DER DFB

Erinnerungstag: Der Fußball gedenkt der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus

23.01.2026
Ein Anlass zum Gedenken: Die Befreiung des KZ Ausschwitz-Birkenau jährt sich zum 80. Mal

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Dieser Tag markiert das Ende eines Ortes, an dem unermessliches Leid, Entrechtung und Mord Alltag waren. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten nimmt die Fußballfamilie diesen Gedenktag zum Anlass, innezuhalten. Rund um die Spiel- und Turniertage erinnert sie an die Menschen, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden – an Spieler, Funktionäre, Fans und unzählige andere, deren Leben durch den nationalsozialistischen Terror zerstört worden waren.

Die folgenden Biografien stehen stellvertretend für viele jüdische Menschen im Fußball, deren Leben durch den Nationalsozialismus zerstört wurde.

Ernst Alexander

Er wird am 28. August 1914 in Gelsenkirchen geboren. Beim FC Schalke 04 durchläuft er mehrere Jugendmannschaften. Eine Karriere als Fußballprofi bleibt im verwehrt, 1933 wird er aus dem Verein ausgeschlossen. Die Gestapo verhaftet 1938 seinen Vater, interniert ihn im KZ Sachsenhausen. Alexanders Mutter begeht Suizid. Nach seiner Flucht in die Niederlande kommt er 1939 in das Lager Westerbork bei Rotterdam, unter deutscher Besatzung ein Internierungslager. Im Juli 1942 wird Ernst Alexander nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Eugen Salomon

Er gründet mit Freunden 1905 den 1. Mainzer Fußballclub Hassia 05. Der damals 17-Jährige wird noch im selben Jahr zum Vorsitzenden gewählt. Auch nach 1919, als nach mehreren Fusionen der 1. FSV Mainz 05 entsteht, bleibt er ein hochrangiger Klub-Repräsentant. Mit seinem Einfluss trägt er in den 20er-Jahren zum sportlichen Erfolg des Vereins bei. Im Sommer 1933 wird er aus dem Verein ausgeschlossen. Im selben Jahr flieht er ins französische Lothringen, baut sich ein neues Leben auf. Zum Kriegsbeginn 1939 werden Grenzregionen evakuiert, und Salomon muss ins Landesinnere umsiedeln. Deutsche Besatzer lassen ihn im Oktober 1942 verhaften. Einen Monat später stirbt Salomon im KZ Auschwitz.

Alfred Ries

Ab 1909 spielt er für Werder Bremen in der Jugend. Bereits als 16-Jähriger wird er in den Vorstand gewählt. Zwischen 1923 und 1931 ist Ries mehrmals Vorstandsvorsitzender des Vereins. 1932 verlässt er Bremen wegen der immer bedrohlicheren Lage und arbeitet ab 1934 für verschiedene Unternehmen auf dem Balkan. Trotz mehrfacher Internierungen überlebt er die Shoah. Seine Eltern werden 1942 im KZ Theresienstadt ermordet. 1963 erlebt er als Werder-Vorsitzender die Gründung der Bundesliga und 1965 die erste Deutsche Meisterschaft seines Vereins.

Der DFB im Nationalsozialismus

Über viele Jahre tat sich der DFB schwer damit, seine eigene Rolle im Nationalsozialismus umfassend und kritisch zu beleuchten. Ein wichtiger Schritt erfolgte 2005 mit der Veröffentlichung der vom Verband in Auftrag gegebenen Studie "Fußball unterm Hakenkreuz". Daran anknüpfend widmet sich Dr. Pascal Trees vom Institut für Zeitgeschichte München–Berlin im Rahmen eines Forschungsprojekts der DFB-Kulturstiftung derzeit erneut diesem Kapitel – dem dunkelsten der Verbandsgeschichte. Und mit der fehlenden Aufarbeitung nach 1945.

Ab 1933 wurden Jüdinnen und Juden systematisch aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, auch im Sport, auch im Fußball. Dr. Pascal Trees erklärt im Interview mit dem DFB: "Der DFB reihte sich hier ein, und ein Aufbegehren der nicht jüdischen 'Sportkameraden' dagegen lässt sich nur selten nachweisen."

"!NieWieder"

Die Initiative "!NieWieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball" ist ein Netzwerk aus Fangruppen, Fanprojekten, antirassistischen Bündnissen, Amateur- und Profiklubs, DFL und DFB sowie zahlreichen anderen Institutionen aus der Zivilgesellschaft. Um die beiden Spieltage vor und nach dem 27. Januar finden Aktionen auf den Sportplätzen und in den Stadien statt, zum Beispiel wird mit  Stadiondurchsagen und Bannern auf den Erinnerungstag hingewiesen. "Nie wieder" – dieser unmissverständlichen Botschaft schließt sich der gesamte Fußball an.

Was die Fußballfamilie tun kann

Erinnerungskultur bedeutet auch, Verantwortung im Heute zu übernehmen. Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Ausgrenzung dürfen im Fußball keinen Platz haben. Deshalb ermutigen wir alle, die selbst betroffen sind oder Vorfälle beobachten, nicht zu schweigen. Die Meldestellen der Landesverbände stehen als vertrauliche Anlaufstellen bereit, um Unterstützung zu bieten, Hinweise aufzunehmen und gemeinsam Schritte einzuleiten. Jede Meldung und jeder Hinweis trägt dazu bei, unseren Sport zu einem sicheren Raum für alle zu machen.

Außerdem stellt der DFB ein FAQ und Tipps zum Umgang mit Diskriminierung für alle, die im Fußball in irgendeiner Form engagiert sind. Jede und jeder kann im Fußball dazu beitragen, dass Ausgrenzung keinen Ort bekommt. Nie wieder ist jetzt.

Manchmal sind rechtsextreme Symbole oder Codes gut versteckt, schwer zu erkennen. Hier geht es zu einer jüngst vollständig aktualisierten Broschüre, die dabei helfen soll, rechtsextreme Symbole zu erkennen. Sie richtet sich sowohl an Amateur- als auch Profivereine.

Kategorien: DER DFB, Vielfalt und Anti-Diskriminierung

Autor: dfb