Männer-Nationalmannschaft

Sieg auch beim Sommermärchen: Makellose Bilanz gegen Ecuador

23.06.2026
Torschütze in beiden Duellen mit Ecuador: Lukas Podolski bejubelt seinen Treffer zum 3:0-Endstand bei der Heim-WM 2006 Foto: imago

Gegen Ecuador, am Donnerstag (ab 22 Uhr MESZ, live in der ARD und bei MagentaTV) in East Rutherford der dritte und letzte Kontrahent der Gruppenphase bei der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko, hat die deutsche Nationalmannschaft die beiden bisherigen Duelle 2006 und 2013 gewonnen. Beim letzten Aufeinandertreffen stellte Lukas Podolski, der in beiden Spielen traf, einen lange ungebrochenen Rekord auf. DFB.de schaut zurück auf die Begegnungen mit den Südamerikanern.

Deutschlands 88. WM-Spiel war eines der ganz wenigen ohne Erfolgsdruck - und damit eine Parallele zur Gegenwart. Vor dem letzten Vorrundenspiel bei der Heim-WM 2006 stand der Einzug ins Achtelfinale bereits fest, damals - anders als heute - allerdings auch für den Gegner. AuDer Gruppensieg ist 2026 schon eingefahren, 2006 war er noch das Ziel für Gastgeber Deutschland. Bundestrainer Jürgen Klinsmann ließ die Zügel nicht locker, wollte erstmals seit 1970 auch das dritte Vorrundenspiel gewinnen und drohte in der Kabine: "Wer heute denkt, es lockerer angehen zu lassen, der ist nach 20 Minuten vom Platz." Es gelte, bei der Konkurrenz das Gefühl zu erzeugen, "dass keiner gern gegen Deutschland spielen will."

Es gab gegenüber dem Polen-Spiel (1:0) nur eine Änderung: Robert Huth, damals in England spielender Verteidiger, durfte in seiner Heimatstadt in der Abwehr Christoph Metzelder vertreten. Selbst den mit Gelb vorbelasteten Kapitän Michael Ballack schonte Klinsmann nicht: "Wir müssen einfach versuchen, die mit Gelb vorbelasteten Spieler ins Achtelfinale zu bekommen."

WM 2006: Klose-Salto "für besondere Momente"

Ecuador lag auf Platz 39 der Weltrangliste, 20 Positionen hinter Deutschland. In das letzte Gruppenspiel gingen die Südamerikaner sogar als Tabellenführer. Trainer Luis Fernando Suarez: "In Südamerika weiß inzwischen jeder, was wir können. In diesem tollen Berliner Stadion können wir es jetzt der ganzen Welt beweisen." Es fand sich auch wieder ein Magier des Landes, der in der BILD verkündete: "Ich habe das Stadion verhext." Dazu soll der Schamane Zauberformeln, eine Feder und einen Speer, den er in den Rasen rammte, verwendet haben. An der Geschichte war nichts dran, es war die übliche Folklore vor WM-Spielen.

Bei Anpfiff um 16 Uhr waren es 27 Grad. Die ARD übertrug an diesem Dienstag, Reinhold Beckmann kommentierte für 21,27 Millionen Menschen. Die Ostkurve, wo sonst die Hertha-Fans stehen, war in Schwarz-Rot-Gold getaucht. Rund 700.000 (!) Menschen verfolgten das Spiel auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor. In der vierten Minute durften sie schon jubeln: Miroslav Klose verwertete einen Rückpass von Bastian Schweinsteiger mit einem trockenen Rechtsschuss ins lange Eck. Seinem achten WM-Tor ließ er endlich wieder seinen legendären Salto folgen, "den hebe ich mir nur für die besonderen Momente auf". Was war das Besondere am 1:0? Zumindest war es das früheste deutsche Tor bei dieser WM (exakt 3:37 Minuten).

Poldi beendet Ladehemmung

Die deutsche Mannschaft sprühte weiter vor Spiellaune, Bernd Schneider setzte den Ball nach Philipp Lahms Flanke volley übers Tor. Das Publikum applaudierte dankbar, auch nach Podolskis und Kloses Versuchen, als die Bälle auf den Rängen landeten. Unmittelbar vor der Pause sorgte der überragende Klose für einen beruhigenden Halbzeitstand. "Der Pass von Ballack zum 2:0 war grandios", lobt einer, der was von grandiosen Pässen versteht - Günter Netzer, Regisseur der 72er-Europameister. Michael Ballacks Lupfer hinter die Kette nahm der von Agustin Delgado bedrängte Bremer auf, umspielte noch den Torwart und schob mühelos ein.

Nach der Pause setzte Ecuador in Person von Edwin Tenorio den ersten Torschuss ab, Jens Lehmann rettete zur Ecke. Dann ging es wieder in die andere Richtung. Wirbelwind Philipp Lahm hielt es nicht mehr in seiner Abwehr, über links tankte er sich durch und legte auf Lukas Podolski zurück. Der Noch-Kölner, der nach der WM zu den Bayern wechseln sollte, zog aus 16 Metern mit seinem starken Linken ab, Zentimeter fehlten zum ersten WM-Tor.

Vier Minuten später fiel es doch. Diesmal bediente Schneider Podolski von rechts, der in die Vorlage rutschte und aus acht Metern traf - natürlich mit links. Nach 364 Minuten endete seine Ladehemmung, das Tor zum 3:0-Endstand widmete er seiner Mutter. Das Publikum träumte singend vom Finale. Klinsmann ließ nun die Reservisten ran, wechselte binnen sieben Minuten dreimal. Verständlich, dass die Mannschaft bei den Temperaturen etwas zurücksteckte. Die letzte Chance hatten die Gäste, der Freistoß von Edison Mendez landete auf dem Tordach. Drittes Spiel, dritter Sieg - nur 1970 war Deutschland genauso furios in eine WM gestartet. Zum fünften Mal in Folge gab es den Gruppensieg. Auf der Ehrentribüne klatschten sich Kanzlerin Dr. Angela Merkel und DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ab.

2013: Podolski-Tor nach 9,28 Sekunden

Ein Jahr vor der erfolgreichen WM in Brasilien machte die Nationalmannschaft eine USA-Reise mit Spielen gegen den Gastgeber und Ecuador. Allerdings in einer stark veränderten Besetzung, fast ein Dutzend Stammkräfte fehlte - aus sehr gutem Grund. Vier Tage zuvor bestritten Bayern München und Borussia Dortmund in London das Finale um die Champions League (2:1 für Bayern), sie bekamen natürlich frei von Bundestrainer Joachim Löw und durften ihren Urlaub antreten.

So ergaben sich Chancen für Spieler, die Löw im Blickfeld für die WM hatte. Der Leverkusener Sidney Sam und der Freiburger Max Kruse debütierten in der Startelf, in der mit den Schalkern Roman Neustädter (2. Einsatz) und Julian Draxler (5.) weitere Perspektivspieler standen. Heiko Westermann war das nicht mehr, der damals 29-jährige Innenverteidiger des HSV, gab nach drei Jahren sein Comeback. Die Elf, die nie zusammengespielt hatte und das auch nie mehr tun würde, startete furioser als alle anderen in der DFB-Historie. Lukas Podolski schoss im 873. Länderspiel nach 9,28 Sekunden das bis dahin schnellste Tor der DFB-Geschichte, obwohl der Gegner Anstoß gehabt hatte. Dessen letzter Mann Achilier kam allerdings auf die folgenschwere Idee, am eigenen Strafraum zu dribbeln. "Poldi" hielt den Fuß dazwischen und kam mit seinem starken Linken zum Abschluss. Sein Rekord hielt bis März 2024, ehe ihn Florian Wirtz in Paris gegen Frankreich brach (7,92 Sekunden).

Schnellstes 2:0 der DFB-Geschichte

Drei Minuten später erhöhte der Leverkusener Lars Bender auf Vorlage von Teamkollege Sam und markierte damit die schnellste 2:0-Führung der DFB-Historie. Dieser Rekord hat bis heute Bestand. Beide Torschützen waren auf den Geschmack gekommen und legten nach. Podolski nach 17 Minuten nach Kruses Vorarbeit und Bender nach 24, diesmal von Neustädter bedient. Es bahnte sich ein Debakel für Ecuador an, doch zum Glück für die Südamerikaner ließ es die DFB-Auswahl zum Saisonausklang dann doch etwas langsamer angehen. Valencia von Manchester United kam kurz vor der Pause zum Anschlusstreffer (44.), und nach Wiederbeginn verflachte die Partie vor nur 5500 Zuschauern, die nur noch ein Freistoßtor von Ayovi (84.) zum 2:4-Endstand sahen.

In den Schlussminuten wurden auch der Mainzer Nicolai Müller und Leverkusens Philipp Wollscheid noch zu A-Nationalspielern. Der Bundestrainer war zufrieden: "Vor allem die Spieler, die erstmals dabei waren, haben das in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht. In der zweiten Hälfte haben wir nicht mehr so viel kombiniert wie vor der Pause. Ich habe immer gesagt, dass wir bei der Nationalmannschaft nicht nur 20 oder 25 Spieler brauchen, sondern einen Kreis von 30 Spielern."

Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026

Autor: um