Google Pixel Frauen-Bundesliga
Neue TSG-Trainerin Virsinger: "Ich mag Herausforderungen"

Keine zwei Wochen nach ihrem 31. Geburtstag wird Eva-Maria Virsinger in der Google Pixel Frauen-Bundesliga erstmals als neue Cheftrainerin der TSG Hoffenheim an der Seitenlinie stehen. Am Sonntag (ab 15.15 Uhr, live bei SPORT1, MagentaSport und DAZN) geht es zum Jahresauftakt zu Eintracht Frankfurt. Im DFB.de-Interview spricht die langjährige Co-Trainerin des VfL Wolfsburg über ihre neue Aufgabe.
DFB.de: Mit welchen Gefühlen blicken Sie Ihrer Premiere als Cheftrainerin am Sonntag in Frankfurt entgegen, Frau Virsinger?
Eva-Maria Virsinger: In erster Linie ist eine riesige Vorfreude zu spüren, dass es jetzt losgeht. Wir wissen um die Qualitäten des Gegners, haben in dieser Saison aber schon in den beiden Partien in der Liga und im DFB-Pokal gezeigt, dass wir in der Lage sind, viele Tore gegen die Eintracht zu erzielen. Jetzt geht es darum, die Defensive zu stabilisieren.
DFB.de: Ist es Ihnen ganz recht, dass es gleich zum Auftakt zu einem Topspiel gegen einen direkten Konkurrenten um die internationalen Plätze kommt?
Virsinger: Ich mag Herausforderungen. Man kann sie meistern und auch daran wachsen. Nach dem Spiel werden wir auf jeden Fall wissen, wo wir stehen.
DFB.de: In den vier zurückliegenden Spielzeiten belegte die Eintracht jeweils Platz drei. Diesmal ist die Konkurrenz deutlich größer. Wie bewerten Sie die Ausgangslage?
Virsinger: Es ist eine super spannende Konstellation. Hinter dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg können sich bis zu sechs Teams Chancen auf Platz drei ausrechnen. Wer am Ende das Rennen machen kann, wird sich erst im Laufe der Rückserie herauskristallisieren. Wir sollten aber nicht auf andere schauen, sondern uns auf unsere eigene Leistung fokussieren. Wir wollen weiter gut performen, uns aber auch ständig weiterentwickeln. Wenn das gelingt, dann werden wir uns auch im oberen Tabellenbereich etablieren.
DFB.de: Wie gut ist Ihr Team nach der Winter-Vorbereitung mit dem Trainingslager auf Malta für den Ligastart gerüstet?
Virsinger: Es war eine sehr intensive Phase, in der wir hart gearbeitet, aber auch viel miteinander gesprochen haben. Es war sehr spannend, die Spielerinnen immer besser kennenzulernen. Dafür war der Aufenthalt auf Malta natürlich besonders geeignet. Das Fundament ist sehr gut, ich werde aber auch eigene Impulse einbringen.
DFB.de: Nach der Rückkehr gelang im abschließenden Testspiel ein 4:0 beim Ligakonkurrenten SC Freiburg. Was sagt dieses Ergebnis aus?
Virsinger: Ich war mit dem Ergebnis vor allem deshalb zufrieden, weil wir einige Schritte nach vorne gemacht und unser Tor sehr gut verteidigt haben. Auch wenn wir in der einen oder anderen Szene ein wenig Glück auf unserer Seite hatten, war es sehr erfreulich, dass wir die Null gehalten haben. Offensiv hätten wir uns noch die eine oder andere Chance mehr erspielen können. So haben wir auch einiges gesehen, woran wir noch arbeiten können.
DFB.de: Nationalspielerin Selina Cerci, die mit zehn Treffern die Torjägerinnenliste gemeinsam mit Alexandra Popp anführt, traf bei der Generalprobe doppelt. Wie viele Tore trauen Sie Ihr für die Rückrunde zu und wie genau sehen Sie Ihre Rolle im Team?
Virsinger: Selina ist natürlich nicht nur wegen ihrer Tore eine sehr wichtige Spielerin für uns. Vor allem die jüngeren Spielerinnen können sich an ihr orientieren. Von daher messen wir sie ganz sicher nicht nur an der Trefferausbeute. Ich möchte deshalb auch keine Toranzahl nennen, bin mir aber sicher, dass noch einiges möglich ist.
DFB.de: Wie schwer wiegt der Abgang ihrer Sturmpartnerin Melissa Kössler, die in die USA gewechselt ist?
Virsinger: Mille war für das Team nicht nur wegen ihrer sportlichen Qualitäten, sondern auch wegen ihres Charakters wichtig. Es war aber ihr Traum, noch einmal in den USA zu spielen. Es gehört zum TSG-Weg, Spielerinnen zu entwickeln, ihnen aber auch die Chance zu geben, den nächsten Schritt zu machen. Ein Abschied sorgt auch immer für die Möglichkeit, dass andere Spielerinnen diesen Raum für sich nutzen.
DFB.de: Seit 2021 waren Sie Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg. Warum haben Sie sich für das Engagement bei der TSG Hoffenheim entschieden?
Virsinger: Die TSG ist ein sehr familiärer Verein. Man spürt, dass alle an einem Strang ziehen. Das gefällt mir. In den Gesprächen bin ich auch schnell zu der Überzeugung gekommen, dass es gut passen könnte. Wieder deutlich näher an meiner Heimat zu sein, ist ebenfalls ein schönes Gefühl.
DFB.de: Hat Ihnen VfL-Trainer Stephan Lerch, der zwischenzeitlich einige Jahre auch bei der TSG Hoffenheim tätig war, zu dem Wechsel geraten?
Virsinger: Als die Anfrage aus Hoffenheim kam, habe ich den Verein sofort mit ins Boot geholt und auch mit Stephan darüber gesprochen. Die Entscheidung habe ich letztlich aber alleine getroffen. Ebenso wie viele Spielerinnen hat mir auch Stephan viel Erfolg und Spaß gewünscht.
DFB.de: Sie haben vor wenigen Wochen die Ausbildung zur Pro Lizenz abgeschlossen. War es für Sie daher einfach an der Zeit, die Rolle als Cheftrainerin zu übernehmen?
Virsinger: Nicht zwangsläufig. Es hat sich aber aus den Gesprächen einfach ergeben, dass die Aufgabe bei der TSG für mich der nächste logische Schritt sein kann.
DFB.de: Mussten Sie sich zu Beginn sehr stark umstellen?
Virsinger: Da ich in Wolfsburg schon viel Verantwortung übernehmen durfte, beispielsweise auch bei Ansprachen an die Mannschaft, war es keine so große Umstellung. Ich bin also vor Spielen nicht plötzlich aufgeregt. Gewöhnen muss ich mich allerdings daran, dass die mediale Aufmerksamkeit als Cheftrainerin größer ist.
DFB.de: Wie würden Sie sich als Trainerinnentyp beschreiben?
Virsinger: Ich bin leidenschaftlich und authentisch, dazu sehr kommunikativ. Eine gewisse Klarheit gehört aber auch dazu. Sportlich bin ich nicht auf ein bestimmtes System festgelegt, sondern möchte mich dem Team die beste Lösung erarbeiten. Auf jeden Fall wollen wir auf dem Platz mutig und aktiv sein.
DFB.de: Was ist Ihnen bei der Zusammenarbeit mit der Mannschaft besonders wichtig?
Virsinger: Bei allen taktischen Vorgaben, die wir im Vorfeld der Partien besprechen, lege ich vor allem viel Wert darauf, dass die Spielerinnen die Entscheiderinnen auf dem Platz sind. Es geht immer darum, eine gute Balance zu finden.
DFB.de: Sie sind die sechste Cheftrainerin in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Noch vor etwas mehr als einem Jahr gab es nur eine. Ist das aus Ihrer Sicht ein nachhaltiger Trend?
Virsinger: Es ist definitiv eine positive Entwicklung. Man merkt, dass Maßnahmen, die unter anderem vom DFB und von der UEFA umgesetzt wurden, Wirkung zeigen. Entscheidend sollte aber immer die Kompetenz, nicht das Geschlecht sein.
DFB.de: Können Sie sich umgekehrt auch vorstellen, Männerteams zu trainieren?
Virsinger: Während des Pro-Lizenz-Lehrgangs war ich mit vielen männlichen Kollegen im Austausch, durfte beispielsweise auch bei Sebastian Hoeneß beim VfB Stuttgart hospitieren. Das war schon eine besondere Erfahrung. Ich würde daher auch niemals nie sagen. Jetzt aber habe ich gerade meine neue Aufgabe in Hoffenheim begonnen, fühle mich dabei sehr wohl und werde alles tun, um dem Vertrauen bestmöglich gerecht zu werden.
DFB.de: Worauf freuen Sie sich im weiteren Saisonverlauf am meisten?
Virsinger: Zunächst steht das Auftaktspiel in Frankfurt klar im Fokus. Insgesamt freue ich mich auf die Entwicklung des Teams und den Prozess, den ich dabei moderieren darf. Wir wollen unsere Art und Weise, Fußball zu spielen, auf den Platz bringen und dazu eine noch größere Konstanz entwickeln. Wenn uns das gelingt, sind wir auf einem guten Weg.
DFB.de: Ist das Duell mit Ihrem langjährigen Verein VfL Wolfsburg im Kalender rot angestrichen?
Virsinger: Wegen des Wiedersehens mit vielen vertrauten Menschen wird es emotional ganz sicher ein besonderes Spiel werden. Sportlich allerdings können wir - da bemühe ich mal eine Floskel - auch gegen Wolfsburg nur drei Punkte holen. Außerdem ist es bis Ende März noch ein wenig Zeit. Bis dahin warten genügend interessante Aufgaben.
Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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