Verbandsrecht

Fair Play ist das höchste und vornehmste Gut im Sport. Doch auch Streit und Verstöße gegen Regeln und Regularien, gegen die Satzung und die Ordnungen gehören zum Alltag des Fußballs. Um Streit zu schlichten, Verstöße zu ahnden, die Disziplin aufrechtzuerhalten und vielfältige weitere Rechtsfragen zu klären, ist daher eine autarke Rechtsprechung im Rahmen der Autonomie des Sports unerlässlich.

So haben der DFB und seine Mitgliedsverbände die von der staatlichen Rechtsprechung entwickelten und vom Grundgesetz sowie vom Bürgerlichen Gesetzbuch geschaffenen gesetzlichen Grundlagen für eine eigene juristische Basis genutzt, auf der die Vereine und Verbände den Spielbetrieb, das Zusammenleben ihrer Mitglieder und die Rechte und Verpflichtungen eigenständig regeln können. Satzung und Ordnungen, für die – verabschiedet von der DFB-Legislative, an höchster Stelle der DFB-Bundestag – das Gemeinwohl des Fußballs absolute Priorität hat, sichern die Rechtsgrundlagen der beispielhaften juristischen Selbstverwaltung und ziehen die erforderlichen Grenzen.

Umgesetzt und genutzt wurden und werden sie bei schwerwiegenden Verwaltungsentscheidungen vom Vorstand und vom Bundestag des DFB oder im Rahmen der Sportgerichtsbarkeit von den gewählten Richtern in den Rechtsorganen – Sportgericht und Bundesgericht - sowie von den Mitgliedern des Kontrollausschusses.

Als prägende Entscheidungen in der DFB-Rechtsgeschichte seien vier Beschlüsse erwähnt:

  • die Einführung des Lizenzierungsverfahrens für Lizenz- und zusätzlich auch 3. Liga-Vereine;
  • die im Zusammenhang mit dem sogenannten Jägermeister-Prozess mit großem Aufwand vom DFB-Bundestag verabschiedete Satzungsregelung, wonach Namensgebungen und Namensänderungen zum Zweck der Werbung verboten sind;
  • die vom DFB-Bundestag beschlossene eingleisige 2. Bundesliga;
  • die umfassende Spielklassenstrukturreform mit der Einführung der 3. Liga als dritte Spielklassenebene des DFB und darunter mittlerweile fünf Regionalligen in der Trägerschaft der Regional- und Landesverbände.

Der unvermeidbaren und früh zunehmenden Verrechtlichung des Sports, die sich nicht zuletzt 1995 im sogenannten Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes mit seinen umwälzenden Folgen niederschlägt, trug der DFB schon 1972 Rechnung, als er mit der Einstellung von Goetz Eilers als erstem hauptamtlichen Juristen eine Rechtsabteilung gründete.

Mittlerweile belegt die Tätigkeit von sechs Juristen als hauptamtliche Sportrechtsexperten in der DFB-Direktion Recht die immens gestiegene Bedeutung des Rechts im Fußball. „Die DFB-Rechtsabteilung, die modernsten Ansprüchen genügenden Verfahrensordnungen und die professionelle und effektive Arbeit der mit hoch qualifizierten und sehr erfahrenen ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzten DFB-Rechtsorgane sind Garant dafür, dass die Rechtsstaatlichkeit der DFB-Gerichtsbarkeit, die ja staatlich anerkannte Rechtsprechung auch über hochbezahlte Profis und Trainer sowie Klubs mit Millionen-Umsätzen ausübt, national und international unbestritten ist“, so der für Rechts- und Satzungsfragen zuständige 1. DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch.