der 68. Minute bediente Schneider Torsten Frings, der freistehend übers Tor schlenzte. Etwas zu hoch angesetzt war auch der Freistoß von Chilavert, der tatsächlich versuchte, seinem Pendant Kahn einen einzuschenken (74.). "Wenn er getroffen hätte, hätte ich aufgehört mit Fußball", beteuerte Kahn.

In der 88. Minute machte sich der überragende Schneider wieder mal auf dem rechten Flügel auf den Weg und flankte aus vollem Lauf nach innen. Neuville wusste aus gemeinsamen Trainingseinheiten und Spielen, wohin der Ball kommen würde. Es war kein leicht zu nehmender Ball, denn er setzte noch einmal auf, aber Neuville traf ihn aus sieben Metern voll. Das 1:0 war also "eine einstudierte Leverkusener Tor-Produktion" (Schneider) und der Sieg. Paraguay raffte sich zwar noch einmal auf, landete aber nur noch einen unsportlichen Treffer. Für einen Ellenbogencheck gegen Ballack handelte sich Acuna Rot ein. Dann stand Deutschland im Viertelfinale und Völler erlaubte seinen Spielern eine kleine Siegesfeier: "Ein, zwei Bierchen sind völlig in Ordnung." Kollege Maldini trat noch am Spieltag zurück.

2013: Bender verhindert die Testspielniederlage

Ein Jahr vor der WM in Brasilien wünschte sich Bundestrainer Joachim Löw einen Gegner aus Südamerika zur Vorbereitung auf das, was da kommen könnte. Der Wunsch wurde ihm erfüllt, weniger freute ihn allerdings der Termin vier Tage nach dem Start der Bundesligasaison. Seine Spieler konnten noch nicht im Rhythmus sein, schon gar nicht die zahlreichen Legionäre, für die die Saison teils noch gar nicht begonnen hatte. August-Länderspiele erfreuen sich bei Bundestrainern nicht der allergrößten Beliebtheit. Sein Kollege Victor Genes ging etwas freudiger in die Partie, war es doch sein Debüt als Trainer Paraguays, das sportlich eine schwere Phase durchmachte.

In der Startelf der überalterten Mannschaft standen fünf Spieler, die 30 oder älter waren. Doch alt sah zunächst die DFB-Elf aus, deren Fehlstart die Historiker vor Herausforderungen stellte. Ein 0:2 (durch Nunez und Pittoni) nach 13 Minuten in einem Heimspiel – das gab es zuletzt 1939 gegen Böhmen-Mähren. Zum Glück raffte sich die DFB-Elf, in der acht kommende Weltmeister standen, schnell wieder auf. Ilkay Gündogan (18.) und Thomas Müller (31.) – jeweils mit links – stellten den Ausgleich her.

In die Kabinen gingen sie dennoch mit einem Rückstand, auf Vorlage des Ex-Münchners Roque Santa Cruz traf Samudio zum 2:3. Der Kicker analysierte: "Das 2:3 kurz vor der Pause überraschte die DFB-Elf und lähmte im zweiten Durchgang lange das Spiel merklich." Dass sie nicht als Verlierer den ausverkauften Betzenberg verließen, war Einwechselspieler Lars Bender zu verdanken. Schon nach 27 Minuten hatte er den angeschlagenen Gündogan abgelöst, in der 75. Minute glückte ihm das 3:3. In der Analyse des Spiels, das Deutschland nur nach Chancen (12:4) und Ecken (10:3) gewann, wurden die Abwehrschwächen hervorgehoben. Löw versicherte: "In den nächsten Spielen werden wir das alles verbessern und ändern. Das wird nicht so weitergehen." Tatsächlich blieb die Mannschaft in den kommenden drei Spielen ohne Gegentreffer und so hatte der Fehlstart in die Saison noch sein Gutes.

Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026

Autor: um