Google Pixel Frauen-Bundesliga
Union-Trainerin Ailien Poese: "An schwierigen Situationen gewachsen"

Den 1. FC Union Berlin führte Cheftrainerin Ailien Poese zum direkten Durchmarsch aus der Frauen-Regionalliga Nordost bis in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Dort strebt die 41-Jährige mit ihrem Team als Neuling den Klassenverbleib an. Im DFB.de-Interview spricht Poese über die positive Entwicklung in Berlin-Köpenick, ihre Verbindung zum Klub und die Perspektiven für die zweite Saisonhälfte.
DFB.de: In gut einer Woche startet der Ligabetrieb nach der Winterpause. Wie gut sind die Union-Frauen bereits gerüstet, Frau Poese?
Ailien Poese: Die Vorbereitung war sehr kurz, aber wir haben gut und intensiv an einigen Dingen gearbeitet. Wir haben schon in der Hinrunde eine Entwicklung gesehen. Nun heißt es, diszipliniert und fokussiert immer weiter zu arbeiten, um in der kommenden Woche gut starten zu können.
DFB.de: Während der winterlichsten Woche in Deutschland weilten Sie mit Ihrer Mannschaft im Trainingslager im spanischen Oliva Nova und konnten bei angenehmen Temperaturen trainieren. Wie wichtig war der Aufenthalt?
Poese: Sehr wichtig! Das Wetter und die Platzverhältnisse ließen viele Dinge zu, die wir in Deutschland so hätten nicht umsetzen können.
DFB.de: Worauf wird in den verbleibenden Tagen der Vorbereitung vor allem der Fokus liegen?
Poese: Wir haben einige Themen aus der Hinrunde mitgenommen. Aufgrund der Kürze der Zeit liegt der Schwerpunkt voll auf fußballinhaltlichen Themen und nicht wie in einer "üblichen" Saisonvorbereitung noch stark auf athletischen Themen. Wir wollen mit dem abschließenden Testspiel noch einiges ausprobieren und uns dann konkret auf das Auftaktspiel vorbereiten.
DFB.de: Der 1. FC Union startet am Freitag, 23. Januar, mit einem Heimspiel unter Flutlicht gegen Bayer 04 Leverkusen. Wie groß ist bereits die Vorfreude?
Poese: Sehr groß! Es ist immer schön, in der Alten Försterei einen Auftakt zu haben. Das hatten wir im Sommer mit dem Spiel gegen Nürnberg und jetzt wieder mit dem Spiel gegen Leverkusen.
DFB.de: Das Polster auf die Abstiegsplätze beträgt acht Punkte. Wie bewerten Sie die Ausgangslage für die zweite Saisonhälfte?
Poese: Unsere Ausgangslage ist gut. Sicherlich hätten wir in dem einen oder anderen Spiel den einen oder anderen Punkt mehr holen können, aber das geht einigen Teams genauso. Durch die schwierigen Situationen, die wir aber in der Hinrunde gemeistert haben, sind wir gewachsen und wollen diesen Prozess weiter gestalten. Wir schauen von Spiel zu Spiel und werden somit immer wieder den Fokus bei den aktuellen Themen behalten.
DFB.de: Als Cheftrainerin führten Sie das Team bereits zu den Aufstiegen in die 2. Frauen-Bundesliga und in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Welchen Stellenwert hätte vor diesem Hintergrund der Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse?
Poese: Das ist korrekt und wir alle, die daran beteiligt sind und waren, können sehr stolz auf den Weg sein. Jetzt heißt es aber genau das, was Sie sagen, anzustreben - ein Bundesligist zu bleiben und den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu halten, wenn nicht sogar zu vergrößern. Für mich persönlich hätte es einen enormen Stellenwert, die Mannschaft von der dritten in die erste Liga geführt zu haben und im ersten Jahr dann auch die Klasse zu halten.
DFB.de: Für Union ist es die erste Bundesligasaison überhaupt. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus der Hinserie?
Poese: Erst einmal Dankbarkeit, in der höchsten Spielklasse des Landes spielen zu dürfen. Dazu ist der Fußball natürlich viel schneller und körperlicher. Fehler werden einfach schneller bestraft. Damit müssen wir umgehen und daraus lernen. Die Torchancen, die man sich erarbeiten kann, sind wesentlich weniger als noch in den Jahren zuvor. Also gilt es, diese noch konsequenter zu nutzen, als es uns bislang gelungen ist. Die Räume sind enger und es sind schnellere Handlungen und mehr Optionen notwendig, um eine gute Spielfortsetzung zu finden. Dazu haben wir in der Restverteidigung und Konterabsicherung bittere Erfahrungen gesammelt, die uns aber im Laufe der Saison sicherlich noch weiterbringen werden. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass du als Team sehr eng durch sehr schwierige Zeiten gehen und daran wachsen kannst, auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt. Das hat die Mannschaft unfassbar gut gemeistert und sich enorm entwickelt.
DFB.de: Phasenweise mussten Sie eine zweistellige Anzahl an verletzten Spielerinnen ersetzen. Wie sind Sie mit dieser schwierigen Situation umgegangen?
Poese: Wir haben sehr viel miteinander gesprochen und immer wieder den Fokus auf das Wesentliche gerichtet - auf das, was wir beeinflussen können, nämlich die Performance der Spielerinnen, die nicht verletzt sind, auf dem Platz. Es war eine harte Zeit, aber auch das gehört dazu. Es geht immer auch um den Umgang mit schwierigen Situationen. Das ist uns insgesamt gut gelungen, auch wenn der Erfolg in Punkten zwischenzeitlich ausblieb.
DFB.de: Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt. Rechnen Sie deshalb auch noch mit einer Steigerung der gesamten Mannschaft?
Poese: Ich rechne generell immer mit einer Steigerung von Mannschaften innerhalb einer Saison, weil das zum Entwicklungsprozess dazu gehört. Wir haben ein Team, das zum Teil in der abgelaufenen Spielzeit noch in der 2. Frauen-Bundesliga gespielt hat und sich jetzt in der Hinrunde an das Niveau der ersten Liga gewöhnen konnte. Alle wissen jetzt, was auf sie zukommt, und das bringt natürlich auch mehr Selbstvertrauen. Dazu tut uns der Konkurrenzkampf im Training natürlich gut, da durch die höhere Spielerinnenverfügbarkeit natürlich auch die Intensität im Training steigt.
DFB.de: Union hat gute Chancen, die Saison auf Platz eins der Zuschauertabelle zu beenden. Im Schnitt kommen fast 8000 Fans pro Partie ins Stadion An der Alten Försterei. Wie empfinden Sie diese Unterstützung?
Poese: Es ist immer schön, in der Alten Försterei zu spielen, und wir sind sehr dankbar für die großartige Unterstützung der Fans, die ja nicht einfach nur da sind, sondern einfach immer enorm supporten mit ihren Gesängen.
DFB.de: Sie waren viele Jahre selbst für den Verein am Ball und später auch im Nachwuchs tätig. Hätten Sie eine solche Entwicklung jemals für möglich gehalten?
Poese: Ich war von 1998 bis 2010 als Spielerin bei Union, habe 2006 angefangen, als Trainerin etwas zu tun, und von 2008 bis 2013 die Frauen- und Mädchenabteilung geleitet. Ich habe mich schon damals bei Union wohl gefühlt, weil es klare Aussagen dazu gab, was geht und was nicht geht. Das waren natürlich auch ganz andere Zeiten des Vereins, als es jetzt der Fall ist. Aber ja, ich habe diese Entwicklung für möglich gehalten, weil ich immer das Gefühl hatte, dass der Verein zu 100 Prozent dahintersteht, wenn er sich entschließt, etwas zu tun - und das ist geschehen.
DFB.de: Wie würden Sie Ihre persönliche Verbindung zum 1. FC Union beschreiben?
Poese: Der 1.FC Union Berlin ist - neben der SG Schulzendorf, bei der ich selbst angefangen habe, Fußball zu spielen - mein Heimatverein. Ich freue mich sehr darüber, dass mir der Verein 2006 ermöglicht hat, meine ersten Trainerlizenzen zu erwerben und mich 2022 wieder verpflichtet hat, um den Weg in den Profifußball und die Bundesliga anzutreten. Ich habe mir aber darüber im Vorfeld nie Gedanken gemacht. Für mich war vor drei Jahren klar, dass ich den Job annehmen werde, weil es interessant war und weil ich dem Verein dankbar bin für das, was er mir in meinem Lebenslauf ermöglicht hat. Außerdem ist Köpenick mittlerweile meine Heimat - und da gehört der 1.FC Union Berlin einfach dazu.
DFB.de: Der Verein legt großen Wert auf eine Gleichberechtigung zwischen dem Profifußball der Männer und der Frauen. Was bedeutet Ihnen diese Haltung?
Poese: Ich finde es enorm wichtig, weil es beiden Seiten sehr viel gibt. Für mich persönlich ist Fußball auch Fußball - unabhängig davon, ob er von Männern oder Frauen gespielt wird. Ich gucke beides gern, ich arbeite gern in beiden Bereichen, weil ich einfach gern im Fußball arbeite.
DFB.de: Werden auch die Frauen eines Tages vor ausverkauftem Haus spielen?
Poese: So wie sich der Frauenfußball gerade entwickelt, halte ich das mit ein wenig Geduld durchaus für möglich.
Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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