WM 2026
Curacao: WM-Teilnahme im vierten Anlauf

Mit dem Auftaktgegner aus der Karibik verbanden viele deutsche Fans vor der FIFA WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko nicht mehr als einen Cocktail. Doch auf Curacao, Nummer 82 der Weltrangliste, wird auch Fußball gespielt. Offiziell erst seit September 2010 mit Gründung des nationalen Verbandes, aber eigentlich schon viel länger. Es ist etwas kompliziert. Fangen wir also von vorne an.
Curacao ist ein autonomer Inselstaat in der Karibik nördlich von Venezuela und gehört zum Königreich der Niederlande, zusammen mit den anderen Nachbarinseln firmierte man von 1948 bis 2010 noch unter dem Namen Niederländisch-Antillen. Deren Vertretung nahm erstmals 1957 an der WM-Qualifikation teil, nannte sich aber Curacao. Man unterlag Costa Rica 0:4 sowie 1:2 und kam am 10. März 1957 in Guatemala zum historischen ersten Sieg in einem Pflichtspiel auf der FIFA-Bühne. Gerne hätte das Team noch einen zweiten gefeiert, doch zum Rückspiel trat Guatemala wegen politischer Unruhen nicht an - seine Auswahl durfte das Land nicht verlassen. So endete der erste und für Jahrzehnte einzige Auftritt Curacaos in der WM-Geschichte mit einem zweiten Platz in einer nicht vollständig ausgetragenen Qualifikationsgruppe.
Aufschwung nach der Autonomie
Danach nahmen Fußballer aus Curacao wieder regelmäßig unter der Flagge der Niederländischen Antillen an der Qualifikation teil, kamen aber nie in die Nähe der Endrunde. Ob Haiti, Antigua oder El Salvador - alle Kontrahenten erwiesen sich als zu stark. Mit der Autonomie 2010 begann der Aufschwung, nun war nicht immer schon in der ersten Runde auf Ebene des Nord- und Mittelamerikanischen Fußball-Verbandes CONCACAF Schluss. Wegweisend war schon der 1:0-Heimsieg im allerersten Länderspiel am 20. August 2011 gegen die Dominikanische Republik. Vor der WM 2014 kam man immerhin in die zweite Runde, feierte gegen die Amerikanischen Jungferninseln die ersten WM-Qualifikationssiege überhaupt.
In die Qualifikation für die WM 2018 in Russland ging man bereits mit dem Selbstbewusstsein des amtierenden Karibikmeisters (2017). Nun kam man schon in die dritte Runde, ehe sich die Hürde El Salvador als zu hoch erwies (0:1 und 0:1). 2019 wurde ein zweiter Titel gewonnen: der Kings Cup. An dem vom thailändischen Verband organisierten Turnier nahmen vier Mannschaften teil, im Finale gegen Vietnam bewiesen die Karibik-Kicker im Elfmeterschießen die besseren Nerven. Im selben Jahr wurde auch die Bestmarke im CONCACAF Gold Cup (entspricht der Europameisterschaft) aufgestellt: Man erreichte das Viertelfinale.
Mehr als nur ein Cocktail
Vor der WM 2022 gewann Curacao seine Gruppe mit sechs Mannschaften ungeschlagen und 15:1 Toren, doch in der zweiten Runde musste man Panama in den Entscheidungsspielen den Vortritt lassen (0:0 und 1:2). Der Abstand zur Weltspitze wurde den "Blauen" im März 2023 in Argentinien verdeutlicht, als sie beim Weltmeister ihre historisch höchste Niederlage einsteckten (0:7).
Und doch - auch Lehrgeld kann sich auszahlen: Vor dieser WM kam Curacao endlich in die entscheidenden Schlussrunde und blieb in der Vierergruppe mit Jamaika, Trinidad & Tobago und Bermuda ungeschlagen (drei Siege, drei Remis). In vier der sechs Spiele blieben die "Blauen" sogar ohne Gegentor, so auch beim 0:0 im Gruppenfinale gegen Verfolger Jamaika am 18. November 2025. Seit diesem Tag grassiert auf der Insel das WM-Fieber - und die Welt denkt nicht mehr nur an einen Cocktail, wenn der Name Curacao fällt.
Kategorien: WM 2026, Männer-Nationalmannschaft
Autor: um

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