Egidius Braun

(1992-2001)

Der Kosmopolit mit der Schwäche für die Schwachen

Der SV Breinig 1910 ist einer von vielen Sportvereinen im Dreiländereck bei Aachen. Dank seinem prominenten Mitglied Egidius Braun ist der SV Breinig 1910 allerdings die bundesweit bekannteste Adresse im Fußball-Amateurlager. Denn immer wenn es sich ergibt, und dafür sorgt er schon, streut der jetzige DFB-Ehrenpräsident einen Hinweis auf die Idylle seines Heimatklubs ein, wo er als Teenager den geraden Schuss und den klassischen Kopfball erlernte. Für den Erhalt dieser und möglichst vieler ähnlich heiler Breinig-Biotope in deutschen Landen, die Kinder noch in ihrem Sozialverhalten fürs Leben schulen, lohne es sich zu kämpfen, fügt er gerne an.

Egidius Braun (der seltene Vorname stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie "Schildhalter") spielte oft als bekennender Katholik häufig sonntags im Kloster der Augustinerinnen in Aachen-Walheim bei der heiligen Messe die Orgel; er macht aus seiner Vorliebe für den so genannten "kleinen Fußball" keinen Hehl und spricht auch sonst darüber, dass er viel Gutes tut. Wer ihn deshalb einen Populisten nennt, tut dem Mann unrecht. Den Fußball, referierte er zu seiner Zeit als DFB-Präsident gerne, vor allem die Nationalspieler, "kann ich eben nur in dieser Position für Sozialarbeiten missbrauchen".

Kein Zweifel, mit dem studierten Kaufmann (Ex- und Importbetrieb für Agrarprodukte) und Unternehmensberater Braun als Präsident an der Spitze hatte der DFB sein nationales und internationales Engagement im Sozialbereich ausgeweitet. Der Aachener fühlte sich zwar in vielerlei Hinsicht den Vorgaben seines Wegbegleiters und Freundes Neuberger verpflichtet, trat auch durchaus wie sein Vorgänger als charismatischer Kosmopolit auf, doch verlor er nie seine Chancen aus den Augen, den Schwachen zu helfen, die sich hinter den Schlagzeilen des großen Geschäfts mit dem Ball ducken. Über spöttische Mutmaßungen, mit dieser Fürsorge sei er nicht mehr von dieser Welt und in der Ellenbogen-Gesellschaft eine Fehlbesetzung, ging er mit mildem Lächeln hinweg. "Pater Braun", wie er in Anlehnung an die berühmte Romanfigur genannt wurde und wird ("Wenn damit beschrieben werden soll, dass mir menschliches Miteinander von großer Bedeutung ist, bin ich damit sehr einverstanden. Wenn damit gemeint ist, dass ich zu allem ja und amen sage, ist das völlig falsch."), wusste und weiß sich durchzusetzen. Wer je mit ihm am Verhandlungstisch saß, hat’s erfahren. Sein Spesensatz - eine altmodische Zahl, mit der er gern kokettiert - belief sich auf 20 Mark am Tag und stand in umgekehrtem Verhältnis zu seinem zeitweiligen Drang, sich als Workaholic zu betätigen. Braun fühlte sich als Anwalt von fast sechseinhalb Millionen Mitgliedern, die im DFB den größten Einzelsportverband der Welt darstellen, "die bedeutendste Gesellschaftsbewegung überhaupt", und ihr Mandat verlieh ihm Durchschlagskraft und seinen Argumenten zusätzliche Stärke.