DFB-Pokal
Pokalfinale 1971 gegen Köln: Hoeneß' erster Titel mit Bayern

Wenn Uli Hoeneß heute (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) das Spiel des FC Bayern in Köln in der zweiten DFB-Pokalrunde verfolgt, vermutlich vor dem Bildschirm, dürften bei ihm Erinnerungen aufkommen. Das erste Mal vergisst man ja bekanntlich nie - und wenn der Bayern-Patron, in welcher Rolle auch immer, stolze 60 Titel mit den Münchnern gewann, so war der Pokalsieg 1971 eben gegen diesen 1. FC Köln doch speziell. Denn es war sein erster als Profi und mit seinem FCB. DFB.de blickt zurück auf das Pokalendspiel am 19. Juni 1971.
Sechsmal hat es diese Paarung im DFB-Pokal gegeben, nur einmal ist es das Finale. Am 19. Juni 1971 füllen 60.000 das Stuttgarter Neckarstadion, trotz Regens. Die ARD überträgt live, was sich erst am Spieltag herausstellt. Zum Glück kommt die Übertragung zustande, denn es entwickelt sich ein aufregendes Finale. Der 19-jährige Hoeneß, seit Sommer 1970 Teil des Münchner Starensembles, steht seit der Rückrunde in der Startformation. Die Bayern haben die Saison als Vizemeister beendet und gehen als Favorit ins Spiel, zumal sie die Kölner fünf Wochen zuvor mit 7:0 vom Platz gefegt haben. Unter dem Eindruck der Pleite hat Kölns Trainer Ernst Ocwirk gesagt: "Die Bayern sind schon Pokalsieger."
Doch im Fußball fängt jedes Spiel bei 0:0 an, und das Finale wird unerwartet spannend. Denn in der 14. Minuten schießt Bernd Rupp die Kölner in Führung, FC-Kapitän Wolfgang Overath regiert wie ein Feldherr. Der junge Bayern-Trainer Udo Lattek stellt um, zieht Franz "Bulle" Roth von ihm ab und hetzt ihm nach der Pause den nicht minder unbequemen Charly Mrosko auf den Leib. Es ist der Schlüssel für die Wende.
"Fußball in Vollendung"
Nach 52 Minuten sorgt Libero Franz Beckenbauer per Abstauber mit rechts für den Ausgleich, es geht in die Verlängerung. Seit der 72. Minute sind die Bayern dezimiert, Herward Koppenhöfer hat Rot nach einer Catcher-Einlage gegen Rainer Ohlhauser gesehen. Auch Uli Hoeneß ist seit der 87. Minute nicht mehr dabei, er ist, wie er zugibt, "nach einer engen Saison mit den Kräften am Ende" und wurde "zurecht gegen Johnny Hansen ausgewechselt".
Die zehn Verbliebenen haben noch genug Power und sind in der Verlängerung die frischere Mannschaft - und letztlich die erfolgreichere. Denn der andere Bayern-Joker sticht: Der für Roth schon zur Pause eingewechselte Edgar Schneider erzielt in der 118. Minute ein wahres Traumtor, was alle vor einem Wiederholungsspiel bewahrt und die Bayern zum fünften Mal zum DFB-Pokalsieger macht. Jungprofi Hoeneß kassiert seine erste Titelprämie - 10.000 Mark.
Als Spieler sollte es sein einziger Pokalsieg bleiben, auch das macht den Tag von Stuttgart so besonders für ihn. Allgemein zählt das Finale zu einem der besten vor der Berlin-Ära (ab 1985). "FC Bayern gewinnt Finale der Superlative", titelt etwa der Münchner Merkur, und auf der Tribüne schwelgt Alt-Bundestrainer Sepp Herberger: "Das war Fußball in Vollendung."
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