DFB-Pokal

Nils Petersen: "Jede Runde ist ein Endspiel"

10.02.2026
Nils Petersen: "Der Pokalwettbewerb hat mir einige der schönsten Erinnerungen beschert" Foto: IMAGO/Steinsiek.ch

Das DFB-Pokalviertelfinale geht in die nächste Runde. Am Dienstag erwartet Hertha BSC den SC Freiburg (ab 20.45 Uhr, live bei Sky), am Mittwoch muss RB Leipzig beim FC Bayern München antreten (ab 20.45 Uhr, live bei Sky und in der ARD). Der ehemalige Nationalspieler Nils Petersen hat für Freiburg und die Bayern gespielt. Im DFB.de-Interview spricht der 37-Jährige über die beiden Begegnungen, den Reiz des DFB-Pokals und seine eigenen Erlebnisse in diesem Wettbewerb.

DFB.de: Nils Petersen, mit dem SC Freiburg und dem FC Bayern stehen zwei Ihrer ehemaligen Vereine in dieser Woche im Viertelfinale des DFB-Pokals. Lassen Sie uns zunächst über das Duell der Münchner gegen RB Leipzig sprechen. Wie sehen Sie die Ausgangslage vor der Partie?

Nils Petersen: Tabellarisch ist es ein Topspiel der Bundesliga. Aber um eine Floskel zu bemühen: Der DFB-Pokal hat seine eigenen Gesetze. In einem Spiel kann immer sehr viel passieren. Obwohl man angesichts des Heimvorteils für die Bayern, ihrer Motivation nach mehreren Jahren ohne Finalteilnahme und des Kaders schon Fantasie braucht, um auf einen Leipziger Sieg zu tippen.

DFB.de: Die Bayern hatten zuletzt eine kleine Schwächephase, haben aber am Sonntag mit 5:1 gegen die TSG Hoffenheim gewonnen. Sind die Münchner Ihrer Meinung nach überhaupt zu stoppen?

Petersen: In der Bundesliga haben sie zuletzt einige Punkte liegen lassen. Aber sechs Zähler Vorsprung plus das uneinholbare Torverhältnis sind eine Menge Holz. Jetzt sprechen wir aber vom Pokalwettbewerb. Im K.o.-Modus ist alles denkbar – und auch die Bayern sind schlagbar.

DFB.de: In der Bundesliga hat Leipzig beide Aufeinandertreffen verloren. Was muss passieren, damit RB diesmal eine Chance hat?

Petersen: RB braucht das Momentum. Vielleicht eine frühe Führung, zielstrebige Konter, aufmerksame Abwehrarbeit und das nötige Glück, dass die Tormaschine des FCB an diesem Tag nicht auf Hochtouren läuft.

DFB.de: Sie selbst haben eine Saison für den FC Bayern gespielt. Wie denken Sie an diese Zeit zurück?

Petersen: Ich habe schon oft betont, dass ich dort ein Goldfisch im Haifischbecken war. Aber ich möchte diese Zeit keineswegs missen. Sie war sehr lehrreich in jeglicher Hinsicht und mir wurde in jedem Training vor Augen geführt, was ich kann und was eher weniger…

DFB.de: Im anderen Viertelfinale tritt der SC Freiburg bei Hertha BSC an. Beide haben zuletzt gewonnen. Sind die Freiburger als Bundesligist favorisiert?

Petersen: Von der Papierform natürlich. Aber Hertha hat zuletzt eine spannende Entwicklung genommen und will endlich mal ins Finale im eigenen "Wohnzimmer" Olympiastadion. Der SC ist jedoch eine sehr stabile Mannschaft. Deshalb rechne ich mit einer undankbaren Aufgabe für die Berliner.

DFB.de: Die beste Zeit Ihrer Karriere hatten Sie im Breisgau. Haben Sie daher eine besondere Beziehung zum SC Freiburg?

Petersen: Selbstverständlich. Ich war acht Jahre lang Teil der SC-Familie, zähle mich auch heute, zweieinhalb Jahre nach Karriereende, gedanklich noch immer dazu. Freiburg ist zudem mein Lebensmittelpunkt. Insofern wird diese besondere Beziehung nie enden.

DFB.de: Hertha BSC träumt - wie Sie bereits gesagt haben - vom Finale in der eigenen Stadt. Sie standen zweimal im DFB-Pokalfinale. Sie sind 2012 beim 2:5 mit dem FC Bayern gegen Borussia Dortmund nicht zum Einsatz gekommen. Wie haben Sie die Tage in Berlin erlebt?

Petersen: 2012 ist lange her, eine Woche nach dem verlorenen "Finale Dahoam" in der Champions League war das Endspiel im DFB-Pokal der dritte Vizetitel der Saison. Der Frust war entsprechend groß. Deutlich emotionaler war für mich das Endspiel mit dem SC Freiburg 2022, das bis ins Elfmeterschießen ging und wir dann von den Fans trotz Niederlage wie Sieger gefeiert wurden. Das werde ich niemals vergessen.

DFB.de: Welchen Stellenwert hatte der DFB-Pokal im Laufe Ihrer Karriere?

Petersen: Der Pokalwettbewerb hat mir einige der schönsten Erinnerungen beschert. Neben dem Finale mit Freiburg auch der erstaunliche Weg mit dem FC Energie Cottbus 2010/11 bis ins Halbfinale, unter anderem gewannen wir als Zweitligist auswärts beim amtierenden Deutschen Meister in Wolfsburg. Fast noch überraschender war die Halbfinalteilnahme mit dem FC Carl Zeiss Jena in meinem ersten Profijahr. DFB-Pokal ist immer hopp oder top, siegen oder fliegen. Jede Runde ist ein Endspiel. Das hat enormen Reiz.

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Autor: sw