2. Frauen-Bundesliga
Viktoria-Kapitänin Nina Ehegötz vor Berliner Derby: "Den Ton angeben"
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Das Topspiel und Hauptstadtderby zwischen Spitzenreiter Viktoria Berlin und dem drittplatzierten Aufsteiger Hertha BSC steht am Sonntag (ab 14 Uhr) im Rahmen des 11. Spieltages in der 2. Frauen-Bundesliga im Blickpunkt. Im DFB.de-Interview spricht Viktoria-Kapitänin Nina Ehegötz (29) mit Mitarbeiter Ralf Debat über die Entwicklung des Klubs, ihren inneren Antrieb und den möglichen Aufstieg.
DFB.de: Nach zehn Spieltagen ist Viktoria Berlin Spitzenreiter in der 2. Bundesliga. Wie gut gefällt Ihnen der Blick auf die Tabelle, Frau Ehegötz?
Nina Ehegötz: Grundsätzlich schaue ich nicht so oft auf die Tabelle, schließlich ist es noch sehr früh in der Saison. Dass wir ganz oben stehen, gefällt mir aber schon. (lacht)
DFB.de: Zuletzt gelangen acht Siege in Serie. Der Vorsprung auf die ersten Verfolger SGS Essen und Hertha BSC ist bereits auf vier Punkte angewachsen. Welche Qualitäten haben das Team in diese gute Position gebracht?
Ehegötz: Ein wesentlicher Punkt ist unsere individuelle Qualität, auch in der gesamten Breite des Kaders. Dadurch können wir auch während eines Spiels immer auf die jeweilige Situation reagieren. Dazu verteidigen wir sehr gut, bekommen nur sehr wenige Gegentore.
DFB.de: In der Vorsaison sprang als Aufsteiger Platz fünf heraus. In welchen Bereich hat die Mannschaft die größten Fortschritte gemacht?
Ehegötz: Defensiv waren wir schon in der zurückliegenden Spielzeit stark, sind aber oft nicht über Unentschieden hinausgekommen, weil uns die Durchschlagskraft im Angriff und Effektivität im Abschluss fehlten. Jetzt sind wir auch in der Lage, enge Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen sind gewachsen. Die im Vorjahr gesammelten Erfahrungen helfen uns.
DFB.de: Die Gründerinnen des Klubs hatten sich 2022 zum Ziel gesetzt, bis 2027 in der Google Pixel Frauen-Bundesliga anzukommen. Es könnte nun zur neuen Saison eine Punktlandung werden. Wie schätzen Sie aktuell die Chancen ein?
Ehegötz: Wer oben steht, der will dort bleiben. Es ist auch innerhalb des Vereins klar kommuniziert, dass der Aufstieg in dieser Spielzeit unser Ziel ist. Dennoch tun wir gut daran, uns nicht schon jetzt mit dem Ende der Saison zu beschäftigen, sondern uns auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren.
DFB.de: Sie haben für den 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen und den 1. FFC Turbine Potsdam selbst schon viele Jahre in der Frauen-Bundesliga gespielt. Wie groß ist die Sehnsucht, mit der Viktoria noch einmal ganz oben anzugreifen?
Ehegötz: Ich bin jetzt schon seit vier Jahren hier, der Verein hat sich in dieser Zeit riesig entwickelt und will weitere Schritte nach vorne machen. Persönlich habe ich auf jeden Fall den inneren Antrieb, noch einmal in der ersten Liga zu spielen, zumal sich die Bedingungen seit meinem Abschied 2022 in ganz Deutschland erheblich verbessert haben.
DFB.de: Ist auch der Verein bereits für die höchste deutsche Spielklasse gerüstet?
Ehegötz: Es ist noch nicht alles optimal, aber es wird an allen Ecken und Enden daran gearbeitet, unsere Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. Die Signale sind positiv. Ich denke, wir werden für den Fall des Aufstiegs gewappnet sein.
DFB.de: In welchen Bereichen sehen Sie noch Nachholbedarf?
Ehegötz: Die Trainingsmöglichkeiten wurden beispielsweise durch einen neuen Kraftraum und einen neuen Kunstrasenplatz bereits erheblich verbessert. Es gibt aber auch noch einige Baustellen, was beispielsweise die Qualität des Trainingsplatzes angeht. Sehr dankbar sind wir für die Unterstützung durch unsere Fans. Es wäre aber schon schön, wenn die Kurve weiter wachsen würde. Wir wollen mit guten Leistungen dazu beitragen.
DFB.de: Die nächste Etappe auf dem Weg in Richtung Bundesliga ist das Derby gegen Hertha BSC. Wie sehr sind Vorfreude und Anspannung bereits zu spüren?
Ehegötz: Ich würde hauptsächlich von Vorfreude sprechen. Auch wenn bei uns im Kader nicht so viele waschechte Berlinerinnen im Kader stehen, wie es bei Hertha der Fall ist, wird das Spiel sicherlich auch bei uns noch einige Prozentpunkte mehr herausholen.
DFB.de: Welchen Stellenwert hat dieses Stadtduell?
Ehegötz: Man merkt auf jeden Fall, dass die Aufmerksamkeit deutlich größer ist als vor anderen Partien. Das ist eine tolle Sache. Sportlich wollen wir zeigen, dass wir zurecht auf Platz eins stehen, und unsere Position festigen.
DFB.de: Als Liganeuling musste auch Hertha BSC in dieser Saison erst eine Niederlage hinnehmen und mischt direkt ganz oben mit. Wie sehr überrascht Sie das?
Ehegötz: Überrascht bin ich von der Konstanz, die das Team bereits an den Tag legt. Wir haben uns vor einem Jahr als Aufsteiger deutlich schwerer getan. Es steckt allerdings viel Qualität im Kader. Mit guten Leistungen hat sich Hertha die Platzierung absolut verdient.
DFB.de: Worauf wird es ankommen, um die Partie für sich zu entscheiden?
Ehegötz: Wir müssen vor allem einen klaren Kopf behalten und unsere Stärken ausspielen. Wir wollen den Ton angeben und defensiv so wenig wie möglich zulassen.
DFB.de: Bei einem Sieg würde sich der Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz auf sieben Punkte vergrößern. Wäre das schon ein großer Schritt in Richtung Bundesliga?
Ehegötz: Nach dem Derby ist noch nicht einmal die Hinrunde vorbei. Das sollten wir nicht vergessen. Träumen ist erlaubt, auf uns wartet aber auch danach noch viel harte Arbeit.
DFB.de: Können Sie sich auch vorstellen, dass beide Teams am Saisonende aufsteigen und dann sogar drei Berliner Klubs in der höchsten Spielklasse mitmischen?
Ehegötz: Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen. (lacht) Wenn man bedenkt, dass noch vor wenigen Jahren kein einziger Berliner Verein in den ersten zwei Ligen am Start war, wäre das schon eine sehr coole Entwicklung und auch ein Ausrufezeichen. Berlin würde dadurch auch zur Hauptstadt des Frauenfußballs.
DFB.de: Sie hatten Ihre Karriere vor einigen Jahren - auch verletzungsbedingt - schon einmal für beendet erklärt. Was treibt Sie jetzt an?
Ehegötz: Ich habe bei Viktoria den Spaß am Fußball wiedergefunden, mein Ehrgeiz ist ungebrochen. Es bereitet mir große Freude, die jüngeren Spielerinnen zu unterstützen und für sie ein Vorbild zu sein.
Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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