Männer-Nationalmannschaft
Neuer: "Diese Mannschaft hat eine gesunde Mischung"

Zwei Tage vor dem zweiten Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko am Samstag (ab 22 Uhr MESZ, live im ZDF und bei MagentaTV) gegen die Elfenbeinküste laufen bei der deutschen Nationalmannschaft die finalen Vorbereitungen. Torhüter Manuel Neuer spricht im Teamquartier in Winston-Salem über sein Comeback, den Kader und seine "Aura".
Manuel Neuer über ...
... sein Comeback: Grundsätzlich bin ich mit vielen Ex-Trainern im Austausch. Ich habe ein gewisses Alter, wo man ganz normal miteinander und ohne Hintergedanken kommuniziert. Ich bin aus gutem Grund 2024 zurückgetreten, nachdem wir eine tolle Heim-Europameisterschaft gespielt haben. Für mich war es die richtige Entscheidung. Das hat sich für mich zu Hause auch gut angefühlt. Die letzten zwei Jahre wären eine zu hohe Belastung für mich gewesen. Bei Bayern waren wir in allen drei Wettbewerben bis zum Schluss gut dabei. Im letzten Jahr dazu noch die Klub-WM. Ich war im Februar und März angeschlagen, hatte meine Probleme und wollte auch erst wieder reinkommen und Leistungen zeigen. Mit dem Bundestrainer habe ich mich darüber ausgetauscht, wie ich mich fühle und ob ich regelmäßig trainiere, um bei einem Turnier auch in der Lage zu sein, durchzuspielen. 2014 war ich auch vorher angeschlagen. Jetzt hatte ich mehr Zeit, mich darauf vorzubereiten.
... seine "Aura": Aura ist für mich ein Erscheinungsbild. Wenn man auf dem Platz steht, will man den eigenen Mitspielern ein vertrauensvolles Gefühl geben, die eigenen Stärken zu entwickeln. Dass man den Spielern, nonverbal, mit der Körpersprache vermittelt, dass da noch jemand ist, auf den man sich verlassen kann. Das versuche ich mit einer positiven Energie immer weiterzugeben.
... seine Natio-Pläne: Das ist mein letztes Turnier. Ich habe nicht vor, in zwei Jahren wieder bei einer EM zwischen den Pfosten zu stehen. In den letzten Tagen habe ich mich erstmals damit auseinandergesetzt, dass das meine letzten Spiele für Deutschland sein können. Das hatte ich bei der Europameisterschaft nicht im Kopf gehabt. Deshalb gab es nach dem Ausscheiden gegen Spanien kein Statement. Ich möchte mich dahingehend auch mit nichts mehr in diese Richtung beschäftigen, weil ich nach vorne schaue und mich auf alle Spiele freue und nicht an einen Abschied in einem besonderen Trikot.
... die Kaderqualitäten: Wir haben viel Erfahrung in dieser Mannschaft. Auch 2012 hatten wir eine gute Mannschaft, leider haben wir unser schlechtestes Spiel gegen Italien im Halbfinale gemacht. Da hatten wir auch alles in der Hand und hätten den Weg zu Ende gehen können. Diese Mannschaft hat eine gesunde Mischung von frechen jungen Spielern, die sehr agil sind sowie von erfahrenen Spielern, die schon viel erlebt haben und alle eine gute Saison in ihren Vereinen gespielt haben.
... die Entscheidung, zurückzukommen: Einen Zeitpunkt kann ich gar nicht benennen. Das hat sich nach dieser schwierigen Phase, in der ich verletzt war, so entwickelt. Es hatte auch mit meinen Leistungen zu tun, wie ich aus der Verletzung auf der größten Bühne im Vereinsfußball zurückgekommen bin.
... Jonas Urbig: Er hat alles in der eigenen Hand und ist auf einem sehr guten Weg. Wir kennen uns bestens aus dem Vereinstraining. Jonas ist eine Bereicherung für uns als Mannschaft. Er trainiert auf höchstem Level und gibt Gas, auch hinsichtlich seiner Zukunft. Es ist auch für ihn wichtig, Turnierluft zu schnuppern, die Abläufe kennenzulernen und unser Team zu unterstützen. Ich sehe ihn nicht als Trainingstorwart, sondern als kompletten Bestandteil unserer Mannschaft. So wirkt es jeden Tag auf dem Platz. Er ist eine absolute Bereicherung für die Mannschaft. Aber ich muss auch zu meinen anderen Kollegen sagen, dass sie in ihrem Verein eine super Saison gespielt haben. Dass Oli eine hervorragende Qualifikation gespielt hat und ich großen Respekt habe vor allen Torhütern, die hier mit dabei sind. Wir gehen sehr gut miteinander um und nutzen jeden Tag, um uns besser zu machen.
... seine Fitness: Der Schlaf und die Ernährung ist wichtig. Man muss alle drei, vier Tage auf dem Peak fit sein und alles dafür tun. Aufgrund der Erfahrung, die ich in Sachen Regeneration für meinen Körper habe, weiß ich immer, was zu tun ist. Diese Erfahrung hatte ich mit 24 noch nicht. Dementsprechend kann man das ganze System für einen auch so aufstellen, dass es für einen passt.
... die Fanbus-Aktion der Mannschaft: Wir laden 600 Fans für den Transfer zu den Spielen ein. Das ist eine gute Aktion, die sich der Mannschaftsrat überlegt hat, um die Fans mitzunehmen. Uns ist wichtig, diesen Support hier in den drei Ländern bei dem Turnier zu bekommen. Es ist ein teures Turnier für die Fans, die uns unterstützen und dabei sein wollen. Ich glaube, das ist ein tolles Geschenk, eine nette Geste aus unserer Tasche.
... die mögliche vorzeitige Qualifikation für die K.O.-Runde: Das ist unser Ziel, wir haben alles in der eigenen Hand. Wir hatten einen guten Start und wollen gar nicht auf die letzten Turniere zurückblicken. Die Mannschaft beschäftigt sich damit auch überhaupt nicht, sondern mit dem nächsten Schritt. Und der nächste Schritt heißt für uns Elfenbeinküste. In Toronto wird eine sehr starke Mannschaft auf uns treffen, wir sind aber wirklich gut vorbereitet. Wir wissen, was uns erwartet und ich glaube, die Elfenbeinküste weiß auch, was sie erwartet. Nach dem zweiten Spiel wäre es etwas Besonderes für uns, qualifiziert zu sein. Dann kann man weiter nach vorne schauen. Es wird ja schon viel über Frankreich geredet, aber das wollen wir nicht. Wir wollen einfach nur auf das nächste Spiel schauen.
... Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck: Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei den beiden. Beide haben eine hervorragende Runde gespielt. Jona hatte ich die ganze Saison vor mir und ich habe ihm auch nach der Saison gesagt, was für eine weltklasse Saison er gespielt hat. Wenn du im ersten Jahr für Bayern München spielst, ist es etwas Besonderes, so eine Runde zu spielen. Das Glück hatte ich leider in meiner ersten Saison für Bayern München nicht, weil wir da titellos geblieben sind. Die beiden haben jeweils für Dortmund und Bayern wirklich gezeigt, was sie drauf haben und ich fühle mich sehr wohl.
... die WM-Chancen: Ich traue der Mannschaft den Titel auf jeden Fall zu, sonst wäre ich nicht hier. Es ist für mich ein absolutes Geschenk, nochmal dabei zu sein. Für mich wäre es natürlich etwas Besonderes, ein zweites Mal Weltmeister zu werden. Wenn ich diese Chance nicht sehen würde, dann würde ich jetzt nicht hier sitzen.
... das Spiel gegen die Elfenbeinküste: Wichtig wird sein, dass wir eine gute Positionierung im Ballbesitz haben, dass wir die Flüchtigkeitsfehler abstellen und in der Restverteidigung die richtige Höhe haben. Wir kennen die Spieler von der Elfenbeinküste, sie haben alle Speed, gerade in der Offensivreihe. Da geht es darum, nie abzuschalten, immer hellwach zu sein und dann mit und ohne Ball schnell umzuschalten.
... die deutsche Team-DNA: Bei diesem Turnier, bei den Bedingungen, die ähnlich wie die in Brasilien sind, geht es um den Extra-Meter. Die Power und die Energie haben wir in unserer Truppe. Deshalb ist es auch sehr ausgewogen bei uns aus junger Dynamik und einer gewissen Erfahrung mit dem richtigen Stellungsspiel. Wenn man bis zum Schluss durchziehen kann, das Tempo und die Intensität hochhalten kann, dann hat man eine riesen Chance, hier was Großes zu erreichen. Das haben wir in unserer Mannschaft und ich hoffe, dass wir das auch auf dem Platz zeigen können.
... die jüngeren Mitspieler: Ich rede gerne mit jüngeren Spielern, die neu dazukommen. Jetzt bin ich gefühlt wieder neu dazugekommen und kannte einige noch nicht, aber im Grunde genommen sind wir da total offen.
... Oliver Baumann: Wir arbeiten tagtäglich zusammen und haben ein sehr gutes Verhältnis. Gerade auf dem Platz muss man sich gegenseitig unterstützen. Nachdem wir in Herzogenaurach angekommen waren, haben wir lange miteinander über die ganze Entwicklung und wie es dazu gekommen ist, gesprochen und hatten wirklich offene Worte gefunden. Oli hat es in der Qualifikation zum Turnier herausragend gemacht und wir wissen, dass wir sehr gute Torhüter dabei haben und uns immer darauf verlassen können, dass jemand hinten steht, der der Mannschaft hilft.
... seine körperliche Verfassung: In den letzten Tagen vor dem Spiel gegen Curacao habe ich mich gut gefühlt und für mich war klar, dass es auch durchgängig so bleiben wird. Das ist ganz normal vor einem Turnier, dass sowas kommen kann. Gerade bei mir ist es oft der Fall gewesen, dass ich vor Turnieren noch nicht ganz da gewesen bin. Das hat auch schon zu Erfolgen geführt und das könnte auch ein gutes Omen sein.
... die Arbeitsweise in der Nationalmannschaft: Jeder entwickelt sich weiter und auch Julian hat das gemacht. Er war sehr fokussiert, hat sich immer auf das jeweilige Spiel konzentriert, ist klar in seinen Aussagen und in dem, was er von der Mannschaft will. Es gibt wenige Rückfragen aus der Mannschaft, weil er schon eine gewisse Zeit mit den Spielern zusammenarbeitet. Wir wissen von der Linie, wenn er in seiner Trainerbox steht. Dass er ein sehr emotionaler Trainer ist. Aber das gehört dazu, weil er mit dem Herzen dabei ist. Die Analyse, die Besprechungen sind so klar für uns, dass wir zielstrebig in die Partien gehen können. Und das ist für mich ein gutes Zeichen.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: dfb

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