WM 2026
WM 2018: Erstmals Aus nach der Vorrunde

An diesem Donnerstag, 11. Juni ,beginnt die FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Deutschland nimmt zum bereits 21. Mal an einer WM-Endrunde teil. In einer Serie blickt DFB.de auf die deutsche WM-Geschichte zurück, von Turnier zu Turnier. Heute: die 19. Teilnahme bei der WM 2018 in Russland.
Dass der Titelverteidiger in Gruppe F gelost wurde, sahen Optimisten als Hinweis auf den Finaleinzug ein. Doch stattdessen wurde der Auftritt in Russland ein Flop. Deutschland erlebte 2018 einen Sommer wie noch nie - in der Heimat trocknete die Dürre die Flüsse aus, es wurden Rekordtemperaturen gemessen. In Russland schied die Nationalmannschaft erstmals in der DFB-Geschichte in der Vorrunde einer WM aus.
Torwart Manuel Neuer hatte quasi die ganze Saison wegen eines Mittelfußbruchs verpasst, doch Bundestrainer Joachim Löw setzte auf seine Weltmeister. Zum Auftakt gegen Mexiko standen im Moskauer Lushniki-Stadion sechs Helden von Rio und insgesamt acht Spieler aus dem Weltmeisterkader von 2014. Sie konnten die erste Auftaktpleite seit 1982 nicht verhindern (0:1), nur bei den Aluminiumtreffern von Toni Kroos und Joker Julian Brandt hatten die Fans einen Torschrei auf den Lippen. Löw kritisierte: "Wir waren halbherzig im Spiel nach vorn und sind nicht konsequent zum Abschluss kommen."
Kroos-Traumtor der einzige Lichtblick
So hatte der Weltmeister schon im zweiten Spiel gegen die siegreich gestarteten Schweden sein Endspiel. In Sotschi hieß es: Verlieren verboten, am besten siegen. Löw änderte die Elf auf drei Positionen, Marco Reus kam zu seinem Startelfdebüt bei einer WM, der gegen Mexiko verletzte Jonas Hector verteidigte wieder links und Sebastian Rudy ersetzte Sami Khedira. Aber es lief zunächst wie zuvor, zur Halbzeit stand es wieder 0:1.
Kurz nach Wiederbeginn glückte Reus der Ausgleich. Es war das Signal für einen rasanten Sturmlauf, die Torchancen häuften sich. Aber als Jerome Boateng nach 82 Minuten die Ampelkarte sah und als achter Deutscher bei einer WM vom Feld musste, sanken die Hoffnungen der Fans vor den Bildschirmen in den Keller. Zu Unrecht. In der fünften Minute der Nachspielzeit gab es noch einen Freistoß aus halblinker Position, der Winkel war spitz. Reus wollte trotzdem direkt schießen, doch Kroos riet ab. Sie heckten aus, dass er den Ball zu Reus tickt, der ihn stoppt und Kroos dann aus einem etwas günstigeren Winkel ins lange Eck schießen sollte. Gesagt, getan, gejubelt. Der Ball flog ins Tor und danach war sofort Schluss.
Nach dem spektakulären Ende sah sich die Fachwelt wieder darin bestätigt, dass die Deutschen eben eine Turniermannschaft seien. "Deutschland ist am Besten, wenn es wirklich darauf ankommt", schrieb Schwedens Aftonbladet. Die französische L’Equipe setzte noch einen drauf: "Deutschland hatte sein Wunder von Bern, nun hat es sein Wunder von Sotschi."
Aus als Gruppenletzter
Der Weltmeister hatte in den Abgrund geschaut, doch das flaue Gefühl blieb, dass der Absturz nur verzögert worden war. Der Gruppensieg war nach Mexikos 2:1 gegen Südkorea schon nicht mehr möglich. Aber ein Sieg über das punktlose Südkorea würde ins Achtelfinale führen - und das Erreichen stand nicht ernsthaft in Zweifel. Bekanntlich kam es anders an jenem historischen 27. Juni in Kasan, selbst die traditionell Glück bringenden grünen Trikots versagten ihren Dienst. Ins letzte Spiel dieser WM gingen nur noch fünf Weltmeister, Jerome Boateng war gesperrt, und Thomas Müller fand sich auf der Bank wieder. Es dauerte 39 Minuten bis zur ersten Chance, während Manuel Neuer schon zweimal parieren musste, aber Timo Werners Schuss wurde abgeblockt. Torlos ging es in die Kabinen.
Torlos war die Partie auch nach 90 Minuten. Da das qualifizierte Mexiko gegen Schweden unterging (0:3), musste ein Sieg her. Auffälligster Stürmer in der Endphase war Abwehrchef Mats Hummels, der in der 87. Minute freistehend am Tor vorbeiköpfte. Südkorea war längst ausgeschieden, aber nicht bereit, irgendetwas zu verschenken, und fuhr unentwegt seine Konter. In der Nachspielzeit (90+3) passierte es, allerdings nach einer Ecke. Das 1:0 von Youngwon Kim wurde zunächst annulliert, doch der VAR wies nach, dass Kroos den Ball noch berührt hatte - kein Abseits. Nun war alles verloren, trotzdem stürmte Neuer mit nach vorne. Als er einen Zweikampf verlor, lief der Ex-Hamburger Heung-min Son mit dem Ball ins leere Tor. Aus als Gruppenletzter.
Die Bild-Zeitung wählte den gleichen Titel wie nach dem 7:1 gegen Brasilien, nur sprach diesmal Verbitterung aus ihm: "Ohne Worte!" stand auf Seite 1. Kasan markierte den Zerfall der Weltmeister von 2014, auch wenn es nur für Sami Khedira und Mesut Özil das Abschiedsspiel war. Joachim Löw aber blieb und gestand Monate später ein, er sei "fast schon arrogant" in das Unternehmen Titelverteidigung gegangen.
Wer schoss die deutschen Tore?
Reus, Kroos (je 1).
Wieviel eingesetzte Spieler?
20.
Fakten
Deutschland schoss nie weniger Tore bei einer WM als diese zwei in Russland.
Nach Italien 2010 und Spanien 2014 schied zum dritten Mal in Folge ein Weltmeister in der Vorrunde aus.
Kurioses
Manuel Neuer kam verletzungsbedingt nur zu drei Einsätzen in der Bundesligasaison, dennoch hütete er bei der WM in genauso vielen Spielen das deutsche Tor. Eine einmalige Konstellation in der deutschen WM-Geschichte.
Zitat
"Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen einen Ball für 90 Minuten, und am Ende gewinnen nicht immer die Deutschen. Diese Version gehört der Geschichte an." (Englands Fußball-Idol Gary Lineker korrigiert seine Version von 1996)
Wer wurde Weltmeister?
Frankreich mit 4:2 im Finale gegen Kroatien.
Kategorien: WM 2026, Männer-Nationalmannschaft, Weltmeisterschaft
Autor: um

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