DFB-Pokal
Pokalfight gegen St. Pauli: Bayers Angst vor den Außenseitern

Eine aufwühlende Nacht auf der Bielefelder Alm verfolgt Robert Andrich noch immer. Jenes Halbfinale, in dem sich Bayer Leverkusen im Vorjahr gegen den damaligen Drittligisten geschlagen geben musste, sei "schon eine bittere, aber verdiente Nummer" gewesen, betont der Kapitän auch zehn Monate später noch. Heute Abend (ab 20.45 Uhr, live im ZDF und auf Sky) trifft Leverkusen im DFB-Pokalviertelfinale auf den FC St. Pauli und damit wieder auf einen vermeintlichen Underdog.
Die Niederlage gegen Bielefeld ist beispielhaft für einen Trend der vergangenen Jahre: Im DFB-Pokal wird die Werkself allzu oft von einer unerklärlichen Angst vor Außenseitern heimgesucht. Auch deshalb warnt Andrich vor dem Viertelfinale gegen St. Pauli, dass auf die Rheinländer "kein einfaches Spiel" zukomme.
Hjulmand: "Ich liebe diesen Wettbewerb"
Regelmäßig versagten Bayer als klarer Favorit zuletzt die Nerven - ob gegen Rot-Weiss Essen, den Karlsruher SC, die SV Elversberg oder Bielefeld. 2024 gewann Leverkusen zwar den Pokal, in fünf Jahren ließ sich die Werkself aber ansonsten viermal von einem Underdog überrumpeln. Über die Niederlage gegen Bielefeld, die Xabi Alonso noch als Trainer verantwortet hatte, habe er im Vorfeld "überhaupt nicht" gesprochen, versicherte Trainer Kasper Hjulmand.
Bayer sei "selbstbewusst" und wolle "das Ding zu Hause ziehen, sodass wir zumindest schonmal ins Halbfinale kommen", sagt Andrich vor dem Duell mit dem abstiegsbedrohten Ligakonkurrenten. Und Hjulmand unterstreicht die Titelhoffnungen der Werkself: "Meine Kinder fragen immer: Was hast du gewonnen? Es ist wichtig, etwas zu gewinnen - und hier gibt es eine Möglichkeit. Ich liebe diesen Wettbewerb."
Zumal St. Pauli in der Liga von den vergangenen 17 Spielen nur eines gewonnen hat. Vielleicht, meint aber Trainer Alexander Blessin, sei der Pokal daher eine "willkommene Ablenkung" zum Abstiegskampf. "Wir haben Gladbach rausgeschmissen, Hoffenheim rausgeschmissen - und warum soll es nicht auch in Leverkusen gelingen", fragt er.
Chance auf den dritten Halbfinaleinzug in Serie
Eine Warnung an den Favoriten, der nach einem Fehlstart ins neue Jahr zurück in die Spur gefunden hat? Bayers kleine Erfolgsserie mit drei Siegen in Serie will Andrich nicht überbewerten. Er sei "nun mal so gepolt, ich kann das nicht überspielen, wenn ich das Gefühl habe, dass das noch nicht ausreichend ist", sagt er.
Denn allzu gefestigt wirkt das Gerüst von Trainer Hjulmand trotz der guten Ergebnisse nicht. "Zwiegespalten" sei er, sagte Andrich, nachdem sein Team gegen die kriselnden Frankfurter in Überzahl noch einmal in Bedrängnis geraten war (3:1): "Wir können schon noch mal langsam einen Step nach vorne machen, wenn es brenzlig wird im Spiel."
Am besten schon im Pokalfight gegen St. Pauli, um zum dritten Mal in Serie das Halbfinale zu erreichen. Dann jedenfalls wäre das Endspiel im Berliner Olympiastadion zum Greifen nahe. "Der Ansporn ist immer da, wieder dahin zu kommen, wenn man es mal erlebt hat", sagte Andrich.
Kategorien: DFB-Pokal
Autor: sid

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