WM 2026
WM 2014: Erst das 7:1, dann der vierte Titel

An diesem Donnerstag, 11. Juni, beginnt die FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Deutschland nimmt zum bereits 21. Mal an einer WM-Endrunde teil. In einer Serie blickt DFB.de auf die deutsche WM-Geschichte zurück, von Turnier zu Turnier. Heute: die 18. Teilnahme, gekrönt mit dem vierten Stern bei der WM 2014 in Brasilien.
Nach einer nahezu makellosen Qualifikation und zwei dritten Plätzen bei den vorherigen WM-Endrunden kannte die deutsche Auswahl nur ein Ziel: Das DFB-Trikot sollte endlich ein vierter Stern zieren! Einer durchwachsenen, von Verletzungspech geprägten Vorbereitung folgte ein Traumstart, der die Skeptiker kleinlaut werden ließ. "Das wird unsere WM!“, jubelte die Bild über das 4:0 gegen WM-Geheimfavorit Portugal. Thomas Müllers Start in das Turnier war grandios, der Torschützenkönig von 2010 setzte mit drei Treffern gleich eine Duftmarke, und Verteidiger Mats Hummels traf nach einer Ecke. Das Manko der Ära von Bundestrainer Joachim Löw bis dahin, die Ungefährlichkeit bei Standards, fand in Brasilien sein Ende.
Duell mit Klinsmann
Im zweiten Spiel gegen Ghana war das auch bitter nötig, denn als die Afrikaner binnen neun Minuten Mario Götzes Führung in eine 2:1-Führung umwandelten, brachte wieder eine Ecke von Toni Kroos die Rettung. Im Tor landete der Ball aber dank des Riechers von Veteran Miro Klose, der sein 2:2 mit einem Salto feierte. Mit 36 Jahren avancierte er damit zum ältesten deutschen WM-Torschützen überhaupt - und zum Retter der Nation. "Danke, Alter!", titelte die Bild am Sonntag.
In Recife kam es im letzten Gruppenspiel zum Duell mit den USA und damit auch zwischen Joachim Löw und seinem Vorgänger und Partner bei der WM 2006, Jürgen Klinsmann. Die Fußballwelt witterte Schiebung, ein Punkt hätte beide ins Achtelfinale gebracht. Aber es kam anders: Ein Tor von Thomas Müller entschied die Regenschlacht von Recife. Hinterher gab es keine Verlierer, auch die USA kam weiter.
7:1 im Halbfinale gegen Brasilien!
Die deutsche Mannschaft traf nun auf Algerien. Vor der Partie tobte in der Heimat eine Debatte, auf welcher Position Kapitän Philipp Lahm am besten sei. Joachim Löw hatte ihn wie Bayern-Trainer Pep Guardiola bisher im Mittelfeld aufgestellt. Erst als sich der selbst im eigenen Team kaum bekannte WM-Nachrücker Shkodran Mustafi aus Genua verletzte, verteidigte Lahm wieder auf rechts. Am stärksten verteidigte in Porto Alegre jedoch Torwart Manuel Neuer, dessen Rettungsaktionen im Stil eines Liberos für viel Aufsehen sorgten. Ansonsten setzte es viel Kritik für das erst in der Verlängerung erzitterte 2:1 gegen die Nordafrikaner. "So fliegen wir gegen Frankreich raus", prophezeite die Bild. Per Mertesacker ließ seinen Unmut über die Kritiker aus der Heimat in einem schon legendären ZDF-Interview freien Lauf. Seine Replik ("Wat woll’n Se?") löste spontan eine Grundsatzdebatte aus: "Wollen Sie eine erfolgreiche WM, oder sollen wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?"
Bundestrainer Joachim Löw kannte die Antwort längst, aber um das Ziel zu erreichen, bedurfte es der Änderungen. Im idyllischen, am Meer gelegenen Campo Bahia tüftelte er die Siegtaktik aus. Gegen Frankreich spielte quasi die Mannschaft des Volkes: Philipp Lahm verteidigte rechts, im zentralen Mittelfeld liefen mit Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger nun beide "Sechser" auf. Ihr Fitnesszustand hatte das bisher nicht zugelassen. Opfer der Umstellungen wurde Per Mertesacker, fortan nur noch Reservist. Und Miro Klose beendete die weniger glückliche Ära der "falschen Neun", die Mario Götze oder Mesut Özil zuvor im Wechsel geben mussten. Das einzige Tor von Maracana erzielte jedoch ein Verteidiger. Wieder nach einem Standard von Kroos - nun ein Freistoß - köpfte Hummels ein.
Nun wartete der Gastgeber. Der 8. Juli 2014 ging in die WM-Historie ein und wird wohl noch in 100 Jahren als ein herausragender Fußballtag genannt werden. Eine entfesselte deutsche Nationalmannschaft demontierte den Gastgeber in Belo Horizonte, führte schon zur Pause mit 5:0 und gewann letztlich mit 7:1. Es war das höchste Halbfinalergebnis der 84-jährigen WM-Historie, es war "Das Wunder von Belo", wie die Frankfurter Rundschau titelte. Es war ein "Massaker auf Weltniveau", fand Spaniens "AS". Das Empire State Building in New York leuchtete in jener Nacht in Schwarz-Rot-Gold, um "das Weiterkommen Deutschlands zu ehren". Ganz Brasilien weinte.
Götze trifft zum WM-Titel
Die 90 Minuten von Belo Horizonte machten Deutschland zum großen Favoriten für das Finale am 13. Juli. Zum dritten Mal traf man auf Argentinien, so wie beim 2:3 in Mexiko 1986 und beim letzten Triumph 1990. Und wie in Rom hieß es auch in Rio 1:0, aber diesmal war es ein weit härteres Stück Arbeit. Löw musste seine Mannschaft kurz vor Anpfiff ändern, für den angeschlagenen Sami Khedira kam Christoph Kramer zu seinem Startelfdebüt. Das war nach einer halben Stunde schon wieder vorbei, er erlitt eine Gehirnerschütterung. Das Spiel blieb bis zuletzt offen. Weltstar Lionel Messi vergab eine Großchance, Benedikt Höwedes köpfte an den Pfosten.
Torlos ging es in die Verlängerung, dann stach zum vierten Mal bei dieser WM ein deutscher Joker. Mario Götze spitzelte in der 113. Minute auf fantastische Weise den präzisen Flankenball von Andre Schürrle ins Tor. Sieben Minuten später war Deutschland wieder Weltmeister. In der Heimat wartete auf die Sieger ein rauschender Empfang am Brandenburger Tor, wo sie 2006 noch für Platz drei bejubelt worden waren. Nun fühlte es sich noch besser an.
Wer schoss die deutschen Tore?
Müller (5), Schürrle (3), Götze, Hummels, Klose, Kroos (2), Khedira, Özil (1).
Wieviel eingesetzte Spieler?
18.
Fakten
Mit seinem Tor gegen Brasilien avancierte Miroslav Klose zum WM-Rekordtorschützen (16). Dabei überholte er ausgerechnet einen Brasilianer - Ronaldo.
Kurioses
Die Brasilianer hatten ihre ganz eigene Weise, mit dem Debakel gegen Deutschland umzugehen. "Gol de almanha" (Tor für Deutschland) und "sete a um" (7:1) sind nach dem Halbfinale zu geläufigen Redewendungen geworden, wenn etwas schief läuft. Es wurde auch eine Biersorte gebraut mit exakt 7,1 Prozent Alkoholgehalt, das auch dementsprechend "7:1" heißt.
Bemerkenswertes Zitat
"Ich lege mich jetzt drei Tage in die Eistonne, und dann sehen wir weiter. Wir sind weitergekommen und super happy." (Per Mertesacker im ZDF-Interview nach dem Algerien-Spiel)
Kategorien: WM 2026, Männer-Nationalmannschaft, Weltmeisterschaft
Autor: um

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