Kleinfeldfußball

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Eine neue Wettspiel-Philosophie für unseren Kinderfußball

Kinder und Jugendliche sind auch heute noch vom Spielen mit dem runden Leder fasziniert. Früher sammelten junge Spieler und Spielerinnen erste Fußballerlebnisse irgendwo auf Straßen, Hinterhöfen, Wiesen, Bolzplätzen oder im Stadtpark. Dieser "Straßenfußball" war das tägliche Training der jungen Fußballer früherer Zeiten. In diesen kleinen Spielen auf der Straße lernten sie für den "großen Fußball".

Heute hat sich dagegen der Kinderfußball in den organisierten Vereinsfußball verlagert. Noch nie hat es so viele Bambini- bis E-Juniorenmannschaften gegeben wie heute. Noch nie waren aber auch in den höheren Altersklassen so viele Vereinsaustritte zu beklagen.

Diese Tendenz macht die Forderung nach einer zeitgemäßen Anpassung des Vereinsfußballs überdeutlich. Eine Jugendarbeit nach dem Motto "Das haben wir schon immer so gemacht! Dabei bleibt es!" ist über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt.

Die Frage muss stets sein: Wie können wir die Sportart Fußball den Kindern und Jugendlichen aktueller, altersangemessener und interessanter anbieten? Altersgerechte und attraktive Trainingsinhalte sind dabei ein wichtiger Ansatzpunkt, reichen alleine aber nicht aus. Auch die offiziellen Wettspiele müssen mit aller Konsequenz kind- und jugendgerecht (um-)gestaltet werden. Dabei ist eines sicher: Das 11 gegen 11 aus dem Erwachsenenfußball ist alles andere als kindgerecht und hat bei den Jüngsten nichts zu suchen! Die Nachteile eines 11 gegen 11 im Kinderfußball sind zu eindeutig!

Kinder erleben die Faszination des Fußballspielens in aller Intensität nur dann, wenn die Wettspiele genau auf sie abgestimmt sind.

Je nach Alter lassen sich die Anforderungen des 11 gegen 11 ab den Bambini bis zu den D-Junioren/Juniorinnen folgendermaßen reduzieren:

  • durch eine Verkleinerung der Mannschaften
  • durch eine Verkleinerung des Spielfeldes
  • durch eine Vereinfachung der Spielregeln.

Konkret befürworten der DFB-Trainerstab und -Jugendausschuss vereinfachte Spielregeln und neue Organisationsformen für den Kinderfußball sowie altersgerechte Spielfeld- Mannschaftsgrößen für

Wettspiele mit Bambini,
Wettspiele mit F-Junioren,
Wettspiele mit E-Junioren und
Wettspiele mit D-Junioren (Kleinfeldfußball) sowie
Wettspiele mit D-Junioren -9er-Fußball- (verkleinertes Spielfeld).

In diesen kleinen Fußballspielen auf Tore spielen die Kinder Fußball so wie sie es sich wünschen und so wie sie es zu diesem Zeitpunkt können. Die Spielsituationen sind für die jüngsten Kicker leichter zu überschauen. Alle Kinder sind an fast jeder Spielaktion beteiligt. Gegenseitige Hilfe wird durch die kleinen Mannschaften geradezu provoziert. Zudem kommen die Kleinen durch die geringen Distanzen zwischen den Toren häufiger und schneller zu Torabschlüssen, damit häufen sich zwangsläufig auch die so wichtigen Erfolgserlebnisse.

Die veränderten Wettspiel-Formate sind nur ein erster Schritt. Grundsätzlich muss sich die Einstellung zu Wettspielen im Kinderfußball verändern. Auch hier können viele Erwachsene von den Kindern lernen. Die Jungen und Mädchen wollen sich zwar frühzeitig mit anderen vergleichen und sich präsentieren. Sie wollen voller Stolz Großeltern, Eltern, Geschwistern und Freunden zeigen, was sie bereits gelernt haben. Sie sind aber letztlich vom Spielerlebnis und von Lernfortschritten an sich fasziniert. Bei einem Fußballspiel, dessen Anforderungen auf sie abgestimmt sind, erleben die Kinder Glück und Zufriedenheit. Da wird das Spielergebnis zweitrangig und eine Niederlage ist schnell vergessen. Erst von außen werden oft ganz andere Vorstellungen in den Kinderfußball hineingetragen, die einseitig aus dem ergebnisorientierten Denken des "großen Fußballs" resultieren. Normen wie der "unbedingte Sieg" oder der "Erfolg um jeden Preis" dominieren plötzlich. Das freie, unbefangene Spiel der Kinder wird zum fremdgesteuerten Spiel der Erwachsenen. Die nachteiligen Auswirkungen dieses Ergebnisdenkens für Kinder sind offenkundig!

Das Ergebnis des Wettspiels (Sieg/Niederlage) darf niemals alleiniger Maßstab sein. Viel wichtiger sind Spaß und Freude am Fußballspielen sowie die Fortschritte jedes einzelnen Kindes sowie der ganzen Mannschaft. Den Trainern und Trainerinnen kommt auch hier die Schlüsselrolle zu. Wenn sie einige praktische Leitlinien für Wettspiele im Kinderfußball beachten, leisten sie einen großen Beitrag zur Zukunftssicherung unseres Fußballs!

Weitere hilfreiche Tipps finden Sie hier.

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