DFB-Pokal
Großaspachs Pokalheld Reule: "Wir benötigen einen Sahnetag"

Die SG Sonnenhof Großaspach aus der 3. Liga schrieb mit dem erstmaligen Einzug in die zweite DFB-Pokalrunde Vereinsgeschichte. Dort geht es am Dienstag (ab 18 Uhr, live bei Sky) gegen den Bundesligisten FC Augsburg. Im DFB.de-Interview spricht der 32 Jahre alte Torhüter Maximilian Reule mit Mitarbeiter Dominik Dittmar über die Überraschung gegen Arminia Bielefeld und das Duell mit dem FCA.
DFB.de: Die SG Sonnenhof Großaspach steht bei der vierten Teilnahme am DFB-Pokal erstmals in der zweiten Runde. Macht sich das im Umfeld bemerkbar, Herr Reule?
Maximilian Reule: Absolut, das wird für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis sein. Ungefähr 25 Tickets habe ich für Freunde und Familie persönlich besorgt. Wir haben uns dieses besondere Spiel verdient. Der FC Augsburg ist dabei ein attraktives Los. Wir treffen auf einen Bundesligisten, der keine allzu lange Anreise hat.
DFB.de: Werden die Erinnerungen an das Erstrundenspiel gegen Arminia Bielefeld dadurch wieder präsent?
Reule: Auf jeden Fall, für die gute Leistung konnten wir uns mit der zweiten Runde belohnen. Wir haben die richtige Einstellung und Mentalität gezeigt, um für einen Pokalfight sorgen zu können. Wir haben uns in alles reingeworfen und waren im Spiel nach vorne mutig. Das gewisse Quäntchen Glück, das man in solchen Duellen benötigt, hatten wir bei einem Pfostenschuss der Bielefelder in der Verlängerung ebenfalls auf unserer Seite.
DFB.de: Sie waren im Elfmeterschießen mit zwei gehaltenen Versuchen maßgeblich am Weiterkommen beteiligt. Wie bereiten Sie sich auf solche Momente vor?
Reule: Wir hatten eine Trinkflasche vorbereitet, auf der die Namen und das bevorzugte Eck der Bielefelder Schützen standen. Das war allerdings eigentlich dafür gedacht, falls es im normalen Spielverlauf einen Strafstoß gegeben hätte. Vor dem Elfmeterschießen hatte ich aber gar nicht mehr auf die Liste geschaut, das war purer Instinkt. Ich habe mich auf mein Bauchgefühl verlassen und versucht, mich in die Schützen hineinzuversetzen.
DFB.de: Sie waren bei der SG Sonnenhof bereits Teil des letztmaligen Drittligakaders und sind nach Ihrer Rückkehr im Sommer 2021 auch den Weg in die Oberliga mitgegangen. Was bedeutet Ihnen der "Dorfklub"?
Reule: Als wir nach meiner Rückkehr erneut abgestiegen sind, stand ich schon vor der Frage: Was mache ich jetzt? Nicht zuletzt, weil es nach meinem zwischenzeitlichen Abschied aus Großaspach für mich persönlich beim SSV Ulm 1846 Fußball nicht ganz so gut gelaufen war, hatte ich mich dazu entschieden, der SG Sonnenhof beim Gang in die Oberliga loyal zu bleiben. Ich wollte mich der Verantwortung stellen und beim Ziel mitanpacken, den Verein wieder nach oben zu bringen. Die Vereinsverantwortlichen - vor allem die Familie Ferber - und meine bisherigen Trainer bis hin zu Pascal Reinhardt haben mir immer den Rücken gestärkt. Das weiß ich sehr zu schätzen.
DFB.de: Mit 32 Jahren sind Sie inzwischen der älteste Spieler im Kader. Wie sehen Sie ihre Rolle im Team?
Reule: Ich will als Identifikationsfigur und Leistungsträger vorangehen, dem Team maßgeblich dabei helfen, Ergebnisse einzufahren. Ich will die Jungs mit meiner Art mitnehmen, ein kleiner Papa für meine Mitspieler sein. Positive Aspekte zu loben, gehört dabei genauso dazu, wie auch negative Dinge anzusprechen.
DFB.de: Seit Sommer 2024 ging es mit zwei Aufstiegen in Folge im Eiltempo zurück in die 3. Liga. Was machte den Verein so erfolgreich?
Reule: Wir hatten uns auch von zwei knapp verpassten Aufstiegen nicht aus der Bahn werfen lassen. Zunächst hatten wir in der Aufstiegsrunde gegen TuS Koblenz in der Nachspielzeit das Nachsehen. Im Jahr danach sind wir am letzten Spieltag - ebenfalls in den Schlussminuten - noch auf den dritten Platz abgerutscht, nachdem wir sehr lange die Tabelle angeführt hatten. Der Verein hat sich davon aber nicht aus dem Konzept, geschweige denn aus der Ruhe bringen lassen und den Blick weiterhin verstärkt auf Spieler aus der Region gelegt. Dadurch ist die Identifikation mit dem Klub hoch. Gleichzeitig haben wir auch sehr gute Kicker im Team. Wir haben die Erfolgswelle mitgenommen und sind dabei immer hungrig geblieben.
DFB.de: In der dritthöchsten Spielklasse stehen trotz der jüngsten 1:7-Auswärtsniederlage beim SV Wehen Wiesbaden bislang zwölf Punkte aus elf Begegnungen und ein Nichtabstiegsplatz zu Buche. Wie bewerten Sie die Ausbeute?
Reule: Wir hatten bereits zu diesem Zeitpunkt der Saison fast alles dabei: Vom späten 1:2 beim 1. FC Saarbrücken über die deutlichen Niederlage gegen Mannheim und Wiesbaden bis zum Sieg gegen den SC Preußen Münster nach einem Zwei-Tore-Rückstand. Wir haben gezeigt, dass wir in der 3. Liga bestehen können. Für den Moment können wir durchaus zufrieden sein, weil wir über dem Strich stehen, wobei des Ergebnis in Wiesbaden natürlich extrem bitter war. Wir müssen das jetzt so schnell wie möglich abschütteln
DFB.de: In gleich vier Partien konnte trotz eines zwischenzeitlichen Rückstands noch gepunktet werden. Wie war das möglich?
Reule: Das war auch schon in der Oberliga und in der Regionalliga eine Stärke von uns: Wir werden nach Rückständen nicht hektisch und wissen, was wir dann zu tun haben. Auch in unserer Außenseiterrolle in der 3. Liga sind wir in der Lage, das Gaspedal durchzudrücken. Spiele schon in der Vergangenheit gedreht zu haben, bestärkt einen natürlich darin.
DFB.de: Im DFB-Pokal wartet nun der FC Augsburg. Wie ist Ihr Eindruck vom Gegner?
Reule: Das Team hat zum Auftakt gut um die vorderen Tabellenplätze mitgemischt, darunter einen beeindruckenden Zähler gegen den FC Bayern München eingefahren. Zuletzt stimmten die Ergebnisse nicht mehr ganz so sehr, die Qualität ist aber nach wie vor immens hoch. Gleichzeitig sind 13 Gegentore nach sieben Partien aber auch ein kleines Zeichen dafür, dass für uns etwas drin sein kann.
DFB.de: Wie soll die Überraschung gelingen?
Reule: Der FCA ist der klare Favorit. Um eine Chance zu haben, benötigen wir einen Sahnetag. Wenn wir aber vom ersten Moment an in den Zweikämpfen voll dagegenhalten können, sind wir in der Lage, dem Gegner das Leben schwer zu machen.
Kategorien: DFB-Pokal, 3. Liga
Autor: mspw

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