DFB-Pokal
Duell mit dem Titelverteidiger: Acht Zweitligisten setzten sich durch

Im Viertelfinale stehen nur noch zwei Zweitligisten: Hertha BSC und Holstein Kiel. Dabei treffen die Kieler Störche am Mittwoch (ab 20.45 Uhr, live im ZDF und auf Sky) auf den Titelverteidiger VfB Stuttgart. Dass sie nicht aussichtslos ins Rennen gehen, wissen sie allerdings am besten. Achtmal kam es seit Einführung der 2. Liga 1974, damals noch zweigeteilt, vor, dass der Vertreter des Unterhauses den Titelverteidiger rauswarf – und Holstein Kiel gehörte dazu. DFB.de mit einer Übersicht der Duelle.
28. Februar 1981: Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf 2:1
Die Premiere ist zugleich eine Zäsur. An diesem Tag endete die längste Siegesserie der DFB-Pokalgeschichte. Fortuna Düsseldorf, Pokalsieger von 1979 und 1980, musste nach 18 Spielen wieder eine Niederlage einstecken. Noch immer hat niemand diesen Rekord gebrochen, aber natürlich hätte die Fortuna damals gern noch ein 19. Spiel angefügt. Schließlich war Düsseldorf ja der Favorit. Zwar war die Hertha kein klassischer Zweitligist, sondern gerade nach zehn Jahren wieder mal abgestiegen und mit einem Sturm ausgestattet, der zu der Anzahl von 123 Treffern am Saisonende wesentlich beitragen sollte. Aber formal gab es ihn eben, den Klassenunterschied. Betreut wurden die Berliner von Kultcoach Uwe Klimaschefski.
Bei Fortuna herrschte auf der Trainerbank weniger Kontinuität als in Pokalspielen, mit Heinz Höher war schon der dritte Fußballlehrer an der Rekordserie beteiligt - und der konnte sogar die Bestbesetzung aufstellen: Gerd Zewe, Rudi Bommer, Klaus und Thomas Allofs – alle waren sie dabei. Doch Berlin war diesmal keine Reise wert für die Fortunen, die Hertha nahm vor der stolzen Kulisse von 48.000 Zuschauern Revanche für das verlorene Finale von 1979. Durch Werner Killmaier (12.) ging sie früh in Führung, Thomas Remark erhöhte nach 65 Minuten auf 2:0, Thomas Allofs (71.) verkürzte nur noch. Höher nahm es gelassen: "Wenn man seit fast drei Jahren in 18 Pokalspielen ungeschlagen ist, war bestimmt einige Male Glück dabei. In Berlin hat uns dieses Glück gefehlt." Obwohl Düsseldorf die Glücksgöttin im Namen trägt. Für Hertha war im Halbfinale (0:1 in Frankfurt) Schluss.
14. Januar 1984: Hannover 96 - 1. FC Köln 3:2
Gegen einen Zweitligisten hatte der 1. FC Köln unter Trainer Rinus Michels 1983 den Pokal gewonnen (1:0 gegen Lokalrivale Fortuna Köln), ein Zweitligist beendete auch seine Träume von der Titelverteidigung. Im Achtelfinale führte ihn das Los ins Niedersachsenstadion (21.000 Zuschauer) dabei zu einem Abstiegskandidaten (16. Platz). In Kölns Starensemble standen aktuelle und ehemalige Nationalspieler wie Toni Schumacher, Pierre Littbarski, Klaus Fischer und Klaus Allofs, der zwar ein Tor schoss und doch wieder Opfer eines aufmüpfigen Zweitligisten werden sollte.
Den Kölnern half es auch nicht, dass 96-Trainer Werner Biskup mal beim FC an der Seite von dessen Trainer Johannes Löhr gespielt hatte. 96 hatte nichts zu verschenken an diesem Tag und drehte einen Pausenrückstand (1:2) noch in einen Sieg um. Werner Lorant besorgte per Foulelfmeter (64.) den Ausgleich, der überragende Frank Hartmann erzielte den Siegtreffer (74.). Biskup schickte die Sieger nach dem Spiel vor die Stehplatzkurve und sagte: "Niemals hätten wir dieses Spiel gewonnen, wäre da nicht die grandiose Unterstützung der Zuschauer gewesen."
23. September 1989: Borussia Dortmund – Eintracht Braunschweig 2:3
Noch immer schwelgten einige BVB-Fans in Erinnerung an den epischen Pokalsieg in Berlin gegen Werder Bremen (4:1), als ihnen im Westfalenstadion ein Zweitligist alle Illusionen raubte, es könne 1990 noch mal so schön werden. Mit einer Pleite gegen die Eintracht rechnete kaum jemand, die Kulisse im Westfalenstadion (10.197) sprach Bände. Zumal es programmgemäß begann: Michael Zorc schoss das 1:0 (12.) für das Team von Horst Köppel, das eine Großchance auf das 2:0 verschleuderte. Dann kam mit dem Schlendrian ein zwölfter Mann ins BVB-Spiel und der stärkte nur den Underdog. Thomas Schmidt (36.) und Dirk Lellek (43.) brachten die Eintracht in Führung.
Der Pokalsieger litt unter großer Personalnot an diesem Tag. Köppel hatte in Thomas Kroth nebst Talenten aus der Amateurmannschaft nur noch einen Profi auf der Bank, den er nach 65 Minuten brachte. Doch die Wende blieb aus, stattdessen erhöhte Bernd Gorski auf 3:1 (80.) aus Braunschweiger Sicht. Thomas Helmer verkürzte nur noch (82.) – und klagte hinterher: "Tiefer kann man nicht sinken." Eintracht-Coach Uwe Reinders erklärte die Sensation recht originell: "Die Faszination Borussia Dortmund hat das Leistungsniveau meiner Mannschaft um 20 Prozent gehoben." Erst im Halbfinale bei Werder Bremen (0:2) endete der Raubzug der Braunschweiger Löwen.
8. April 1992: Hannover 96 – Werder Bremen 6:5 i. E.
Gäbe es einen Deutschen Meister im Elfmeterschießen, hätte der 1992 wohl Hannover 96 geheißen. Der erste Zweitligist, der jemals den Pokal gewann, beherrschte den Nervenkitzel vom Punkt in jenen Tagen am besten. Im Halbfinale warfen die Niedersachsen Titelverteidiger Werder Bremen auf diese Weise raus und auch das Finale gegen Mönchengladbach gewann das Team mit den besten Nerven bekanntlich am Kreidepunkt. Im Halbfinale stand es nach 90 Minuten vor 57.000 Zuschauern noch 0:0, und als Michael Koch in der Verlängerung die 96er in Führung schoss (95.), glich Rune Bratseth postwendend aus (97.). Kleine Ausrede für das Rehhagel-Team: Werder war durch einen Magen-Darm-Virus geschwächt und beklagte drei Ausfälle.
Im Elfmeterschießen lag Hannover nach Carsten Surmanns Fehlschuss zunächst zurück, doch danach verfehlte Bratseth das Tor. Dann schlug die Stunde von Torwart Jörg Sievers, der erst das 6:5 selbst erzielte und anschließend den entscheidenden Schuss von Marco Bode hielt. Im Finale hielt Sievers sogar zwei Elfmeter, weshalb er bis heute Kultstatus in Hannover genießt.
4. Februar 2004: Alemannia Aachen – Bayern München 2:1
An jenem kalten Mittwoch strauchelte Double-Gewinner Bayern München am Aachener Tivoli und es war kein Trost, dass er gegen den späteren Finalisten verlor. Jörg Bergers Alemannia hatte zuvor schon den anderen Münchner Bundesligisten TSV 1860 rausgeworfen. Im Viertelfinale, das live im TV übertragen wurde, spielte sich der Zweitligist in einen Rausch. Verteidiger Stefan Blank machte das Spiel seines Lebens und überwand Oliver Kahn aus 35 Metern (33.).
Der Treffer wurde von den ARD-Zuschauern zum Tor des Monats gewählt und ist längst Legende, ein Aachener Modellbauer hielt diesen Moment sogar in Plastik fest. Legendär ist auch der Schütze des 2:1: Kaum auf dem Feld, überwand Erik Meijer, heute Experte bei Sky, Kahn erneut (81.). Dazwischen lag der Ausgleich von Michael Ballack per Kopf mit der ersten Bayern-Chance unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Doch zu mehr waren die spielerisch überlegenen Bayern an diesem Tage nicht in der Lage und Franz Beckenbauer grollte: "Die Mannschaft muss besser spielen, schlechter geht es ja nicht."
31. Oktober 2007: Carl Zeiss Jena – 1. FC Nürnberg 5:4 i.E.
Etwas überraschend hatte der 1. FC Nürnberg im Sommer 2007 den Pokal gewonnen. Schon in der 2. Runde der nächsten Saison platzte der Traum von der Titelverteidigung. Gegen Carl Zeiss Jena, den 17. der 2. Liga, der erst eines von elf Spielen gewann, zog das Team von Hans Meyer den Kürzeren. Ausgerechnet sein Ex-Klub, den Meyer zu DDR-Zeiten 14 Jahre betreut und 1981 in ein Europapokalfinale geführt hatte, fügte dem Club diese Blamage zu. Meyer hatte schon soetwas geahnt: "In so einem Spiel begegnen sich beide Teams immer auf Augenhöhe."
Tatsächlich waren sie nach 90 Minuten gleichwertig, da stand es 1:1 nach Treffern von Zlatan Misimovic (0:1/13.) und Sandor Torghelle (56.), der von einem Fehlpass des Nürnberger Matchwinners im Pokalfinale, Kristiansen, profitierte. Anschließend flog Torghelle mit Gelb-Rot runter (68.), was der Bundesligist bis Ende der 90 Minuten nicht zu nutzen wusste. In der Verlängerung ging der Club durch Joshua Kennedy dann erneut in Führung (95.), nun flog Jenas Trainer Valdas Ivanauskas auf die Tribüne. Von dort sah er als einer von 15.610 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Jena den erneuten Ausgleich durch Robert Müller (114.) - in Unterzahl. Nun kam es zum Elfmeterschießen, bei dem der Gast im Vorteil zu sein schien, hatte dessen Torwart Daniel Klewer doch schon zweimal eine entscheidende Rolle gespielt bei dieser Form der Ergebnisfindung. Doch diesmal blieb der "Hexer" erfolglos, Jena verwandelte alle fünf Elfmeter, während Nürnbergs Dominik Reinhardt beim Stand von 2:2 den Ball übers Tor setzte. Den entscheidenden Ball versenkte Ex-Nationalspieler Ronald Maul, danach war im Jena-Paradies die Hölle los.
13. Januar 2021: Holstein Kiel – Bayern München 6:5 i.E.
Abgesehen von der Deutschen Meisterschaft 1912, von der keiner mehr erzählen konnte, hatte es bis zu diesem Tag kein größeres Spiel in der Geschichte von Holstein Kiel gegeben. Dass die Bayern mal an die Förde kamen, das ging bis dahin nur im Pokal. Schließlich pendelte der KSV nach dem Krieg meist zwischen Zweit- und Drittklassigkeit. In der Corona-Saison 2020/2021, als man vor leeren Rängen spielen musste, träumte das Team von Ole Werner als Drittplatzierter des Unterhauses aber vom ersten Aufstieg in die Bundesliga. Vom Pokal weniger, das Los war das denkbar schwerste: Es kam der Serienmeister seit 2013, der schon wieder die Tabelle anführte. Gästetrainer Hansi Flick glaubte, einige Stars schonen zu können und setzte Robert Lewandowski (bis zur 74. Minute), Benjamin Pavard (bis 85.) und David Alaba (bis 106.) auf die Bank, auf der sowieso immer Stars saßen.
Talent Jamal Musiala erhielt eine Chance in der Startelf, ebenso die Mitläufer Bouna Sarr und Marc Roca. Trotzdem schien alles gut zu gehen, bis in die fünfte Minute der Nachspielzeit führte der Meister nach Treffern von Serge Gnabry (14.) und Leroy Sané (48.) per Freistoß verdient mit 2:1. Für Kiel hatte Finn Bartels ausgeglichen (37.). Doch dann schlug Abwehrchef Hauke Wahl per Kopf und Schulter noch zu und es ging im Schneetreiben in die Verlängerung, die torlos blieb. Bei der Lotterie vom Elfmeterpunkt zog Manuel Neuer dann keinen Hauptgewinn und musste alle fünf Kieler Schüsse durchlassen, Marc Roca hingegen scheiterte an Ioannis Gelios - fertig war die Sensation. Schon in der 2. Runde kam das Aus für den Titelverteidiger, erstmals seit 20 Jahren.
Weltmeister Thomas Müller sagte zerknirscht im ARD-Interview: "Das Spiel verlief nicht so, als wenn sich eine Pokalsensation abgezeichnet hätte. Uns hat in manchen Situationen das Spielglück gefehlt und jetzt sind wir bedient. Dass die Stimmung nicht gut ist, können sie sich denken." Gnädiger war Trainer Flick: "Von der Motivation her kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Die Kieler Mannschaft hat sich mit allem, was sie hatte, dagegen gestemmt."
18. Januar 2022: FC St. Pauli – Borussia Dortmund 2:1
Auf die zweifellos besondere Kulisse am Millerntor konnten sie es nicht schieben. In Zeiten von Corona, das zwar auf dem Rückzug, aber noch nicht besiegt war, durften nur 2000 Zuschauer bei dieser Partie dabei sein. Sie sahen den ersten Pauli-Sieg in diesem Duell nach 32 Jahren, verbunden mit dem Einzug ins Viertelfinale. Schon nach vier Minuten brachte der aus der BVB-Jugend stammende Etienne Amenyido den Tabellenführer der 2. Liga gegen den Zweiten der Bundesliga in Führung, trotz missglückter Ballannahme ließ es die BVB-Abwehr um Mats Hummels zu. Das Tor wurde durch eine flache Flanke über rechts eingeleitet - und nach diesem Muster fiel auch das 2:0, nur dass diesmal ein Borusse vollstreckte. Axel Witsel wollte klären und überwand im Rutschen seinen eigenen Keeper Gregor Kobel (40.). "So ganz unverdient war die Führung nicht", attestierte die Sportschau dem FC St. Pauli eine Leistung "auf Augenhöhe".
Nach der Pause warf der Titelverteidiger alles nach vorne, auch Abwehrchef Hummels suchte den gegnerischen Strafraum auf und erzwang einen Handelfmeter, den Superstar Erling Haaland nüchtern einschoss (58.). Doch zu mehr war Borussia Dortmund an diesem kalten Abend nicht in der Lage und bekam die nächste Mentalitätsdebatte aufgebürdet. "Es ist ein Stück weit doof, dass wir dieses Klischee wieder bedienen", knurrte Trainer Marco Rose. Kollege Timo Schultz freute sich mit dem ganzen Verein über eine runde Million Euro für den Einzug ins Viertelfinale, das sie bereits nach Berlin führte. Allerdings nur nach Köpenick - und bei Union war dann Endstation (1:2).
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Autor: um

FAQ: Hier wird das DFB-Pokalviertelfinale live übertragen
Da waren's nur noch acht: Im DFB-Pokalviertelfinale kämpfen unter anderem der FC Bayern München, Hertha BSC und der VfB Stuttgart um den Einzug ins Halbfinale. Im FAQ beantwortet DFB.de die wichtigsten Fragen zur Runde der letzten Acht.

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Drei Viertelfinalspiele live im Free-TV
Der DFB hat gemeinsam mit seinen TV-Partnern die Viertelfinalpaarungen im DFB-Pokal zeitgenau angesetzt. Erneut dürfen sich die Fans dabei auf gleich drei Livespiele im Free-TV freuen. Sky überträgt alle vier Partien live im Pay-TV.