Google Pixel Frauen-Bundesliga

Neue SGS-Trainerin Heleen Jaques: "Es hat sofort gut gepasst"

08.01.2026
Will mit der SGS Essen die Klasse halten: die neue Cheftrainerin Heleen Jaques Foto: SGS Essen/Markus Lucassen

Für die Nationalmannschaft von Belgien bestritt Heleen Jaques 97 Länderspiele. Auch ihre Trainerinnenkarriere startete die 37-Jährige im Heimatland, arbeitete für den Verband sowie Club Brügge und KAA Gent. Jetzt soll die Ex-Abwehrspielerin die SGS Essen zum Verbleib in der Google Pixel Frauen-Bundesliga führen. Im DFB.de-Interview spricht Jaques mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihren neuen Job.

DFB.de: Sind Sie bereits nach wenigen Tagen gut in Essen angekommen, Frau Jaques?

Heleen Jaques: Auf jeden Fall. Unser Umzug ist bereits erfolgt, so dass ich mich direkt heimisch gefühlt habe. Die ersten Trainingstage waren wegen der winterlichen Witterung ein wenig schwierig. Aber wir machen das Beste daraus und haben viel Spaß.

DFB.de: Wie kam es zu Ihrem ersten Trainer-Engagement in Deutschland?

Jaques: Als ich erfahren habe, dass die SGS Essen eine neue Cheftrainerin oder einen neuen Cheftrainer sucht, habe ich per E-Mail meine Hilfe angeboten. Darüber sind wir ins Gespräch gekommen. Beim Austausch mit Geschäftsführer Florian Zeutschler habe ich schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind.

DFB.de: Mussten Sie lange überlegen, als Sie das Angebot bekommen haben?

Jaques: In den Gesprächen hatte ich von Beginn an ein gutes Gefühl. Das ist mir sehr wichtig. Auch mit Jessica Wissmann, die das Team in den zurückliegenden Monaten gecoacht hat und die auch im Trainerteam bleiben wird, hat es sofort gut gepasst. Ich habe mir dann im Stadion an der Hafenstraße den wichtigen Sieg im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg live angeschaut. Das alles hat mir gut gefallen und stimmt mich zuversichtlich, dass wir gut zusammenarbeiten werden.

DFB.de: Mit welcher Zielsetzung sind Sie zur SGS Essen gewechselt?

Jaques: Klare Priorität hat der Klassenverbleib, der für den Verein sehr wichtig ist. Insgesamt wollen wir uns täglich verbessern und weiterentwickeln, um Schritte nach vorne zu machen.

DFB.de: Wie würden Sie Ihre ersten Eindrücke vom Team beschreiben?

Jaques: Die Spielerinnen bringen alle eine gute Mentalität mit. Alle haben während der kurzen Trainingspause ihre Läufe gemacht und sind bereit, hart zu arbeiten. Das sind schon mal gute Voraussetzungen, um auch auf dem Platz Leistung zu bringen.

DFB.de: Worauf werden Sie während der Vorbereitung auf den Ligastart Ihren Fokus richten?

Jaques: Die Zeit bis zum ersten Meisterschaftsspiel ist mit weniger als drei Wochen sehr kurz. Dazu kommen, wie schon angedeutet, die nicht einfachen Platzverhältnisse. Umso mehr werden wir darauf achten, den Teamgeist weiter zu fördern und uns körperlich in die bestmögliche Verfassung zu bringen. Wer zu 100 Prozent fit ist, kann auch auf dem Spielfeld über 90 Minuten malochen.

DFB.de: Als Spielerin waren Sie für den Herforder SV und den 1. FFC Turbine Potsdam selbst in der Google Pixel Frauen-Bundesliga am Ball. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Phase in Ihrer Karriere?

Jaques: Es waren schöne und wertvolle Erfahrungen für mich. Herford war ein kleiner familiärer Verein, der versucht hat, mit seinen Möglichkeiten in der höchsten Spielklasse mitzuhalten. Das sportliche Niveau war nicht so hoch wie nachher bei Turbine Potsdam, die damals Deutscher Meister waren und kurz zuvor sogar noch die Champions League gewonnen hatten.

DFB.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung der Spielklasse?

Jaques: Die Rahmenbedingungen für den Fußball der Frauen haben sich seitdem deutlich verbessert. Früher war es keineswegs selbstverständlich, über einen eigenen Trainingsplatz verfügen zu können. In Potsdam hatten wir damals schon ein sehr treues und begeisterungsfähiges Publikum. Inzwischen hat sich mit den vielen großen Stadien aber noch einiges in die richtige Richtung bewegt. Wir alle hoffen, dass es so weitergeht.

DFB.de: Noch vor zwei Jahren wurde kein Team von einer Frau trainiert, inzwischen sind sechs weibliche Cheftrainerinnen in der höchsten Spielklasse tätig. Wie sehr freut Sie das?

Jaques: Das ist eine gute Sache, wenn mehr Frauen als Trainerinnen arbeiten möchten und dann auch ihre Chance bekommen. Noch vor wenigen Jahren war es nicht so einfach, sich auf den Fußball konzentrieren und dann auch davon leben zu können. Auch das ist ein wichtiger Schritt, um unseren Sport voranzubringen.

DFB.de: Rechnen Sie damit, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzt?

Jaques: Ich denke schon. Je mehr Vorbilder es in der Bundesliga gibt, umso mehr Frauen und Mädchen werden sich auch für einen solchen Job interessieren.

DFB.de: Die SGS Essen spielt seit mehr als 20 Jahren in der Bundesliga, ist dort aktuell der einzige Frauenfußballverein ohne Profiabteilung der Männer. Wie wichtig wäre der Klassenverbleib auch vor diesem Hintergrund?

Jaques: In der kurzen Zeit hier habe ich schon viele Menschen kennengelernt, die sich mit Herzblut für den Verein engagieren und alles dafür geben, die SGS auf diesem Niveau zu halten und sich noch zu steigern. Gerade für diese Leute wollen wir beweisen, dass wir auch als eigenständiger Frauenfußballverein auf höchstem Niveau bestehen können.

DFB.de: Gleich zum Auftakt nach der Winterpause steht am 25. Januar das wichtige Duell beim direkten Konkurrenten Hamburger SV auf dem Programm. Welche Bedeutung hat diese Partie für den weiteren Saisonverlauf?

Jaques: In diesem Spiel wird sicherlich keine Entscheidung über den Klassenverbleib fallen. Aber wir haben die Chance, direkt einen großen Schritt zu machen. Wir wollen sofort zeigen, was wir können und so unsere Ausgangsposition weiter verbessern.

Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga

Autor: mspw