DFB-Pokal

"Wir haben uns blamiert": Als die Bayern in Magdeburg stürzten

27.10.2026
Entscheidung im Elfmeterschießen: Magdeburg gegen den FC Bayern in der 2. Pokalrunde 2000 imago

Wenn Bayern München am Mittwoch (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) in der 2. Runde im DFB-Pokal auf den 1. FC Magdeburg trifft, werden wohl an beiden Standorten Erinnerungen wach. Die Älteren denken womöglich noch an die Europapokalspiele 1974, als das Los die Meister beider deutscher Staaten zum ersten Duell überhaupt zwang. Die Bayern kamen damals eine Runde weiter (3:2 und 2:1). Doch der FCM nahm ein Vierteljahrhundert später Revanche und das bisher einzige Pokalduell zwischen diesen Vereinen schrieb Geschichte – vor fast genau 26 Jahren! Zu rechnen war kaum damit, auch wenn der Pokal seine eigenen Gesetze hat.

01.11.2000, 2. Runde: 1. FC Magdeburg – Bayern München 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:2 i.E.

Nie zuvor in seiner mit einigen Blamagen versehenen Pokal-Geschichte scheiterte der FC Bayern nämlich an einem Viertligisten. Wieso sollte es ihm da ausgerechnet im Herbst 2000 passieren? Er kam als aktueller Meister, er würde mit dieser Mannschaft am Saisonende die Champions League gewinnen. Trainer Ottmar Hitzfeld ließ Stammkräfte wie Giovane Elber und Jens Jeremies auf der Bank und gab einigen Reservisten eine Chance, für einen Viertligisten hätte es doch in jedem Fall reichen müssen, so die Annahme.

Das Spiel fiel in bewegte Zeiten des deutschen Fußballs: Gerade erst war Manager Uli Hoeneß als Sieger aus der Kokain-Affäre um Christoph Daum hervorgegangen, weshalb Deutschland nun einen neuen Bundestrainer suchte. Hoeneß, wochenlang der Buhmann in den Stadien, wurde in Magdeburg nun mit freundlichem Beifall begrüßt, auch weil er 3000 D-Mark an eine Magdeburger Klinik zur Behandlung krebskranker Kinder spendete. Die Bayern-Welt war in Ordnung – bis zum Anpfiff jener Partie am 1. November 2000.

Sensation mit Ansage

Dabei war es eine Sensation mit Ansage, denn der heute zweitklassige 1. FCM, der in der Oberliga Süd des Nordostdeutschen Fußballverbands kickte, hatte in der 1. Runde bereits den Bundesligisten 1. FC Köln rausgeworfen – und das mit 5:2! Nun stellte der erfahrene Trainer Eberhard "Matz" Vogel die Weichen für den nächsten Coup. 28.000 Zuschauer kamen an diesem Mittwoch ins Ernst-Grube-Stadion, die Karten waren innerhalb einer Stunde nach der Auslosung restlos verkauft worden.

Weil die ARD übertrug, hatte die Partie ein Vielfaches mehr an Zuschauern. So wurde ein Millionenpublikum Zeuge der Bayern-Blamage, die sich schon beim torlosen Pausenstand anbahnte. Mit Beifall wurden die Magdeburger in die Kabinen verabschiedet. Nach 66 Minuten fälschte Adolphus Ofodile einen Schuss unhaltbar für Oliver Kahn mit dem Knie ab, für 13 Minuten führte der Underdog. Dann stach Bayern-Joker Hasan Salihamidzic (79.) mit einem gekonnten Linksschuss aus der Drehung. Die Fans stöhnten auf, mittlerweile peitschte ein heftiger Regen durchs Stadion, auch deshalb hätten sie sich alle gern die Verlängerung erspart.

"Die kämpfen wie die Wahnsinnigen"

Aber mehr Tore fielen nicht mehr, es wurde ein sehr langer Abend und vor der Verlängerung sagte Uli Hoeneß im ARD-Interview beeindruckt: "Die kämpfen wie die Wahnsinnigen." Womit sich die Magdeburger ins Elfmeterschießen retteten, und da hatten sie die besseren Nerven. Während die eingewechselten Jeremies und Elber an FC-Torwart Miroslav Dreszer scheiterten, hielt Oliver Kahn keinen einzigen Magdeburger Elfmeter. Der vierte, von Dirk Hannemann, brachte die Entscheidung. Treffendes Fazit von Trainer Ottmar Hitzfeld: "Wir haben uns blamiert. Einige haben sich nicht so richtig eingesetzt, eine normale Leistung hätte gereicht."

Sie ließen ihre Wut am Wochenende darauf an Borussia Dortmund (6:2) aus. Die Magdeburger tanzten mit ihren Fans bis morgens um zwei Uhr im VIP-Zelt Polonaise, während Autokorsos in der Stadt die Nachtruhe störten. Der Verein freute sich über eine Bruttoeinnahme von rund einer Million D-Mark und setzte noch etwas auf den Geldhaufen drauf, denn er kam noch eine Runde weiter und scheiterten erst im Viertelfinale am späteren Pokalsieger Schalke 04 – ehrenhaft mit 0:1.

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Autor: um