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Offiziell bester Spieler der DDR: Jürgen Croy wird 80

19.10.2026
Triumph im deutsch-deutschen Duell bei der WM 1974: Croy bejubelt den 1:0-Sieg über die BRD Foto: IMAGO

Die DDR war noch gar nicht Geschichte, da wurde in den letzten Tagen des Jahres 1989 schon mit ihr abgerechnet - auch im Fußball. Damals wurde der beste Spieler in 40 Jahren im anderen Teil Deutschlands gewählt. Und es gewann, erstaunlich genug, ein Torwart: Jürgen Croy aus Zwickau, den sie "Goldfinger" nannten. Ob er wirklich der Beste war, darüber wird es nie Einigkeit geben. Croy selbst hätte das jedenfalls nie von sich behauptet, aber stolz war der Mann, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, schon: "Ich betrachte das als eine große Auszeichnung. Gerade weil wir so tolle Fußballer hatten wie Peter Ducke, Hans-Jürgen Sparwasser oder Joachim Streich", sagte er noch Jahrzehnte später. DFB.de gratuliert zum Ehrentag. 

Croy war ein Muster von Bescheidenheit und Teamgeist, auch ein Schuss Selbstlosigkeit ließen ihn zu dem werden, der er nun immer bleiben wird: der offiziell beste Fußballer der untergegangenen DDR. Auch wenn Torhüter natürlich eine andere Spezies sind und mancher Experte behauptet, sie würden eine andere Sportart betreiben. Dabei konnte Croy auch sehr gut kicken, sagt er sogar selbst von sich: "Ich war technisch gut und konnte ein Spiel lesen. Es wäre kein Problem für mich gewesen, erster Aufbauspieler zu sein. Primär aber sollte ein Torwart seine Kiste sauber halten."

Zwickau ein Leben lang

Seinen größten Auftritt mit dem Fuß hatte er im legendären Pokalfinale 1975 gegen Dynamo Dresden, das ins Elfmeterschießen ging. Er hielt zwei Bälle und verwandelte den entscheidenden Elfmeter höchstselbst, sein Jubel ("Das war mein emotionalster Titel") wurde auf einem der ikonischsten Sportfotos der DDR-Geschichte festgehalten. Die wiederum eng mit ihm verknüpft ist. Anlässlich seines 80. Geburtstages hat er dem Kicker gesagt: "Ich habe als Sportler und familiär das Optimum herausgeholt. Ich bin zufrieden mit meinem Leben." Schauen wir noch einmal drauf:

Seine Karriere begann im Frühjahr 1959, als er in Planitz noch mit 13 Mittelstürmer gespielt hatte, "aber irgendwie drängte es mich ins Tor. Ich denke, meine Entscheidung war nicht ganz verkehrt." Die Größe (1,86m) hatte er und schließlich war er erblich belastet, schon der 1944 verstorbene Onkel Heinz war ein Spitzenkeeper in Leipzig und in Planitz, das eine Gemeinde von Zwickau ist. Sein erster Verein war mit acht Jahren die BSG Aktivist Karl Marx Zwickau. Mit 17 wurde der Sachse zur größeren BSG Motor Zwickau delegiert, war bereits Juniorennationaltorwart (16 Spiele) und gab im Jahr, als sie inoffizieller Junioreneuropameister wurden (1965), sein Oberligadebüt. Nun hieß der Verein Sachsenring Zwickau.

Die Vereinsnamen mochten sich ändern, die Stadt blieb immer die gleiche. Zwickau ein Leben lang – beruflich wie privat. Dafür steht Jürgen Croy, was deshalb besondere Erwähnung verdient, weil es gar nicht so einfach war, als Spitzensportler in der DDR sesshaft zu werden. Seit 1967 war Croy A-Nationalspieler, fünf Jahre später wurde er nach Berlin zum zentralen Deutschen Turn- und Sportbund vorgeladen. Man machte ihm klar, dass er ab der Saison 1972/73 für Dynamo Dresden zu spielen habe, ansonsten würde er zum Militär eingezogen und müsse bei irgendeinem Dorfklub in Thüringen spielen. Delegierung nannte man das im Osten, die Besten sollten auch bei den besten Klubs spielen. Croy aber weigerte sich und durfte in Zwickau bleiben, auch weil ein Produktionsleiter der Sachsenring-Werke mit Streik drohte. Das Aufsehen wollte die Staatsführung natürlich vermeiden, im "Arbeiterparadies" DDR hatte nicht gestreikt zu werden.

Zwei DDR-Pokalsiege und Olympia-Gold

Aber die Weigerung hatte ihren Preis: Croy musste endlich in die Partei, die SED, eintreten. Von den Nationalspielern hatten sich nur er und Klaus Sammer bis dahin geweigert. Es bedeutete ihm nichts, ihm lag nichts an dieser Führung, was er schon früh bewies, als er eine Mitarbeit für die Stasi kategorisch ablehnte. Mit dem Parteiausweis in der Tasche aber konnte er da bleiben wo er sich mit der Familie am wohlsten fühlte. In Zwickau! Das zahlte sich aus. Zwar wurde er mit Zwickau nie Meister, gewann aber zweimal den Pokal (1967 und 1975), 1976 kam Sachsenring nach legendären Siegen gegen AC Florenz und Celtic Glasgow bis ins Europacuphalbfinale der Pokalsieger. Auch gegen Florenz verwandelte er den entscheidenden Elfmeter. Mit zehn Einsätzen ist er vermutlich noch sehr lange Rekordspieler des heute FSV Zwickau heißenden Klubs im Europapokal.

Überhaupt, die Siebziger des DDR-Fußballs schimmerten Gold. Es war das beste Jahrzehnt der Nationalmannschaft für die Croy bis Mai 1981 spielte. 1972-1974-1976 – das war der Dreiklang des Erfolgs. Croy war immer dabei: Olympia-Bronze in München, einzige WM-Teilnahme inklusive Sieg über den "Westen", schließlich Olympia-Gold in Montreal. Von der WM-Prämie gönnte er sich einen Swimming Pool.

1972, 1976 und 1978 wurde er zum DDR-Fußballer des Jahres gewählt. Ans Aufhören dachte er lange nicht, er stand noch mit 35 im Kasten der BSG (insgesamt 372 Oberligaspiele) und der DDR (94 Länderspiele), seine Karriere verdient wirklich die häufig inflationär verwendete Bezeichnung "Ära". So stand er zum Beispiel von Herbst 1969 bis Herbst 1972 72-mal in Folge im Tor.

Die Karriere nach der Karriere

Nach Länderspielen haben ihn nur zwei deutsche Torhüter übertroffen: Manuel Neuer (128) und Sepp Maier (95), sein Pendant im damals anderen Deutschland. Ihn zumindest hätte er übertreffen und auch die 100er Marke nehmen können, doch er wollte nicht mehr und beendete 1981 die Karriere in Folge einer Mittelfußverletzung. Damals sagte er: "Hans-Ulrich Grapenthin war zuletzt der Bessere. Außerdem, mit Zehn- oder Fünfzehn-Minuten-Einsätzen die 100 zu schaffen, das hätte mich nicht befriedigt."

Er fand seine neue Befriedigung darin, seiner Stadt zu dienen. Der gelernte Elektriker schlug eine erstaunliche Karriere nach der Karriere ein. Zunächst Sportlehrer, wurde er nach der Wende 1994 parteiloser Bürgermeister seiner Heimatstadt und von 2000 bis 2010 Geschäftsführer der Kultur und Messebereiche der Stadt. Seinem aktuell viertklassigem FSV Zwickau diente er als Trainer, Vorstand und Aufsichtsrat, heute drückt er ihm im Stadion die Daumen. Die Liebe für seine Stadt und seinen Verein ist ihm geblieben in nun 80 Lebensjahren. Und dass er nie mal wo anders gewesen ist und mehr Geld verdient hat, als es endlich möglich war? Sollte man einen wie ihn besser gar nicht erst fragen. Dem Kicker sagte er schon vor fünf Jahren: "Innere Zufriedenheit ist mir wichtiger als Geld." Auch dazu kann man nur gratulieren. Aber nicht am Telefon, jedenfalls nicht heute. Das bleibt aus, der Jubilar will in Ruhe mit der Familie feiern.

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Autor: um