Amateurfußball

Der Amateurfußball bewegt in Deutschland die Massen. Nur ein PR-Spruch? Von wegen. 6,9 Millionen Mitglieder sind unter dem Dach des DFB organisiert, verteilt auf rund 25.000 Vereine mit fast 160.000 Mannschaften. An der Basis schlägt das Herz des deutschen Fußballs.

Aufbau und Struktur des deutschen Fußballs gleichen einer Pyramide. An der Spitze steht die Nationalmannschaft, getragen wird sie von einer riesigen Basis mit rund 6,9 Millionen Mitgliedern und 25.000 Vereinen. Sie verteilen sich auf 21 Landesverbände, die wiederum den fünf Regionalverbänden zugeordnet sind. Für den DFB und seine Landesverbände gilt es, Woche für Woche knapp 160.000 Mannschaften ins Spiel zu bringen. 1,9 Millionen Fußballspiele sind pro Saison in Deutschland zu organisieren, wöchentlich sind es bis zu 80.000 Partien. Spielpläne müssen erstellt, Termine festgelegt, Schiedsrichter angesetzt werden.

Die Organisation des Spielbetriebs und ein möglichst attraktives Wettbewerbsangebot sind im föderalen System des DFB die Kernaufgaben der Verbände und ihrer Kreise/Bezirke. Aufgabe des DFB ist es, den Landes- und Regionalverbänden Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren, für Synergien, Kosten- und Aufwandssenkungen zu sorgen, Anstöße und koordinierende Hilfen zur weiteren Entwicklung des Amateur- und Breitenfußballs zu geben. Die Verwaltung des Spielbetriebs erfolgt über das DFBnet, abgebildet werden die Spiele und alle nationalen Wettbewerbe über FUSSBALL.DE, das vom DFB betriebene reichweitenstarke Portal des Amateurfußballs, sowie die Portale und Webangebote der Landes- und Regionalverbände.

120 Millionen Euro für die Amateure

Auf dem DFB-Bundestag in Erfurt im November 2016 wurde beschlossen, die direkte finanzielle Förderung der Landesverbände durch den DFB von bis dahin fünf auf acht Millionen Euro jährlich zu erhöhen. Diese Gelder sind an die Erfüllung gemeinnütziger Aufgaben gebunden, kommen also der Basis zugute.

Insgesamt investieren der DFB und seine Landesverbände rund 120 Millionen Euro pro Jahr in den Amateurfußball - soweit es die Satzungen zulassen als direkte Unterstützung, im Wesentlichen aber durch Verbandsleistungen. Mit Hilfe dieser Gelder und Leistungen wird neben der Organisation des Spielbetriebs, die international Maßstäbe setzt, unter anderem die Aus- und Weiterbildung von Trainern/Trainerinnen und Schiedsrichtern/Schiedsrichterinnen ermöglicht. Auch direkte Hilfen und Qualifizierungsangebote für Vereinsmitarbeiter(innen) sind enthalten. Darüber hinaus werden das DFB-Stützpunktsystem für die Talentförderung sowie Projekte wie das DFB-Mobil und der DFB-Junior-Coach auf diesem Weg finanziert. Hinzu kommt die erbrachte Arbeit von bundesweit zirka 10.000 Ehrenamtlichen, die für die Landesverbände und Fußballkreise im Einsatz sind.

Viele Leistungen für die Vereine

Dem gegenüber stehen Abgaben der Amateurvereine in Höhe von rund 35 Millionen Euro in Gestalt von Beiträgen, Gebühren für konkrete Leistungen oder Ordnungsgeldern. Diese Abgaben werden nicht an den DFB, sondern ausschließlich an die Landesverbände und Kreise/Bezirke gezahlt. Die Klubs im Amateurfußball beteiligen sich folglich mit etwa 30 Prozent an der Finanzierung der Haushalte der 21 Landes- und fünf Regionalverbände. Die jährliche Nettoleistung durch die Verbände für den gemeinnützigen Fußball beträgt also zirka 85 Millionen Euro und zeigt, in welchem Maße die Amateurvereine davon profitieren.

Häufig wird nach direkten finanziellen Unterstützungsleistungen des DFB an Vereine gerufen. Ein Blick in die Satzung des DFB, die von seinen Landes- und Regionalverbänden beschlossen worden ist, zeigt aber: Eine unmittelbare finanzielle Unterstützung einzelner Amateurvereine ist dem Deutschen Fußball-Bund schon aus gemeinnützigkeitsrechtlichen Gründen nicht möglich. Und dies hat seinen Grund: Aufgabe eines Dachverbandes in föderalen Strukturen ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen und nicht Gelder umzuverteilen und damit womöglich in den sportlichen Wettbewerb einzugreifen.

Nicht eingerechnet in alle Zahlenspiele sind die Einsparungen, von denen Vereine durch Innovationen in der Spielverwaltung und -organisation seitens des DFB profitieren. Mit den Werkzeugen des DFBnet können Aufgaben wie Passanträge, Platzreservierungen, die Ansetzung der Schiedsrichter, die Verwaltung der Spielberechtigungen und Sperren komfortabel online erledigt werden. Organisierter Fußball ist auch deshalb preiswert, weil der DFB und die Landesverbände viele Leistungen übernehmen und damit die Vereine unterstützen. Darüber hinaus setzt sich der DFB erfolgreich und mit Nachdruck auf politischer Ebene für Verbesserungen im Sinne der Vereine und des Fußballs ein. Beispiele dafür sind die Änderung der Lärmschutzverordnung für Sportanlagen oder das Ehrenamtsstärkungsgesetz.

Zusammengerechnet verwalten die rund 25.000 Vereine und Fußballabteilungen Budgets von 950 Millionen Euro jährlich (Quelle: DOSB-Sportentwicklungsbericht 2015/2016). Hinzu kommen ehrenamtliche Leistungen in den Klubs mit einer Wertschöpfung in Höhe von 1,8 Milliarden Euro.

Zukunftsstrategie Amateurfußball

Natürlich gibt es Sorgen. „Demografisch bedingte Rückgänge der Spieler- und Mannschaftszahlen, immer mehr Mobilität in der Arbeitswelt und viele andere Veränderungen der Lebensgewohnheiten stellen die Fußballvereine vor große Herausforderungen“ sagt Rainer Koch, der für den Amateurfußball zuständige 1. DFB-Vizepräsident. Weniger Zuschauer. Weniger Gewerbetreibende, die sich für den Verein vor Ort engagieren. Weniger Identifikation mit dem Klub vor der Haustür. Weniger helfende Hände bei Veranstaltungen, Turnieren oder im Vereinsheim. Weniger Mitglieder, die ein festes Ehrenamt ausüben. 2008 waren es noch fast 181.000 Mannschaften im Spielbetrieb, 2016 sind es 21.000 weniger. Der Amateurfußball steht vor großen Aufgaben.

Der DFB verschließt davor nicht die Augen. Beim Amateurfußball-Kongress 2012 in Kassel wurden die drängendsten Probleme mit Vereinsvertretern diskutiert und Lösungsvorschläge gemeinsam abgestimmt. Dieser direkte Austausch hat sich bewährt. Daher ist ein weiterer Amateurfußballkongress geplant, er soll im Laufe der Saison 2018/2019 durchgeführt werden.

Auf Grundlage des Kongresses 2012 ist die Zukunftsstrategie Amateurfußball entstanden. Sie hat zum Ziel, dass der DFB, seine Landesverbände und die Kreise/Bezirke durch eine gezielte Zusammenarbeit die Vereine so wirksam unterstützen, dass das weltweit einzigartige, bundesweit flächendeckende Netz von Amateurklubs mit bezahlbaren Fußballangeboten erhalten und gestärkt wird. „Der Ursprung der Stärke des deutschen Fußballs ist die Arbeit an der Basis, die zu 95 Prozent in den Vereinen auf Kreis- und Bezirksebene geleistet wird. Dieses Fundament wollen wir stützen, dieses Fundament wollen wir schützen“, sagt DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Auf dem DFB-Bundestag 2013 haben DFB, Landesverbände und Kreise einen gemeinsamen und verbindlichen Maßnahmenkatalog (Masterplan) gestartet. Im Kern beinhaltet er drei Handlungsfelder: Entwicklung des Spielbetriebs. Kommunikation. Vereinsservice. Die ersten drei Jahre bescherten unter anderem 713 Vereinsdialoge und mehr als 7.000 Vereinsbesuche des DFB-Mobils. 3.200 fußballpraktische Kurzschulungen und 1.300 Kurzschulungen im Bereich Fußball-Management wurden für die Amateurvereine und ihre Mitarbeiter durchgeführt, mehr als 10.000 DFB-Junior-Coaches an Schulen ausgebildet. Die organisierten Spielangebote für den Ü-Bereich wurden ausgebaut, Futsal als offizielle Hallenfußball-Variante nach FIFA-Regeln fest in die Verbands- und Vereinsstrukturen integriert. Außerdem griff ein bundesweites Fairplay-Konzept - mit der Einführung der FairPlayLiga in den jüngsten Altersklassen als Bestandteil.

„Wir haben viel erreicht, daran wollen wir anknüpfen“, sagt Reinhard Grindel. Darum ist der Masterplan um drei Jahre bis 2019 verlängert worden. Im Fokus stehen vor allem direkte Hilfen für Vereine und ihre Mitarbeiter durch Informations-, Qualifizierungs- und Beratungsangebote.

Unsere Amateure. Echte Profis.

Direkte Hilfen für die Basis bietet auch das umfassende Online-Angebot von „Training & Service“ mit regelmäßig neuen Übungseinheiten für jede Altersklasse und insgesamt 1900 Service-Inhalten für alle Zielgruppen. Eingebettet ist „Training & Service“ in FUSSBALL.DE. Mehr als 284 Millionen Besucher und 3,5 Milliarden Klicks verzeichnete FUSSBALL.DE im Jahr 2016 – Rekord. Außerdem wurde das Portal zur beliebtesten Website des Jahres in der Kategorie Sport gewählt. Das unterstreicht, wie groß das Interesse am Amateurfußball ist. FUSSBALL.DE widmet sich im Web, in der App und auf drei Social-Media-Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram) ausschließlich dem Geschehen von der Kreisliga bis zur Regionalliga, von den Bambini bis zu den Alten Herren.

Auch die Amateurfußballkampagne „Unsere Amateure. Echte Profis.“, ebenfalls ein Ergebnis des Amateurfußball-Kongresses 2012, ist ein klares Statement des DFB für den Vereinsfußball und die Menschen, die vor Ort die Mannschaften organisieren, betreuen und unterstützen. Die Kampagne soll den 1,7 Millionen Ehrenamtlichen den Respekt verschaffen, den sie verdienen. Sie zollt den Protagonisten von der Basis sowohl Anerkennung als auch Aufmerksamkeit für ihr Engagement und ihre Leistung. Sie verdeutlicht die gesellschaftliche Kraft des Amateurfußballs – beispielsweise bei Themen wie Integration, Fairplay und Wertevermittlung. Auch besondere Events wie der „Finaltag der Amateure“ verschaffen dem Amateurfußball bundesweit erhöhte Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit, die dabei helfen soll, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Damit das Herz des deutschen Fußballs an der Basis weiterhin kräftig schlägt.

Alle Spiele, Spieler und Tore des deutschen Amateurfußballs finden Sie auf www.fussball.de.


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