Google Pixel Frauen-Bundesliga
Union-Trainerin Eta vor Bayern-Duell: "Kulisse kann Kräfte freisetzen"

Der 1. FC Union Berlin und seine neue Cheftrainerin Marie-Louise Eta starten mit der größtmöglichen Herausforderung in die Saison 2026/2027 der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Am Freitag (ab 18.20 Uhr, live im ZDF sowie bei MagentaSport und DAZN) geht es im Eröffnungsspiel gegen den FC Bayern München. Im DFB.de-Interview spricht die 35-Jährige mit Mitarbeiter Ralf Debat über den Höhepunkt zum Auftakt.
DFB.de: Der 1. FC Union Berlin bestreitet vor eigenem Publikum das Eröffnungsspiel der neuen Spielzeit gegen Doublesieger FC Bayern München. Hätten Sie sich einen besseren Saisonstart zum Einstand wünschen können, Frau Eta?
Marie-Louise Eta: Wir freuen uns auf jeden Fall sehr, dass wir die Liga im eigenen Stadion vor zahlreichen Fans gegen den Deutschen Meister und DFB-Pokalsieger eröffnen dürfen. Es macht schließlich am meisten Spaß, sich mit den Besten zu messen.
DFB.de: Besteht vielleicht sogar am 1. Spieltag die größte Chance, um gegen den Titelverteidiger für eine Überraschung zu sorgen?
Eta: Um ehrlich zu sein, ist es immer schwierig, gegen den FC Bayern zu spielen, ganz unabhängig vom Zeitpunkt. Wir treffen auf einen Gegner mit hoher Qualität und sehr viel nationaler und internationaler Erfahrung. Und es kommt auch hinzu, dass die Münchnerinnen mit dem Supercup schon ein Pflichtspiel bestritten haben.
DFB.de: Dabei setzte sich der FC Bayern gegen den Vizemeister VfL Wolfsburg nach anfänglichen Problemen 3:0 durch. Wie war Ihr Eindruck?
Eta: Die erste Halbzeit war recht ausgeglichen. Die Wolfsburgerinnen hatten auch einige Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. Die Bayern haben jedoch gezeigt, dass sie auch in schwierigen Phasen immer für Tore gut sind. Das Ergebnis spricht für die Qualität des Teams.
DFB.de: Der FC Bayern gewann in der abgelaufenen Saison sämtliche 13 Auswärtspartien. Wie könnte es gelingen, diese Serie zu beenden?
Eta: Wir wollen uns auf jeden Fall nicht verstecken, sondern mutig auftreten. Das bedeutet, intensiv gegen den Ball zu arbeiten und den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Wir wollen gegen das Anlaufen des Gegners auch fußballerische Lösungen finden. Wenn wir viele gute Entscheidungen mit dem Ball treffen, sind wir in der Lage, auch gegen den FC Bayern zu bestehen.
DFB.de: Es werden etwa 15.000 Zuschauer*innen erwartet. Welche Rolle kann die Kulisse spielen?
Eta: Es herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre im Stadion An der Alten Försterei, die bei unserer Mannschaft Kräfte und Energie freisetzen kann. Gerade in schwierigen Momenten können die Fans uns antreiben. Wir freuen uns auf die Unterstützung.
DFB.de: Im abschließenden Testspiel wurde Paris Saint-Germain 3:1 bezwungen. Wie gut ist der 1. FC Union auf den Saisonstart vorbereitet?
Eta: Es war auf jeden Fall eine sehr intensive Generalprobe, bei der wir viele gute Phasen im Spiel hatten und unsere Spielidee schon gut auf den Platz bringen konnten. Wir haben mutig miteinander Fußball gespielt und zwei Tore nach Pressingsituationen erzielt, einen Treffer nach einem Standard. Das war definitiv ein Schritt nach vorne und hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. Wir wissen aber auch, dass gegen Bayern München noch einmal eine ganz andere Qualität auf uns zukommt.
DFB.de: Mit Lisanne Gräwe, Jella Veit, Jill Janssens und Leela Egli kamen einige Nationalspielerinnen nach Köpenick. Werden sie bereits wichtige Rollen einnehmen?
Eta: Sportlich liegt es aufgrund ihrer Qualität auf der Hand, dass sie uns verstärken. Sie bereichern uns auf und neben dem Platz. Gleichzeitig müssen wir aber auch berücksichtigen, dass alle jung und noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind.
DFB.de: Laut der Trainer*innen-Umfrage auf DFB.de trauen sechs Kolleg*innen dem 1. FC Union Berlin schon in seiner zweiten Bundesligasaison die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb zu. Ehrt oder ärgert Sie das?
Eta: Zunächst einmal ist es schön, wenn wir schon jetzt so positiv wahrgenommen werden, obwohl unser Prozess erst vor ein paar Jahren begonnen hat. Von daher ehrt uns das schon. Wir können das aber auch realistisch einordnen und wissen, woher wir kommen. Vereine wie der VfL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen, Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim sind schon seit Jahren sehr stabil in der Spitzengruppe dabei und haben deshalb auch die besten Chancen, hinter dem FC Bayern Platz zwei oder drei zu belegen. Wir wollen das eine oder andere dieser Teams allerdings in dieser Saison auch ärgern.
DFB.de: Was nehmen Sie sich persönlich für Ihre erste Saison als Frauen-Cheftrainerin vor?
Eta: Wir wollen die positive Entwicklung der zurückliegenden Jahre fortsetzen und den nächsten Schritt machen, sportlich und infrastrukturell. Es ist unser Ziel, den neunten Platz aus unserer ersten Bundesligasaison zu verbessern und das obere Tabellendrittel anzugreifen.
DFB.de: Dass Sie zur neuen Saison die Union-Frauen übernehmen werden, steht schon seit Anfang April fest. Wenig später sprangen Sie bis zum Saisonende beim Profiteam der Männer als Cheftrainerin ein und führten die Mannschaft zum Klassenverbleib in der Bundesliga. Hat Sie diese Zeit zu einer anderen, vielleicht besseren Trainerin gemacht?
Eta: Selbstverständlich entwickelt man sich mit jeder Tätigkeit als Trainerin weiter, macht wertvolle Erfahrungen und lernt dazu. Das ist auch mein Anspruch, jeden Tag besser zu werden.
DFB.de: Ist es nicht eine extreme Umstellung, innerhalb weniger Monate die männliche U 19, dann die Profis der Männer und jetzt die Profis der Frauen zu trainieren. Oder sind die Inhalte gar nicht so unterschiedlich?
Eta: Fußball ist Fußball. Und es geht immer um die Zusammenarbeit mit Menschen und stets um ähnliche Themen. Für mich macht das keinen Unterschied. Dass jede Spielerin und jeder Spieler eine individuelle Ansprache benötigt, ist klar. Das gilt aber für Jugendliche genauso wie für Profis, egal ob Männer oder Frauen.
DFB.de: Noch vor wenigen Jahren gab es keine Cheftrainerin in der Google Pixel Frauen-Bundesliga, aktuell sind es vier. Glauben Sie, dass sich diese Entwicklung fortsetzt?
Eta: Ich finde das positiv, denn es zeigt, dass sich mehr Frauen für den Job als Trainerin interessieren und schließlich auch entscheiden. Für den Fußball ist es aber grundsätzlich wichtig, gute Trainerinnen und Trainer zu haben, ganz unabhängig vom Geschlecht.
DFB.de: Gibt es unter den Trainerinnen einen besonders engen Austausch?
Eta: Wir kennen uns untereinander, stehen immer mal wieder in Kontakt. Das gilt aber auch für männliche Trainerkollegen wie beispielsweise Jonas Stephan, mit dem ich gemeinsam die Ausbildung zur Pro-Lizenz absolviert habe. Ich freue mich aber schon sehr darauf, bei den Spielen Britta Carlson, Fritzy Kromp und Eva Virsinger zu treffen. Für die 90 Minuten müssen die Freundschaften dann aber ruhen. (lacht)
Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga
Autor: mspw
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