Google Pixel Frauen-Bundesliga
Neuer Freiburg-Trainer Marco Konrad: "Jeden Tag besser werden"

Nur wenige Tage vor dem Trainingsstart wurde Marco Konrad als neuer Cheftrainer des SC Freiburg für die Google Pixel Frauen-Bundesliga verpflichtet. Für den 51 Jahre alten Inhaber der UEFA Pro-Lizenz ist es die erste Station im Frauenfußball. Im DFB.de-Interview spricht der ausgebildete Lehrer mit Mitarbeiter Ralf Debat über seine neue Aufgabe, ein Praktikum bei Christian Streich und seine Ziele.
DFB.de: Mal ehrlich: Wie überrascht waren Sie über das Angebot, neuer Cheftrainer der Frauen beim SC Freiburg zu werden, Herr Konrad?
Marco Konrad: Da der Anruf sehr kurzfristig kam, war ich zunächst schon sehr überrascht. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht in Deutschland. Wir haben dann aber schnell sehr offene und zielführende Gespräche geführt.
DFB.de: Sie waren zuvor noch nicht im Frauenfußball tätig. Mussten Sie lange überlegen?
Konrad: Überhaupt nicht. Kurz nach meiner Zeit als Co-Trainer bei der SpVgg Greuther Fürth hatte ich schon einmal eine Anfrage aus der Frauen-Bundesliga. Damals wollte ich aber erst einmal meine vorherige Tätigkeit reflektieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Deshalb passte es vor allem zeitlich nicht. Seitdem habe ich mich aber schon recht intensiv mit dem Thema Frauenfußball beschäftigt. Das Angebot aus Freiburg kam jetzt genau richtig. Ich wusste sofort, dass ich das gerne machen möchte.
DFB.de: Es ist auch Ihre erste Aufgabe als Cheftrainer im Profifußball. Sehen Sie den Job deshalb als große Herausforderung oder sogar Chance?
Konrad: Ja, definitiv. Beim FV Illertissen in der Regionalliga Bayern war das fußballerische Niveau zwar auch schon sehr hoch. Mit dem professionellen Setting, das der SC Freiburg für seine Frauen und Männer bietet, ist das aber nicht zu vergleichen. Dennoch sehe ich mich gut auf die Aufgabe vorbereitet. Auch in meinem vorherigen Hauptberuf als Lehrer war Menschenführung ein wichtiger Bestandteil, der mir auch immer gut lag.
DFB.de: Den Kontakt zum Verein gab es bereits seit einer Hospitation bei Christian Streich, dem langjährigen Trainer der Männer. Welche Rolle hat das bei Ihrer Verpflichtung gespielt?
Konrad: Da ich schon lange am Bodensee lebe und meine Töchter zum Studium nach Freiburg gegangen sind, war schon immer eine Nähe zum Sport-Club da. Durch das Praktikum hat sich der Kontakt noch verstärkt. Es sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Es war beeindruckend zu sehen, wie beim SC Freiburg gearbeitet wird. Jetzt selbst ein Teil davon zu sein, ist großartig.
DFB.de: Seit knapp zwei Wochen sind Sie mit dem Team im Training. Wie würden Sie Ihre ersten Eindrücke beschreiben?
Konrad: Durchweg positiv. Die Mannschaft ist hungrig und wissbegierig, alle sind sehr aufmerksam und ziehen voll mit. Dazu herrscht ein gutes Miteinander.
DFB.de: Welche Aspekte waren Ihnen in den ersten Tagen besonders wichtig?
Konrad: Es ging darum, den Spielerinnen eine gewisse Leistungskultur zu vermitteln. Schließlich ist es unsere wichtigste Aufgabe, Ergebnisse zu erzielen und Spiele zu gewinnen. Eine wesentliche Rolle spielen aber auch die persönliche Entwicklung jeder einzelnen Spielerin und die Kommunikation innerhalb des gesamten Teams.
DFB.de: Was hat Sie besonders überrascht?
Konrad: Ich bin beeindruckt, wie schnell die Mädels Vorgaben in die Tat umsetzen.
DFB.de: Müssen Sie Ihre Arbeitsweise durch den Wechsel zum Frauenfußball grundsätzlich anpassen oder stellen Sie keine Veränderungen fest?
Konrad: Das Programm auf dem Platz ist nahezu gleich. Da sehe ich keine großen Unterschiede. Die Ansprache und die Kommunikation sind sicherlich ein wenig anders. Ich habe sofort gemerkt, dass ich mich in einem viel sozialeren Umfeld bewege als im männlichen Profifußball. Der Egoismus ist deutlich geringer ausgeprägt.
DFB.de: Der SC Freiburg hatte die abgelaufene Spielzeit in der Google Pixel Frauen-Bundesliga auf Platz acht abgeschlossen. Der Abstand zu einem internationalen Platz betrug 17 Punkte, der Vorsprung zu einem Abstiegsrang sogar 18 Zähler. Wie lauten Ihre Erwartungen für die neue Saison?
Konrad: Zunächst möchte ich mir ein genaues Bild machen, wie die Qualität unseres Teams im Vergleich zur Ligakonkurrenz einzuschätzen ist. Auf jeden Fall sehe ich großes Potenzial, das wir ausschöpfen wollen. Es geht darum, möglichst jeden Tag besser zu werden. Dann stehen auch die Chancen gut, in der Tabelle besser abzuschneiden.
DFB.de: Auffällig war, dass der Sport-Club im heimischen Dreisamstadion zu den erfolgreichsten Teams der Liga gehörte, es auswärts aber deutlich schlechter lief. Wird das ein Ansatzpunkt für die neue Saison sein?
Konrad: Fühlt sich nicht jeder im eigenen "Wohnzimmer" am wohlsten? (lacht) Aber Spaß beiseite: In der Analyse der Saison war es durchaus ein Thema, dass wir auch in der Lage sein müssen, in einer fremden Umgebung möglichst konstant gute Leistungen zu bringen.
DFB.de: Einige Stammspielerinnen haben den Verein verlassen, insgesamt fällt der Umbruch aber recht moderat aus. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Kader?
Konrad: Speziell in der Offensive haben wir mit Svenja Fölmli und Leela Egli Qualitätsspielerinnen verloren. Das ist aber gleichzeitig auch eine Chance für andere Spielerinnen, den nächsten Schritt zu machen. Es ist und bleibt der Weg das SC Freiburg, den eigenen Nachwuchs zu fördern und den Talenten die Möglichkeit zu geben, sich zu etablierten Spielerinnen zu entwickeln. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das erneut hinbekommen werden. Dazu haben wir auch einige vielversprechende Zugänge verpflichtet, denen wir einiges zutrauen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir noch einmal tätig werden. Grundsätzlich sind wir aber schon gut aufgestellt.
DFB.de: Worauf kommt es Ihnen bei der Spielweise Ihres Teams besonders an?
Konrad: Es ist die DNA des Sport-Clubs, dass wir den Ball haben wollen. Das deckt sich auch mit meinen persönlichen Vorstellungen. Mir ist wichtig, dass wir in jeder Spielphase aktiv sind und Energie auf den Platz bringen. Dann sind auch Fehler erlaubt.
DFB.de: Bis zum Saisonstart bleibt noch etwas mehr als ein Monat Zeit. Was werden bis dahin die Schwerpunkte sein?
Konrad: Wir werden weiter an der Physis und Fitness arbeiten, wollen dazu vor allem das Spiel mit dem Ball kontinuierlich verbessern. Dann werden wir bestmöglich vorbereitet sein.
Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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