Google Pixel Frauen-Bundesliga

Bayer-Rückkehrerin Carolin Simon: "Gute Basis für Erfolg"

07.08.2026
Carolin Simon: "Aktuell denke ich Nullkommanull ans Aufhören" Foto: Bayer 04 Leverkusen

Nach zehn Jahren trägt die 22-malige Nationalspielerin Carolin Simon wieder das Trikot von Bayer 04 Leverkusen in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Nach zahlreichen Titeln mit dem FC Bayern München nahm die 33 Jahre alte Außenverteidigerin eine neue Herausforderung an. Im DFB.de-Interview spricht Simon mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihre Rückkehr ins Rheinland und ihre Ziele mit Bayer 04.

DFB.de: Nach zehn Jahren sind Sie zurück bei Bayer 04. Die schwierigste Frage zuerst: Was hat sich seit Ihrem Abschied nicht verändert, Frau Simon?

Carolin Simon: Puh, das ist wirklich schwierig. (lacht) Es hat sich in der Tat super viel verändert. Dennoch spüre ich eine gewisse Vertrautheit, da ich schon mal für dreieinhalb Jahre für Leverkusen gespielt habe. Sonst aber ist fast alles neu. Nur eine Physiotherapeutin, die zu unserem Staff gehört, war damals noch als Praktikantin dabei.

DFB.de: Die Entwicklung war in den zurückliegenden Jahren auch in Leverkusen rasant. Wie haben Sie das aus der Entfernung wahrgenommen?

Simon: Bayer 04 hat sich über die Jahre nicht nur in der Bundesliga etabliert, sondern nach und nach weitere Schritte nach vorne gemacht. Das Team hat zuletzt eine sehr gute Saison gespielt und war schon nah dran an den internationalen Plätzen. Zusammen haben wir jetzt das Ziel, uns weiter zu verbessern und noch erfolgreicher zu spielen.

DFB.de: Was hat letztlich den Ausschlag für den Wechsel von München ins Rheinland gegeben?

Simon: Da haben verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt. Ein wichtiger Grund war die ehrgeizige Zielsetzung des Klubs, die auch für mich eine Herausforderung darstellt. Von Beginn an waren die Gespräche super, ich fühlte mich verstanden und wertgeschätzt. Mit der Aufgabe kann ich mich voll identifizieren.

DFB.de: Mit welchen Erwartungen sind Sie vor wenigen Wochen ins Training eingestiegen?

Simon: Ich habe mir da gar keinen Druck gemacht. Mir war bewusst, dass nach sieben Jahren beim FC Bayern sehr viel Neues auf mich zukommen würde und dass alles seine Zeit benötigt. Dabei ist Geduld nicht unbedingt eine Stärke von mir. (lacht) Mein erstes Ziel war, möglichst schnell ein wichtiger Teil der Mannschaft zu werden.

DFB.de: Wie würden Sie Ihre bisherigen Eindrücke vom Team beschreiben?

Simon: Vom ersten Trainingstag an wurde ich von den Mädels super lieb und herzlich aufgenommen. Ich komme gerne in die Kabine und habe jetzt richtig Lust darauf, mit dem Team in die Saison zu starten und das Bestmögliche herauszuholen.

DFB.de: Sie sind jetzt nicht nur die erfahrenste, sondern auch die mit Abstand erfolgreichste Spielerin im Kader. Wie sehen Sie Ihre Rolle innerhalb der Mannschaft?

Simon: Es wird von mir erwartet, dass ich in einem insgesamt sehr jungen Team meine Erfahrung einbringe und vorangehe. Das ist in dieser Form neu für mich, so ehrlich muss ich sein. Ich kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, wie ich früher von erfahrenen Spielerinnen lernen und profitieren konnte. Das möchte ich jetzt auch weitergeben.

DFB.de: Wie wertvoll kann Ihre Erfahrung für das Team sein?

Simon: Ich habe selbst erlebt, wie wichtig eine gute Mischung im Kader ist. Viele Spielerinnen bei uns sind sehr jung und extrem talentiert. Es sind aber auch einige dabei, die schon länger im Verein und auch schon seit einigen Jahren Stammspielerinnen sind. Gemeinsam wollen wir daran arbeiten, die nächsten Schritte zu gehen.

DFB.de: Die Außenverteidigerpositionen waren bei Bayer 04 auch zuletzt schon gut besetzt. Wie bewerten Sie die Konkurrenzsituation?

Simon: Es ist ungemein wichtig, einen breiten Kader zu haben. Zum einen kann man besser auf mögliche Ausfälle reagieren, zum anderen sorgt ein hoher Konkurrenzkampf dafür, noch besser zu werden. Jede Position im Kader ist jetzt mindestens doppelt besetzt. Das ist schon mal eine gute Basis für sportlichen Erfolg.

DFB.de: Was trauen Sie dem Team insgesamt in dieser Saison zu?

Simon: Zunächst einmal ist wichtig, auf uns und auf unsere eigene Leistung zu schauen. Wenn es uns gelingt, unsere Qualität dauerhaft auf den Platz zu bringen, dann bin ich mir sicher, dass wir eine gute Saison spielen und auch die großen Mannschaften zumindest ärgern können. Wir wollen am Saisonende einen Tabellenplatz erreichen, der die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb bedeutet. Dafür werden wir alles geben.

DFB.de: Der Start ist mit Auswärtspartien in Leipzig, Hoffenheim und Freiburg sowie den beiden Heimspielen gegen die Spitzenklubs VfL Wolfsburg und FC Bayern München äußerst herausfordernd. Wie gefällt Ihnen das?

Simon: Richtig gut. Ich mag es sehr, sofort voll gefordert zu werden statt ein vermeintliches Selbstläuferprogramm zu absolvieren. So geht es direkt um alles.

DFB.de: Sehen Sie das Team nach aktuellem Stand bereits gut vorbereitet?

Simon: Wir haben sehr früh mit der Vorbereitung begonnen und gut gearbeitet. Dadurch sind wir körperlich schon auf einem hohen Niveau. Ich denke, das wird Früchte tragen. In der verbleibenden Zeit bis zum Auftakt geht es jetzt vor allem darum, uns als Team fußballerisch noch besser einzuspielen.

DFB.de: Ihr bisheriger Verein FC Bayern dominierte die Liga in den zurückliegenden Jahren. Wird das auch vorerst so bleiben?

Simon: Es ist kein Geheimnis, dass Bayern München aktuell das Nonplusultra im deutschen Frauenfußball ist. Das hat sich der Verein über viele Jahre erarbeitet und verdient. Fünf Meisterschaften in den zurückliegenden sechs Jahren zu gewinnen, ist bemerkenswert. In absehbarer Zeit wird es sicherlich schwierig, sie da oben wegzuholen. Das heißt aber nicht, dass nicht die eine oder andere Überraschung möglich ist.

DFB.de: Ihr erstes Bundesligaspiel liegt inzwischen mehr als 16 Jahre zurück. Wie viele Spielzeiten haben Sie noch im Tank?

Simon: Da bin ich selbst gespannt. (lacht) Gerade im Männerfußball zeigt sich gerade, dass auch im vergleichsweise hohen Alter immer noch außergewöhnliche Leistungen möglich sind. Solange es die körperliche Fitness und die Eigenmotivation zulassen, möchte ich auf jeden Fall weiterspielen. Aktuell denke ich Nullkommanull ans Aufhören.

DFB.de: Derzeit stehen Sie bei 263 Partien in der höchsten deutschen Spielklasse. Ist Ihr 300. Einsatz ein persönliches Ziel?

Simon: Grundsätzlich habe ich solche Zahlen gar nicht auf dem Schirm. Aber warum nicht? 300 Spiele wären schon eine coole Marke.

Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga

Autor: mspw