Talentförderung
FAQ: So funktioniert "Playing Down"

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) führte in der Saison 2024/2025 in mehreren Landesverbänden ein Pilotprojekt durch, das sich an biologisch jüngere Fußballer richtete. Mit "Playing Down" wurden Jugendspieler gezielt in einer niedrigeren Altersklasse eingesetzt, als es ihrem tatsächlichen Alter entspricht. Seit der Saison 2025/2026 ist dieses Sonderspielrecht fester Bestandteil der DFB-Jugendordnung (§ 5 Nr. 9 & 10) und kann in allen Landesverbänden für die Altersklassen U 14 und U 16 angewendet werden. Bereits 20 der 21 Landesverbände machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Zur Saison 2026/2027 wird "Playing Down" auf die U 18 ausgeweitet und kann zudem in der DFB-Nachwuchsliga angewendet werden. Aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Grundlage konnte das Pilotprojekt zunächst nur bei den Junioren durchgeführt werden. Ab der Rückrunde 2026/2027 startet ein Pilotprojekt bei den U 14-Juniorinnen. DFB.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Konzept in einem FAQ.
Was ist "Playing Down"?
Das Projekt "Playing Down" zielt darauf ab, biologisch jüngeren Spieler*innen zeitweise die Möglichkeit zu geben, in einer jüngeren Altersklasse zu spielen. So können sie sich dort mit körperlich ähnlich entwickelten Kindern und Jugendlichen messen.
Welche Vorteile bietet "Playing Down" für die betroffenen Spieler*innen?
Das Konzept "Playing Down" ermöglicht es biologisch jüngeren Spieler*innen, sich in einer faireren und weniger körperbetonten Umgebung zu entwickeln. Dies kann ihre Freude am Sport steigern, ihr Selbstvertrauen stärken und ihre sportlichen Fähigkeiten besser zur Geltung bringen.
Was versteht man unter dem "relativen Alterseffekt"?
Der relative Alterseffekt beschreibt die Unterschiede in der körperlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen innerhalb einer Altersklasse. Da Kinder eines Jahrgangs bis zu zwölf Monate Altersunterschied haben können, verfügen früh im Jahr geborene Kinder häufig über Entwicklungsvorteile gegenüber spät im Jahr geborenen Gleichaltrigen. Kleinere und leichtere Heranwachsende können dadurch im sportlichen Wettkampf auf größere und körperlich stärkere Gegner treffen, was zu Benachteiligungen führen kann.
Warum ist der relative Alterseffekt im Jugendfußball problematisch?
Biologisch jüngere Spieler*innen haben oft geringere Chancen, sich in Zweikämpfen durchzusetzen, was zu Frustration und dem möglichen Aufgeben der Sportart führen kann. Zudem werden sie seltener für Auswahlkader berücksichtigt.
Für welche Altersklassen und Jahrgänge gilt "Playing Down"?
"Playing Down" gilt für die jüngeren Jahrgänge der männlichen C-, B- und A-Jugend (U 14, U 16 und U 18) und kann auf allen Spielklassenebenen angewendet werden. Darüber hinaus startet ab der Rückrunde der Saison 2026/2027 ein Pilotprojekt für C-Juniorinnen (U 14).
Welche Voraussetzungen müssen Spieler*innen erfüllen, um im Rahmen von "Playing Down" antragsberechtigt zu sein?
Spieler*innen müssen ein biologisches Alter haben, das mehr als ein Jahr geringer ist als das biologische Alter der "durchschnittlichen" Spieler*innen ihrer eigentlichen Altersklasse. Konkret bedeutet das: In der U 14 müssen Spieler*innen biologisch jünger als 12,0 Jahre und in der U 16 biologisch jünger als 14,0 Jahre sein. Für Spieler*innen der U 18 muss die biologische Entwicklungsverzögerung mindestens 18 Monate betragen.
Wie wird das biologische Alter der Spieler*innen bestimmt?
Das biologische Alter von Spieler*innen der U 14 und U 16 wird anhand des Körpergewichts sowie der Körpergröße im Stehen und Sitzen nach der sogenannten Mirwald-Methode bestimmt. Die Messung dauert etwa zwei Minuten. Bei Spielern der U 18 erfolgt die Bestimmung des biologischen Alters mittels MRT- oder Röntgenuntersuchung in kooperierenden Kliniken bzw. zentralen Messstellen.
Wie kann ich die Messung korrekt durchführen?
Ein kurzes Schulungsvideo zur richtigen Durchführung der Messung finden Sie hier. Sie benötigen eine digitale Körperwaage und ein Stadiometer zur Größenmessung.
Was soll ich tun, wenn ein*e Spieler*in das Kriterium erfüllt?
Stellen Sie einen Antrag, wenn Sie glauben, dass der/die Spieler*in davon profitiert. Senden Sie das ausgefüllte Excel-Dokument mit den Messergebnissen, das Antragsformular und die Einverständniserklärung der Eltern an die E-Mail-Adresse des jeweiligen Landesverbandes. Anschließend erfolgt eine zweite Messung in einer zentralen Messstelle des zuständigen Landesverbands.
Wann können Anträge eingereicht werden?
Für die erste Saisonhälfte (Spielrecht bis 31. Januar): Anträge müssen bis zum 15. August eingereicht werden. Die zentralen Messtermine finden bis Ende August statt. Für die zweite Saisonhälfte (Spielrecht von 1. Februar bis 31. Juli): Anträge müssen zwischen dem 1. Dezember und dem 31. Januar eingereicht werden. Die zentralen Messtermine finden bis Mitte Februar statt.
Was passiert, wenn ein Antrag abgelehnt wird?
Wenn ein Antrag abgelehnt wird, bleibt der/die Spieler*in in seiner/ihrer ursprünglichen Altersklasse. Die Entscheidung wird den Eltern und dem Trainer bzw. der Trainerin mit einer Begründung mitgeteilt. Bei Fragen oder Unklarheiten können sich die Betroffenen an den zuständigen Verband wenden.
Wo finde ich weitere Informationen zum Projekt und zur Antragstellung?
Weitere Informationen können auf der Website des jeweiligen Landesverbandes gefunden werden.
Wie lange gilt die Sondergenehmigung zum Spielen in der jüngeren Altersklasse?
Die Sondergenehmigung gilt für ein halbes Kalenderjahr. Nach Ablauf ist eine erneute Bestimmung der biologischen Messwerte und ein weiterer Antrag notwendig.
Was passiert, wenn ein*e Spieler*in die Kriterien nicht mehr erfüllt?
Wenn bei der erneuten Bestimmung der biologischen Messwerte festgestellt wird, dass der/die Spieler*in die Kriterien nicht mehr erfüllt, verliert er/sie das Spielrecht für die jüngere Altersklasse und muss wieder in seiner ursprünglichen Altersklasse spielen.
Wie werden die Eltern in den Prozess einbezogen?
Die Eltern müssen eine Einverständniserklärung unterschreiben, die Teil des Antrags ist. Sie sollten über die Vorteile und möglichen Auswirkungen von "Playing Down" informiert werden und der Teilnahme ihres Kindes zustimmen.
Welche Rolle spielen die Trainer*innen in diesem Prozess?
Trainer*innen sollten die körperliche Entwicklung ihrer Spieler*innen beobachten und diejenigen identifizieren, die möglicherweise von der Regelung profitieren könnten. Sie unterstützen die Eltern und Spieler*innen bei der Antragstellung und der Durchführung der Messungen.
Gibt es spezielle Trainingsprogramme für biologisch jüngere Spieler*innen?
Derzeit konzentriert sich das Projekt hauptsächlich auf die Spielberechtigung in jüngeren Altersklassen. Spezielle Trainingsprogramme könnten jedoch in Zukunft entwickelt werden, basierend auf den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt.
Gibt es ähnliche Projekte in anderen Ländern?
Ja, in einigen anderen Ländern gibt es ähnliche Initiativen, um den relativen Alterseffekt zu mildern und die sportliche Entwicklung biologisch jüngerer Kinder und Jugendlicher zu unterstützen. Die Ergebnisse und Erfahrungen aus diesen Projekten fließen in die Gestaltung des Pilotprojekts des DFB ein.
Vorlagen zur Anwendung durch LV und Verein
Kategorien: Talentförderung
Autor: gmw
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