Schiedsrichter

Stieler und Wacker verlassen die FIFA-Liste

10.09.2026
Rückzug von der FIFA-Liste: die DFB-Schiris Tobias Stieler und Karoline Wacker Foto: DFB/dpa Picture-Alliance

Die Schiedsrichter Tobias Stieler und Karoline Wacker werden künftig nicht mehr für die FIFA-Liste gemeldet. Beide entschieden sich freiwillig für diesen Schritt. Sowohl Stieler als auch Wacker werden weiterhin Spiele in der Bundesliga beziehungsweise der Google Pixel Frauen-Bundesliga leiten. Auch die Schiedsrichter-Assistenten Lasse Koslowski und Christian Gittelmann verlassen zum Jahreswechsel die FIFA-Liste.

Stieler wurde 2014 auf die FIFA-Liste aufgenommen und feierte nur drei Jahre später beim Spiel zwischen Juventus Turin und Olympiakos Piräus seine Premiere in der UEFA Champions League. In zwölf Jahren kam der 45-Jährige insgesamt 22-mal in der "Königsklasse", 26-mal in der Europa League und dreimal in der Conference League zum Einsatz. Hinzu kamen weitere Partien in den jeweiligen Qualifikationsrunden und zahlreiche Spiele im internationalen Juniorenbereich. Für den Schiedsrichter des DFB-Pokalendspiels 2019 endet damit eine "intensive Zeit", wie er selbst sagt.

Wacker tritt nach insgesamt zehn Jahren von der FIFA-Liste zurück. Die 35-Jährige debütierte in der Saison 2022/2023 beim Spiel zwischen FK Vllaznia und dem FC Chelsea in der UEFA Women’s Champions League und leitete im Seniorinnenbereich insgesamt 18 Partien auf internationaler Ebene, darunter mehrere Länderspiele. Hinzu kamen zahlreiche weitere Einsätze bei europäischen Juniorenturnieren.

Auch zwei Assistenten scheiden aus

Auch bei den Schiedsrichter-Assistenten gibt es Veränderungen. Mit Stielers Abschied endet ebenfalls die internationale Laufbahn seines Assistenten Lasse Koslowski. Der 39-Jährige debütierte in der Saison 2017/2018 als Assistent auf internationaler Bühne und kam dort insgesamt in 43 Spielen zum Einsatz, sieben davon bestritt er in der Champions League.

Für Christian Gittelmann ist nach insgesamt acht Jahren auf der FIFA-Liste Schluss. Nach seiner Aufnahme im Jahr 2019 bestritt der 43-Jährige insgesamt 19 Partien in der Champions League, 20 in der Europa League und fünf in der Conference League. Hinzu kommen zahlreiche weitere internationale Einsätze bei Länderspielen und in den Qualifikationsrunden der europäischen Klubwettbewerbe. In der vergangenen Saison war er viermal im Team von Harm Osmers und einmal im Team von Felix Zwayer im Einsatz.

Welche deutschen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter auf Stieler, Wacker, Koslowski und Gittelmann folgen werden, wird zu einem späteren Zeitpunkt und nach Bestätigung der Aufnahme durch die FIFA auf DFB.de bekanntgegeben.

"Eine sehr intensive Zeit"

Tobias Stieler sagt: "Als ich 2012 in die Bundesliga kam und das erste Jahr 'überlebte', war mein großes Ziel, Champions League zu pfeifen und die Hymne auf dem Platz zu hören. 2014 kam dann die 'Erlösung' in Form der Nominierung für die FIFA-Liste - ein wichtiger Schritt hin zum Ziel. Im August 2017 war es dann so weit: Juventus Turin gegen Olympiacos Piräus. Ich durfte noch 21 weitere Male 'Les grandes équipes - The champions' hören. Zwölf Jahre waren eine sehr intensive Zeit, mit Höhen, aber auch Tiefen. Mein Entschluss, Ende des Jahres die FIFA-Liste zu verlassen, ist ebenso mit 'Erleichterung' verbunden, mein Ziel erreicht und auf dem Weg dorthin unheimlich viele Erfahrungen gesammelt zu haben - auf und neben dem Platz."

Peter Sippel, Sportlicher Leiter Bundesliga, erklärt: "Als Mitglied der höchsten Kategorie 'Elite' wurde Tobias in allen Wettbewerben der UEFA eingesetzt. Tobias zeigte über viele Jahre verlässliche Leistungen auf konstant hohem Niveau. Er war damit Top-Schiedsrichter, Leistungsträger und ein wichtiger Bestandteil der Gruppe der FIFA-Schiedsrichter des DFB. Die professionelle Einstellung von Tobias zeigt sich auch in seinem freiwilligen Ausscheiden aus der FIFA-Liste. Hierdurch macht er den Weg für einen jüngeren Kollegen frei und leistet seinen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Ausrichtung der FIFA-Liste."

"Voller Leidenschaft auf dem Platz"

Karoline Wacker sagt: "Die Entscheidung, mein FIFA-Badge nach zehn Jahren abzugeben, habe ich nicht von heute auf morgen getroffen. Ich habe mir darüber lange Gedanken gemacht. Es gehört zum Lauf des Lebens und auch zum Fußball dazu, dass Talente nachkommen, eigene Erfahrungen sammeln und sich auf dieser Bühne beweisen können. Deshalb habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, einer jüngeren Kollegin die Chance zu geben, all das zu erleben, was ich in den vergangenen zehn Jahren erleben durfte. Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, erfüllt mich das vor allem mit großer Freude und Stolz. Ich durfte Spiele in allen internationalen Frauen-Wettbewerben leiten und konnte nahezu alle Länder Europas bereisen. Aber ich bin auch sehr dankbar für die unzähligen Menschen, die ich auf diesem Weg kennengelernt habe, und für die besonderen Momente, die ich auf und neben dem Platz erleben durfte. Diese Erfahrungen und Erinnerungen wird mir niemand mehr nehmen. Doch auch wenn sich ein Kapitel schließen wird, ist meine Geschichte noch lange nicht zu Ende geschrieben. Bis zum Jahresende stehen international noch einige Spiele an, darauf freue ich mehr sehr. Mein Fokus liegt jetzt auf den kommenden Spielen und auf den Aufgaben, die vor mir liegen. Im DFB-Bereich werde ich auch in Zukunft mit voller Leidenschaft auf dem Platz stehen."

Christine Baitinger, Sportliche Leiterin Frauen-Bundesligen, erläutert: "Nach zehn Jahren auf der großen Bühne beendet Karoline Wacker ihre internationale Schiedsrichterinnenlaufbahn. Sie vertrat den DFB in zahlreichen Turnieren, Champions-League-Partien und Länderspielen und überzeugte dabei stets durch ihre fachliche Qualität, ihre starke Persönlichkeit und ihre ganz eigene, positive Art. Umso mehr freuen wir uns, auch künftig in der Frauen-Bundesliga auf ihre große Erfahrung und ihre Persönlichkeit zählen zu können."

"Deutsches Schiriwesen würdig vertreten"

Christian Gittelmann sagt: "Nach acht Jahren auf der FIFA-Liste endet für mich ein ganz besonderer Abschnitt, für den ich immer hart gearbeitet habe. Natürlich hätte ich meine internationale Laufbahn gerne fortgesetzt, dafür bin ich Leistungssportler. Gleichzeitig weiß ich, dass Entscheidungen im Spitzensport auch von strategischen Erwägungen geprägt sind. Das respektiere ich. Ich bin dankbar für die internationalen Einsätze, die vielen besonderen Spiele und die wertvollen Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln durfte. Den Kollegen, die diesen Weg nun starten dürfen, wünsche ich den maximalen Erfolg. Mein Blick geht immer nach vorne, und ich freue mich darauf, meine Erfahrung und meine volle Motivation in den kommenden Jahren als Schiedsrichterassistent in der Bundesliga und sicher auch hin und wieder bei internationalen Einsätzen einzubringen."

Lasse Koslowski meint: "Das Verlassen der FIFA-Liste meines Teamchefs Tobias Stieler ist auch für mich ein Anlass, meine FIFA-Zeit zum Jahreswechsel zu beenden. Es war nach mehreren Gesprächen mit der sportlichen Leitung eine einvernehmliche Lösung. Für mich persönlich war es eine wirklich tolle, aber auch intensive Zeit. Ich bedanke mich bei allen Schiedsrichtern, die mich auf die Reisen mitgenommen haben, und wünsche meinem Nachfolger tolle Erfahrungen sowie den internationalen Teams gutes Gelingen."

Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, sagt: "Tobias Stieler, Karoline Wacker, Lasse Koslowski und Christian Gittelmann haben das deutsche Schiedsrichterwesen über Jahre hinweg auf internationaler Bühne würdig vertreten. Hierfür gebührt ihnen mein Respekt, und für ihre Leistungen bedanke ich mich. Das Ausscheiden der vier Aktiven gibt uns nun die Möglichkeit, aufstrebenden Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern die Chance zu geben, sich ebenfalls auf internationaler Bühne zu beweisen."

Kategorien: Schiedsrichter

Autor: mgb