DFB-Pokal

Bayern gegen Leipzig: Alles außer langweilig

11.02.2026
Entscheidung im Elfmeterschießen: Leipzig gegen Bayern in der 2. Pokalrunde 2017 Foto: IMAGO

Zum dritten Mal treffen sich heute Abend (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) Bayern München und RB Leipzig im DFB-Pokal. In München ist es eine Premiere. Zuvor setzten sich die Münchner sowohl in Leipzig (2017) als auch auf neutralem Berliner Boden (2019) durch – und wurden mit dem Pokal belohnt. Ein Rückblick.

25.10.2017, 2. Runde: RB Leipzig – Bayern München 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:5 i.E.

Was Prestige, Renommee und Erfahrung anging, trennten sie noch Welten, in der Tabelle der Saison 2017/2018 war es vor der Partie nur ein Punkt. Da sich Rekordmeister Bayern München gerade eine Krise und in Folge dessen einen neuen Trainer genommen hatte, war er keineswegs der haushohe Favorit gegen den furiosen Newcomer. Die Sachsen absolvierten erst ihre zweite Bundesligasaison, waren schon Champions League-Teilnehmer und mitten in einer Siegserie (vier Spiele). Das Los hätte es also besser meinen können mit den Bayern, bei denen elf Tage zuvor die vierte Amtszeit von Jupp Heynckes begonnen hatte.

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick kommentierte selbstbewusst: "Ich gehe davon aus, dass sich die Bayern auch einen anderen Gegner gewünscht haben." Sie sahen sich als Herausforderer, der nichts zu verlieren hatte. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl: "Die Bayern sind eine Klassemannschaft, wir sind auf dem Weg dahin." Stürmer Timo Werner fragte keck: "Warum nicht auch die Bayern schlagen?"

Unmittelbar nach der Heynckes-Verpflichtung trauten aber 61,5 Prozent der Teilnehmer an einer kicker-Umfrage dem Meister den Sieg zu. Bayerns Abwehrchef Mats Hummels versprach: "Es wird ein richtig geiles Fußballspiel, da bin ich mir ganz sicher." Davon ging auch die ARD aus, die an jenem Mittwochabend live übertrug. Bei Anpfiff um 20.45 Uhr fehlten den Bayern Nationaltorwart Manuel Neuer (Mittelfußbruch), Kultdribbler Franck Ribery (Knieverletzung) und Thomas Müller (Muskelfaserriss). RB dagegen meldete volle Besetzung.

Spannung bis ins Elfmeterschießen

Das Spiel stand unter der Leitung von Felix Zwayer, 42.558 Zuschauer sorgten für eine ausverkaufte Leipziger Arena. Der in der Bundesliga gerade eingeführte Videoassistent durfte noch nicht zu Rate gezogen werden, das war erst ab dem Viertelfinale gestattet. Man hätte ihn gut gebrauchen können, aber in der 34. Minute hätte er auch keine Klarheit schaffen können. Wann genau Arturo Vidals Foul an Leipzigs Emil Forsberg begann, das Zwayer mit Gelb, aber nicht mit Elfmeter bestrafte, weil ihm sein Assistent zu einer anderen Ansicht verhalf, konnte auch die Zeitlupe "kaum zweifelsfrei auflösen", wie der kicker anmerkte. Rangnick stürmte zur Halbzeit auf den Platz, um Zwayer Beweisbilder auf seinem Smartphone zu zeigen, wurde aber von einigen Bayern abgehalten. Eine kuriose Szene, die im Gedächtnis blieb. Wer an Bayern-Dusel glaubte, sah sich jedenfalls bestätigt.

Leipzig beschäftigte Neuer-Vertreter Sven Ulreich häufiger als die Bayern den ewigen Péter Gulácsi im RB-Tor. Forsberg und Jean-Kévin Augustin hatten das 1:0 auf dem Fuß, doch das fiel erst nach der Pause. Damit rechneten nur noch wenige, da Naby Keïta in der 54. Minute mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Statt geschockt zu sein, löste das eine Trotzreaktion bei den Bullen aus. Und als Yussuf Poulsen nach 67 Minuten in den Strafraum eindrang und von Jérôme Boateng gelegt wurde, gab Zwayer Elfmeter. Eine umstrittene Entscheidung, die Forsberg zum 1:0 nutzte. Es sprach für die Reife der Bayern, dass sie umgehend durch Thiago zurückschlugen – 1:1 nach 73 Minuten. So ging es in die Verlängerung, in der die Bayern ihre Überzahl nicht ausnutzen konnten, der eingewechselte Reserve-Spieler Kwasi Wriedt köpfte an die Latte.

Nach 120 Minuten beendete Zwayer diesen packenden Pokalfight und bat zum Elfmeterschießen. In dem zeigten die ersten neun Schützen keine Nerven. Fünfmal legte Bayern vor, viermal glich RB aus, dann legte sich Timo Werner den Ball zurecht. Er musste treffen, sonst hätte RB verloren. Der Druck war zu groß für den Jung-Nationalspieler, Ulreich parierte und verhalf den Bayern in die nächste Runde. "Wir haben viele brandgefährliche Konter zugelassen. Heute haben wir in einigen Situationen das nötige Glück gehabt", gestand Hummels. Hasenhüttl berichtete aus dem Seelenleben der unglücklichen Leipziger: "Die Spieler sitzen in der Kabine und wissen nicht, warum sie verloren haben. Was für ein heroischer Kampf, den wir geliefert haben."

25. Mai 2019, Finale: Bayern München – RB Leipzig 3:0 (1:0)

Eine Woche zuvor hatten die Bayern ihre schon obligatorische Meisterschaft eingefahren. Allerdings mühsamer als gewöhnlich, erst am letzten Spieltag. Unter dem zu Saisonbeginn gekommenen Trainer Niko Kovač wurde Fußball mehr gearbeitet als gespielt, dieser Meister versprühte wenig Glanz. Auch nicht im Pokal, bei nahe an der Blamage kratzenden Auftritten gegen Drochtersen/Assel (1:0) oder Zweitligist Heidenheim (5:4). Im Halbfinale bei Werder Bremen (3:2) bekamen sie einen sehr umstrittenen Elfmeter. Nun aber bot sich die Chance auf das begehrte Double und Kovač eine seltene Doublette – im Vorjahr war er noch mit Eintracht Frankfurt Pokalsieger geworden - mit 3:1 gegen seinen künftigen Klub. Die Klublegenden Arjen Robben und Franck Ribéry gaben in Berlin ihren Abschied, schon deshalb musste das Spiel gewonnen werden. Auch, wenn sie erst mal auf der Bank Platz nahmen. Auf dem Rasen standen mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Serge Gnabry drei heute noch aktive Bayern-Stars.

RB Leipzig wurde von Ralf Rangnick, der zugleich Sportdirektor blieb, trainiert und schon drei Spiele vor Saisonende erneut in die Champions League geführt. Yussuf Poulsen versprach: "Wir sind nun weiter als 2017." Mit Gulácsi, Lukas Klostermann und Willi Orbán standen drei Spieler in der Elf, die bis heute im RB-Kader stehen, mit Konrad Laimer und Dayot Upecamo wurden zwei eingewechselt, die jetzt das Bayern-Dress tragen.

Die Fans freuten sich auf ein spannendes Finale zweier Topteams, einen klaren Sieger erwarteten die wenigsten. Am Ende stand ein 3:0 für die Bayern – aber das Resultat trügt. Manuel Neuer, der wegen eines Muskelfaserrisses sechs Spiele ausgefallen war, machte eines der besten Spiele seiner Karriere und verhinderte "mit einem Sensationsreflex" (kicker) nach Poulsens Kopfball den Rückstand nach elf Minuten – der Ball prallte gegen die Latte. So gingen dann doch die Bayern nach 29 Minuten in Führung, nach David Alabas Linksflanke durch den Torschützenkönig Robert Lewandowski (artistisch im Rückwärtsfallen köpfend). Das 1:0 nahmen sie mit in die Pause, aus der wütende Leipziger kamen. Emil Forsberg stürmte allein auf Neuer zu, der machte sich größer und breiter als er schon ist und hielt mit Hand und Fuß. "Was Manu geliefert hat, war 1a", lobte ihn Abwehrchef Hummels. Die Entscheidung im hochklassigen Finale besorgte allerdings Kingsley Coman mit einem Linksschuss aus sieben Metern (78.). Die eiskalt konternden Bayern setzten noch einen drauf, Lewandowski entwischte Konaté und lupfte über Gulácsi hinweg zum 3:0. Es war sein siebter Pokaltreffer der Saison, zum dritten Mal in Folge wurde er auch Torschützenkönig im DFB-Pokal. Einmalig! Tobias Stieler pfiff fünf Minuten später ab.

Forsberg: "Es war ein geiles Spiel"

Dann gingen die Bayern zu den Feierlichkeiten über und das Berliner Olympiastadion sah eine Premiere. Kovač griff sich ein Megaphon und bedankte sich bei den Fans für die Unterstützung und sie dankten es, in dem sie seinen Namen skandierten. Niko Kovač war der große Sieger beim Doublesieger Bayern München, denn er hätte alles verlieren können. Wochenlang schwebte das Damoklesschwert der Entlassung über seinem Haupt, wurden die Zweifel an seiner Befähigung geschürt, entweder durch dubiose Aussagen – oder durch ausbleibende. Die Arbeitsplatzgarantie, die ein laufender Vertrag alleine ja nie gewesen ist, erhielt er am Tag nach dem Doublesieg von Präsident Uli Hoeneß persönlich auf dem Marienplatz.

Und RB? Rangnick wollte die Medaille für den Zweiten gar nicht erst umhängen. Aber nach einer Mütze Schlaf trösteten sie sich damit, bei einem wahren Fußballfest mitgewirkt zu haben. Forsberg befand: "Es war ein geiles Spiel, in dem beide Mannschaften versucht haben, Fußball zu spielen. Am Ende hat es für uns leider nicht gereicht."

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Autor: um