Männer-Nationalmannschaft
Völler: "Wir werden schwer zu schlagen sein"

Nach dem 4:0 gegen Finnland und der 2:1-Generalprobe gegen die USA ist die deutsche Nationalmannschaft seit Montag im WM-Trainingslager in Winston-Salem. Vor dem WM-Auftakt gegen Curacao am Sonntag sprach Rudi Völler über die Stimmung im Team, das Trainingslager und die Vorbereitung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko.
Rudi Völler über...
... den Empfang in Winston-Salem: Man konnte es sehen und spüren – den herzlichen Empfang von allen Menschen, älteren und Jugendlichen. Ich weiß, dass nur 3000 reinpassen, wir hätten fast das Drei- bis Vierfache verkaufen können, so viele Leute haben es sehen wollen. Und das konnte man auch spüren, die Herzlichkeit. Wir haben ein wunderbares Resort mit dieser Universität, mit diesen Möglichkeiten und den Anlagen, die wir jetzt hier nutzen dürfen. Das ist bis jetzt alles toll. Alle Spieler haben trainiert, alle sind fit – das ist bei einem großen Turnier das Wichtigste.
... das Trainingslager: Es ist jetzt kein Luxusresort, aber es ist total angenehm. Wir sind unter uns, wir haben für die Spieler einiges gemacht, damit sie sich zwischen den Trainingszeiten auch beschäftigen können. Egal wie weit es geht, es wird niemals eine Entschuldigung geben, dass das Trainingszentrum nicht gut genug war.
... das WM-Ziel: Wir wollen Gruppenerster werden und uns dann auch nach der Gruppenphase im K.o.-System behaupten. Wir werden schwer zu schlagen sein – und das ist schon mal eine Aussage. Je länger so ein Turnier dauert, und das haben uns auch die letzten Weltmeisterschaften gelehrt: Es geht nicht immer so aus, wie viele Experten zu Beginn eines großen Turniers denken.
... das WM-Eröffnungsspiel: Für mich ist es mit Abstand das schönste Stadion weltweit, das Aztekenstadion, und ich genieße es, übermorgen dort im Stadion zu sein.
... die Vorbereitung auf das erste deutsche WM-Spiel: Die beiden Spiele haben wir gewonnen und haben uns eingespielt. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn ein paar Dinge noch nicht so gut funktionieren – damit man gewarnt ist vor dem ersten Spiel. Wir haben es gegen die Finnen gesehen und gegen die Amerikaner war es etwas schwerer. Der Sieg war verdient, aber man hat gesehen, dass wir die ein oder andere Chance zu viel zugelassen haben und ein bisschen zu wenig gepresst haben. Das können wir noch besser machen. Das ist eine wichtige Trainingswoche. Wir werden darauf brennen, aufs erste Spiel. Beim Frühstück und beim Abendessen merkt man es – am liebsten würden sie jetzt schon beginnen.
... den Rasen und die Bedingungen: Man braucht Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch auf dem Platz. Es ist toll zu sehen, wie geholfen wird. Der Rasen kann natürlich etwas härter oder trockener sein, das ist klar, aber die Bedingungen – wir haben das Training jetzt schon zweimal gesehen – die sind richtig gut.
... Joshua Kimmich: Joshua ist der Kapitän, ich sage auch immer gerne der Fahnenträger, und dieser Rolle wird er absolut gerecht. Er ist das Sprachrohr. Ich habe einen sehr engen Draht zu Julian, aber auch Jo hat einen sehr engen Draht zum Bundestrainer. Die sprechen oft über viele Dinge, wir nehmen ihn mit ins Boot bei vielen Entscheidungen.
... Manuel Neuer: Die meisten Spieler kennt er von Bayern München, ihn bringt nichts aus der Ruhe, das strahlt er auch immer aus. Er wirkt immer gelassen, aber er ist trotzdem auch angespannt – das ist wichtig, sonst wäre er ja auch nicht zurückgekommen. Es läuft alles gut, aber es wird kein Nachteil sein, dass er jetzt erst wieder mit der Mannschaft trainiert.
... Jamal Musiala: Er brauchte eine Weile, um wieder 90 Minuten zu spielen, aber das ist kein Problem. Er wird hier super aufgebaut von Julian und den Fitnesstrainern. Auch wenn es jetzt noch nicht so gelaufen ist wie vor seiner Verletzung – er ist ganz nah dran und ich bin ganz optimistisch, dass er beim nächsten Spiel voll da ist.
... Kai Havertz: Ich hatte das Glück, ihn mit 12 Jahren nach Leverkusen zu lotsen. Er hat eine unglaubliche Entwicklung genommen, nicht nur fußballerisch, auch menschlich. Er ist ein toller Spieler. Wir haben zusammen das Finale geguckt und ihm natürlich die Daumen gedrückt. Ich habe mich, da bin ich ehrlich, gefreut, dass er nicht mehr die Verlängerung gespielt hat – weil wir etwas Angst hatten, dass er sich noch verletzt.
... Nick Woltemade: Im Vergleich zu vielen anderen Turnieren ist es hier sehr heiß, es wird oft gewechselt. Ich vermute, dass viele Trainer das volle Kontingent ausschöpfen werden. Er kommt nicht aus einer ganz einfachen Phase, aber er ist ein überragender Fußballer, der immer helfen kann, wenn er reinkommt. Bälle festmachen, Gas geben – da ist er enorm wichtig.
... Lagerkoller und den Vergleich zu seiner aktiven Zeit: Es ist vieles gemeinsam, aber es gibt eine Sache, die ist definitiv anders. Wir hatten kein Internet, kein Handy, es gab auch kein deutsches Programm. Lagerkoller, wie wir ihn von früher kennen, das gibt es heute nicht mehr. Du bist immer mit deiner Heimat verbunden und mit Handy und iPad beschäftigt.
... die Ticketpreise: Da gibt es keine zwei Meinungen. Dieses Gesamtpaket mit Flug, Unterkunft und Ticketpreis ist furchtbar teuer, es ist schwierig nachzuvollziehen. Die FIFA wird ihre Gründe haben, solche Preise zu verlangen. Wir versuchen zu helfen, zum Beispiel beim Spiel in New York. Aber sie haben recht, es ist zu teuer.
... die Egidius-Braun-Stiftung: Morgen werden wir zwei Einrichtungen besuchen und auch Schecks überreichen, auch von der Egidius-Braun-Stiftung. Vor genau 40 Jahren, bei meiner ersten WM als Spieler, hatten wir damals unser Trainingslager und haben ein Waisenhaus besucht. Egidius Braun war die Triebfeder und das ist über die Jahre und Jahrzehnte geblieben. Ich freue mich, dass ich mit Bernd Neuendorf und Holger Blask diese 40 Jahre noch einmal Revue passieren lassen kann.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: dfb
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