Olympia

Saskia Bartusiak: "Wir haben immer an uns geglaubt"

19.08.2026
Saskia Bartusiak: "Ein unfassbar magischer Abend" Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Schüler / Eibner-Pressefoto

Vor zehn Jahren gelang der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Rio de Janeiro der Olympiasieg – erstmals in ihrer Geschichte. Mit dabei als Kapitänin: Saskia Bartusiak, die ihre Länderspiel-Karriere im legendären Stadion Maracana mit dem größtmöglichen Erfolg beendete. Im DFB.de-Interview spricht die heutige Assistenztrainerin der Frauen-Nationalmannschaft über den Weg ins Finale, die Stärke der Mannschaft und das perfekte Drehbuch.

DFB.de: 10 Jahre Olympiasieg. Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie daran zurückdenken?

Saskia Bartusiak: Das Finale ist natürlich für mich sehr emotional gewesen, weil ich ja wusste, es ist mein letztes Länderspiel. Das kam für mich persönlich noch mal dazu. Grundsätzlich war es für uns alle ein Riesenspiel, weil wir erstmals als deutsche Mannschaft die Möglichkeit auf Olympia-Gold hatten. Das gab es noch nie zuvor. Für uns war es das i-Tüpfelchen auf dieser Reise, die ja schon auch etwas holprig verlief. Aber das war unsere große Stärke als Team: Wir hatten immer diesen Glauben, dass wir es schaffen können. Nichts hat uns umgeworfen, nichts hat uns zweifeln lassen. Wir waren gefestigt, hatten einige sehr erfahrene Spielerinnen, aber auch einige junge dabei und insgesamt eine gute Mischung im Team. Mit einigen habe ich eine lange Reise absolviert, wir haben so viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Von daher war das alles für uns schon sehr besonders. Und für mich persönlich natürlich auch. Ich erinnere mich an viele Momente in diesem Turnier. Wir sind durch ganz Brasilien gereist, haben zahlreiche Orte gesehen, Strapazen auf uns genommen. Nichts hat uns aus der Bahn geworfen, der Teamgeist und Glaube hat uns getragen. Wir wollten unbedingt in das Olympische Dorf einziehen – um endlich auch den olympischen Spirit mit den anderen Athletinnen und Athleten aus aller Welt zu erleben.

DFB.de: Wie haben Sie die Tage im Olympischen Dorf erlebt?

Bartusiak: Dieses Ziel, ins Olympische Dorf einzuziehen, hat uns angetrieben. Gleichzeitig war einigen Älteren von uns auch klar, dass es das letzte Turnier ist oder sein kann. Viele von uns sind sehr lange einen gemeinsamen Weg gegangen. Das spielte dann auch nochmal eine Rolle. Und der Moment, als man dann endlich auch das richtige Flair von Olympia spüren konnte, war nochmal was Besonderes: Für die, die das schon mal erlebt haben und für die anderen, denen wir es nur erzählen konnten, wie das bei früheren Turnieren war. Ins Olympische Dorf einzuziehen bedeutete ja, um die Medaillen zu spielen. Damit hatten wir das maximale sportliche Ziel vor Augen. Und dass wir auch Gold holen könnten, daran haben wir alle geglaubt. Wir sind immer Schritt für Schritt weitergegangen. Und irgendwann waren wir dann im Dorf und standen im Finale. Ja, es war eine coole Reise und für mich persönlich natürlich sehr, sehr speziell, weil ich ja auch bei jedem K.o.-Spiel wusste: Wenn wir es gewinnen, geht meine Reise weiter, wenn nicht, ist meine Nationalmannschafts-Karriere sofort zu Ende.

DFB.de: Sie haben dann im Halbfinale ihr 100. Länderspiel absolviert, das kam auch noch dazu.

Bartusiak: In so einem Turnier die 100 zu schaffen und dann mit dem 101. Spiel aufzuhören – das war für mich persönlich schon etwas Besonderes.

DFB.de: Und dann kam das Finale und Ihr letztes Spiel.

Bartusiak: Ich hatte das Ende meiner Länderspiel-Laufbahn bereits im Vorfeld des Turniers dem Trainer*innen-Team mitgeteilt. Das war mir ganz wichtig. Zum Traum von der Goldmedaille kam dann noch hinzu, seine Karriere auf diese Art zu beenden. Es war aber kein Druck für mich, sondern ein ganz bewusstes Erleben von diesem letzten Turnier. Dementsprechend konnte ich das auch genießen.  

DFB.de: Nicht nur für Sie war es das letzte Turnier, sondern auch für Assistenztrainerin Ulrike Ballweg, die damalige Managerin Doris Fitschen, die leider schon verstorben ist, und natürlich auch für Bundestrainerin Silvia Neid. Bleiben wir bei Silvia Neid, die eine unfassbar erfolgreiche Karriere hingelegt hat. Sie hatten – nicht zuletzt auch als ihre Kapitänin – eine enge Bindung zu ihr. Wie bewerten Sie diese Tatsache, dass auch da eine Ära zu Ende ging – mit diesem Ausgang?

Bartusiak: In dem Moment, als wir es dann geschafft hatten, hat das natürlich vor allem auch bei den Spielerinnen etwas ausgelöst, die diesen langen Weg mit ihr gegangen sind. Ich werde die Freude in ihren Augen nie vergessen - von Silvia, Uli, Doris. Man hat es ihnen extrem gegönnt, weil wir einfach auch so viele Jahre zusammen gegangen sind und ich persönlich alle meine Länderspiele unter Silvia gemacht habe. Da ist über die Zeit schon eine sehr besondere Bindung gewachsen. Es war einfach ein unfassbar magischer Abend. In der Kabine haben wir für Silvia noch einen besonderen Abschluss organisiert, mit vielen schönen und persönlichen Momenten, anschließend auch noch im Deutschen Haus weitergefeiert. Für sie persönlich war es ein richtig perfektes Ende ihrer grandiosen Karriere. Das hätte man tatsächlich nicht schöner schreiben können.

DFB.de: Was ist bei Ihnen im Moment des Abpfiffs passiert?

Bartusiak: Das ist schwer in Worte zu fassen. Wir hatten Gold geholt. Ich wusste, okay, das war jetzt dein letztes Länderspiel. Wir gewinnen das als tolles Team. Gold im legendären Maracana. Da kam so viel zusammen. Ich habe dann Annike Krahn angeschaut, sie mich und wir wussten beide: Okay, was wir jetzt hier geleistet haben, ist enorm. Erstmals Gold für Deutschland. Sie hat ja danach auch aufgehört in der Nationalmannschaft. Es war ein besonderer, ein intensiver Moment zwischen ihr und mir, für uns alle. Es fällt alles von einem ab, wir hatten es tatsächlich geschafft. Es war hochemotional. Wir lagen uns in den Armen und Tränen sind geflossen. Es war ein schwieriger Weg, aber wir haben immer an uns geglaubt und das hat die Mannschaft ausgezeichnet.

DFB.de: Sie hätten 2028 die Chance, noch einmal bei Olympia dabei zu sein, dieses Mal als Trainerin. Was würde das noch mal bedeuten?

Bartusiak: Das ist auf jeden Fall ein Ansporn. Ich muss ehrlicherweise sagen, so ein Turnier und diese Goldmedaille, das hat einen Zauber gehabt. Wir hätten also bei dem nächsten Olympischen Turnier wieder diese Chance, so etwas noch einmal zu erreichen. Einige der aktuellen Spielerinnen haben in Paris 2024 die Bronzemedaille geholt, das war so wie bei vielen von uns damals – wir hatten Bronze, aber Gold, diesen Schritt wollten wir unbedingt noch machen. Wir haben es dann einige Jahre später geschafft und vielleicht kreieren unsere Spielerinnen ja auch ihre eigene Geschichte. Für mich persönlich wäre es natürlich etwas ganz Besonderes in dieser anderen Rolle, auch mit anderen Gefühlen und Empfindungen. Ja - das wäre doch schön, wenn wir das nochmal erleben könnten.  Aber zuerst müssen wir uns qualifizieren.

Kategorien: Olympia, Frauen-Nationalmannschaft

Autor: as