Männer-Nationalmannschaft
Nagelsmann: "Wir haben an der Mutschraube gedreht"

Die deutsche Nationalmannschaft steht nach dem 7:1 zum Auftakt gegen Curacao und dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste im Sechzehntelfinale der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Im Interview auf DFB.de spricht Bundestrainer Julian Nagelsmann über das letzte Gruppenspiel am Donnerstag gegen Ecuador, den weiteren Turnierverlauf und den Gesundheitszustand von Nico Schlotterbeck.
Frage: Julian Nagelsmann, wie haben Sie den zweiten Sieg bei dieser WM und den Einzug in die K.o.-Phase erlebt?
Julian Nagelsmann: Wir haben super viel investiert. Die Spieler, die reinkamen, haben das Spiel entschieden. Beim Gegentor attackieren wir zu spät und haben nicht bis zum Schluss verteidigt. Das passiert. Wir haben an der Mutschraube gedreht. Die Jungs haben das Risiko genommen, weil sie das Spiel gewinnen wollten. Das ist top. Ich bin superglücklich für die Truppe.
Frage: Was kann so ein emotionaler Sieg mit der Mannschaft machen?
Nagelsmann: Tabellarisch zählt jeder Sieg gleich viel. Aber so emotionale Siege sind vielleicht wichtiger als einfache. Das tut gut, alle spüren die Wertigkeit. Nach dem Siegtreffer lag die ganze Mannschaft im Eck, das ist ein cooles Zeichen. Das kann schon Kräfte freisetzen. Ich hoffe, dass noch einige emotionale Siege dazukommen.
Frage: Matchwinner war Deniz Undav nach seiner Einwechslung. Muss er jetzt von Beginn an spielen?
Nagelsmann: Man kann immer alles diskutieren. Es gibt verschiedene Ansätze. Warum sollte ich seinen Flow jetzt brechen? Er ist ist superschlau in der Bewegung. Vor dem zweiten Tor hatte er einen Sensationskontakt. Viel besser kann er seine Rolle nicht ausfüllen. Man kann aber auch sagen, er soll von Beginn an spielen. Wir werden beides diskutieren, auch mit Deniz. Tief im Herzen ist er zufrieden, wie es gerade läuft.
Frage: Sie haben sehr früh viel gewechselt. Was haben Sie sich davon erhofft?
Nagelsmann: In den zehn Minuten nach der Pause hat uns die Power gefehlt. Ich bin ein Riesenfreund von Auswechslungen, frische Spieler können das Spiel entscheiden. Dass wir Deniz bringen, war klar. Nadiem Amiri braucht nicht lange, um auf ein Emotionslevel zu kommen. Seine Flanke vor dem Ausgleich war herausragend gut. Alle, die reinkamen, haben es gut gemacht und ihren Teil beigetragen.
Frage: Nico Schlotterbeck musste zur Pause ausgewechselt werden. Wie geht es ihm?
Nagelsmann: Er hat eine Innenbandverletzung im Sprunggelenk. Da müssen wir die Bildgebung abwarten, es sah nicht so gut aus - leider. Es war aller Ehren wert, dass er bis zur Pause durchgehalten hat. Er hat sich für die Mannschaft zerrissen.
Frage: Sie stehen schon in der K.o.-Runde. Ist im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador Schonung angesagt - und haben Sie auch schon den möglichen Weg im weiteren Turnierverlauf im Blick?
Nagelsmann: Die anderen Gruppen können wir nicht beeinflussen. Taktieren ist im Fußball super schwer. Früher oder später kommen starke Mannschaften auf uns zu. Wir werden im Trainerteam und mit Rudi Völler (Sportdirektor; Anm. d. Red.) diskutieren, was wir aufgrund der Belastung anpassen. Wir müssen aber auch für die nächsten Aufgaben im Rhythmus bleiben. Es wird wohl ein Mix werden.
Frage: Bis zum nächsten Spiel ist ein Tag weniger Pause. Halten Sie trotzdem an Ihren Abläufen inklusive Familienbesuch fest?
Nagelsmann: Wir halten daran fest. Das gibt den Jungs und uns allen Kraft, wenn wir die Familien sehen. Wir lassen deswegen ja kein Training ausfallen. Wir behalten unseren Rhythmus bei. Am Montag ist für die Spieler frei, für uns Trainer nicht. Wir müssen uns auf Ecuador vorbereiten.
Frage: Wie haben Sie die Stimmung mit den vielen deutschen Fans im Stadion erlebt?
Nagelsmann: Sensationell. Schon beim Blick aus dem Hotelzimmer habe ich viele deutsche Trikots gesehen. Ein Fanmarsch ist immer besonders. Wir wissen, was es heißt, hier ein Ticket zu kaufen und aus Deutschland anzureisen. Die Synergie, die daraus entstehen kann, ist super wichtig. Das gibt eine brutale Power und Energie.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: sid

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