Männer-Nationalmannschaft

Kapitän Kimmich: "Wir müssen die Spannung halten"

16.06.2026
Joshua Kimmich: "Wir haben viele junge Spieler und ich habe das Vertrauen in sie, dass sie auch in zwei, drei Jahren noch dabei sind" Foto: GES/Markus Gilliar

Nach dem überzeugenden 7:1 (3:1) gegen Curacao zum Start der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko richtet sich der Fokus der deutschen Nationalmannschaft nun auf das zweite Gruppenspiel am Samstag (ab 22 Uhr MESZ, live im ZDF und bei MagentaTV) gegen die Elfenbeinküste. Mannschaftskapitän Joshua Kimmich spricht in der Pressekonferenz im Medienzentrum in Winston-Salem über den nächsten Gruppengegner Elfenbeinküste, die Stimmung im Team und die Leistung gegen Curacao.

Joshua Kimmich über ...

... das Auftaktspiel gegen Curacao: Es war ein überzeugender Sieg. Wir hatten fünf Minuten, in denen wir gestruggelt haben. Wir haben sehr wenig zugelassen und hätten auch noch mehr Tore machen können. Wir haben es bei den ersten Spielen anderer Teams gesehen, dass es nicht selbstverständlich ist, gegen schwächere Gegner zu gewinnen.

... Nathaniel Browns Geburtstag: Noch haben wir nicht gesungen, ich weiß noch gar nicht, ob er wach ist. Er ist generell sehr ruhig und zurückhaltend. Auf dem Platz ist er dann sehr mutig und bringt seine Qualitäten ein. Ich bin froh, dass wir ihn hier dabei haben. Er hat ein super Spiel gemacht, ein Tor und eine Vorlage, so kann man mal  in eine WM starten.

... Yan Diomande (Elfenbeinküste): Er hat eine brutale Entwicklung genommen. Vor einem Jahr hat ihm kaum jemand gekannt. Er hat eine überragende Saison gespielt in einem Team, in dem es nicht immer nur bergauf ging, aber er hat immer konstant gut gespielt und spektakuläre Leistungen gebracht. Sein Dribbling ist schon außergewöhnlich, er hat ein krasses Tempo. Es gibt aber auch noch andere Spieler, die sie haben, dementsprechend müssen wir uns gut vorbereiten.

... die Gegner Elfenbeinküste und Ecuador: Wir haben das Spiel tatsächlich nicht gesehen, weil wir im Flieger waren. Die Elfenbeinküste ist physisch stark und kommt mit den Bedingungen gut klar. Ecuador verteidigt extrem gut. Die Elfenbeinküste hat spektakuläre Spieler in der Offensive und kann gut umschalten. Es werden zwei schwere Spiele.

... Felix Nmecha: Er ist einer der talentiertesten Spieler, die wir haben. Er ist schnell, robust und technisch auch für seine Größe überragend. Sein Tor war außergewöhnlich, der Abschluss war top. Und auch darüber hinaus hatte er viele auffällige Szenen.

... die Einschätzung des eigenen Niveaus: Wir haben jetzt erst das erste Spiel gemacht, gegen einen Gegner, der sicherlich nicht Weltklasse-Niveau hat. Es werden jetzt ein paar Umstellungen auf uns zukommen, bei denen man eher erkennen kann, wo wir stehen. Ich glaube schon, dass wir sehr große Qualitäten haben und großen Mannschaften wehtun zu können. Natürlich müssen wir an unserer Stabilität arbeiten – wir bekommen zu viele Gegentore, gegen die großen Teams darf uns das nicht passieren.

... die Stimmung in der Mannschaft: Man bewertet die Stimmung immer positiv, wenn man ein Spiel gewinnt. Zum Glück haben wir das erste Spiel gewonnen, da ist die Stimmung gut. Aber ich habe sie auch schon vor dem ersten Spiel positiv bewertet. Es ist nicht jeden Tag Friede, Freude, Eierkuchen, aber es ist wichtig, dass wir uns alle gut verstehen, um an dem Ziel zu arbeiten. Im Moment funktioniert das alles sehr gut. Wir haben zehn Spiele in Folge gewonnen und ich habe das Gefühl, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

... die Fähigkeit, die Spannung hochzuhalten: Wir hatten jetzt einen freien Tag und haben danach wieder hart trainiert. Wir haben viel Elf gegen Elf gespielt, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen. Gerade die Spieler, die nicht gespielt haben, haben gestern ein sehr gutes Training gemacht. Wir müssen die Spannung halten und das passiert im besten Fall durch ein gutes Training, in dem wir an den Dingen arbeiten, die wir verbessern möchten, und unsere Stärken noch besser machen.

... Julian Nagelsmann: Generell ist es schon etwas anderes, Vereinstrainer und Bundestrainer zu sein. Ich finde, man sieht, dass er jetzt seinen Weg gefunden hat. Er ist sehr klar in der Kommunikation. Er spricht die Dinge offen und ehrlich an – im Einzelgespräch und auch im Gespräch mit der Mannschaft. Die Entwicklung merkt man einfach. Ich fand es generell nach der Euro noch mal eine echte gute Phase, auch in der Nations League – in dieser Zeit ist er sich selber treu geblieben und hat die Nerven behalten. Das macht er einfach gut und deshalb folgen ihm die Spieler.

... den bisherigen Turnierverlauf: Insgesamt merkt man schon, dass es immer schwieriger wird, Spiele zu gewinnen, weil auch die vermeintlich kleinen Mannschaften besser werden – spielerisch und taktisch. Curacao wollte viel Fußball spielen. Bei Haiti gegen Schottland hat man auch gesehen, dass Haiti Fußball spielen wollte und gute Chancen hatte. Es wird ausgeglichener. Und ein 7:1 von uns ist nicht selbstverständlich. Es bedarf viel guter Arbeit, um sieben Tore zu schießen.

... Leroy Sané: Ich habe die Kritik mitgekriegt und finde sie nicht so verständlich. Ich fand ihn extrem engagiert – vor allem sein Umschaltverhalten. Er ist immer zurückgekommen und hat mich nie alleine gelassen. Natürlich hat er kein Tor gemacht, daran wird man von außen immer bewertet. Aber wenn ich Leroys Körpersprache gesehen habe – was ihm ja auch mal vorgeworfen wird – war das echt positiv. Er ist immer der Erste, der jubelt. Für ihn ist am wichtigsten, dass wir als Mannschaft gewinnen. Deswegen fand ich aus Mannschaftssicht, dass er ein gutes Spiel gemacht hat.

... die neuen Trinkpausen: Der Trainer hat in der Trinkpause nochmal Dinge angepasst. Ich hatte das Gefühl, dass uns das eher geholfen hat. Nach dem 1:1 waren wir etwas unruhig und da hat uns die Pause geholfen.

... das Telefonat mit Bundeskanzler Merz: Es war ein kurzes Telefonat. Es ist schon schön, dass man die Unterstützung aus Deutschland hat. Es waren natürlich viele Kameras dabei und es geht dann eher um das Symbol, dass viele Daumen gedrückt werden.

... den Bayern-Block in der Nationalmannschaft: Wir kennen uns schon länger und haben Verhaltensmuster, die wir auch mit reinnehmen können. Man spürt aber auch in der Nationalmannschaft seit ein paar Jahren, dass wir uns entwickeln. Jetzt seit ein paar Monaten habe ich das Gefühl, dass hier eine Mannschaft zusammenwachsen kann, die sich auch über die nächsten Jahre entwickelt. Wir haben viele junge Spieler und ich habe das Vertrauen in sie, dass sie auch in zwei, drei Jahren noch dabei sind und eine feste Säule in der Mannschaft werden. Das haben wir nach 2018 nicht so gut hinbekommen. Das traue ich den Jungs jetzt zu.

... die Kaderzusammensetzung: Wir haben außer Manu (Anm. d. Red.: Manuel Neuer) nur Spieler dabei, die mit der Nationalmannschaft noch nichts gewonnen haben – die haben diesen Hunger, diesen Antrieb, etwas Besonderes zu schaffen. Die Jungs haben Lust auf Fußball. Pavlovic kannst du nachts um zwei wecken und mit ihm Fußball spielen, weil es das Größte ist, was es für ihn gibt. Es ist sehr besonders, dass viele Jungs dabei sind – unabhängig ob sie 20 oder 36 sind – die alle Bock auf Fußball haben und Lust, ein Land im Rücken zu haben, das die Daumen drückt.

Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026

Autor: dfb